Politik

Großer atomarer Fortschritt Nordkorea testet offenbar U-Boot-Rakete

285057520.jpg

Nordkorea behauptet schon länger über U-Boot-gestützte ballistische Raketen zu verfügen.

(Foto: picture alliance/dpa/KCNA)

Nur drei Tage nachdem Nordkorea eine ballistische Rakete in Richtung des Japanischen Meeres abegschossen haben soll, erhebt das südkoreanische Militär erneut Vorwürfe gegen den Nachbarstaat. Diesmal soll eine atomwaffenfähige U-Boot-Rakete abgefeuert worden sein.

Nordkorea hat nach Angaben des südkoreanischen Militärs möglicherweise eine atomwaffenfähige U-Boot-Rakete getestet. Nordkorea habe eine ballistische Rakete am frühen Samstagnachmittag (Ortszeit) vor Sinpo an der Ostküste in Richtung offenes Meer abgefeuert, teilte der Generalstab mit. Es handele sich vermutlich um eine U-Boot-gestützte ballistische Rakete (SLBM/Submarine-Launched Ballistic Missile) von kurzer Reichweite. Ob sie tatsächlich von einem U-Boot oder eventuell von einer Unterwasserplattform abgeschossen wurde, blieb zunächst unklar.

Der Einsatz von U-Booten, die als Träger von ballistischen Raketen dienen, würde nach Ansicht von Beobachtern einen großen Fortschritt für Nordkoreas Pläne bedeuten, seine atomare Schlagkraft auszubauen. UN-Resolutionen verbieten dem Land die Erprobung jeglicher Art von ballistischen Raketen. Das sind in der Regel Boden-Boden-Raketen, die je nach Bauart auch einen oder mehrere Atomsprengköpfe tragen können. SLBM gelten als Waffen von besonderem strategischen Wert. Raketen, die von einem abgetauchten Trägerschiff abgefeuert werden, sind schwerer vom Gegner zu entdecken.

Bislang 15 Raketentests in diesem Jahr

Nordkoreas Nachbarland Südkorea gilt als das erste Land, das SLBM entwickelt, ohne selber Atomwaffen zu haben. Nordkorea verfügt nach eigener Aussage schon länger über die SLBM-Technologie. Doch wurden seine Angaben über bisherige Versuchsstarts vom U-Boot aus angezweifelt. Es wird vermutet, dass es dazu eine unter Wasser schwimmende Plattform genutzt haben könnte.

Beim jüngsten Test flog die Rakete den Angaben Südkoreas zufolge auf einer Flughöhe von bis zu 60 Kilometern etwa 600 Kilometer weit über dem Japanischen Meer (koreanisch: Ostmeer), bevor sie ins Wasser stürzte. Südkoreas Nationaler Sicherheitsrat warf dem international isolierten Nachbarland vor, durch sein Verhalten die Sicherheit in der Region zu gefährden.

Nordkorea hat bisher in diesem Jahr schon 15 Runden von Raketentests unternommen, darunter auch mindestens einen neuen Test einer Interkontinentalrakete (ICBM). Vor dem jüngsten Waffentest hatte Nordkorea zuletzt am Mittwoch laut Südkorea und Japan eine ballistische Rakete abgefeuert. Sie flog demnach 470 Kilometer weit. Unklar blieb aber, um welchen Raketentyp es sich genau handelte. Es wurde nicht ausgeschlossen, dass es sich dabei um einen letztlich fehlgeschlagenen Test einer Langstreckenrakete gehandelt haben könnte.

Die jüngsten nordkoreanischen Raketentests erfolgten in Zeiten wachsender Unsicherheit in der Region. Experten vermuten, dass Nordkorea auch versucht, den Druck auf die USA zu erhöhen, damit diese konkrete Vorschläge für neue Verhandlungen machen. Die Gespräche mit Nordkorea über sein Atomwaffenprogramm kommen seit mehr als drei Jahren nicht mehr voran. Die Führung in Pjöngjang wirft der US-Regierung eine feindselige Politik vor. Washington befürchtet, dass Nordkorea noch in diesem Monat einen neuen Nukleartest unternehmen könnte. In zwei Wochen besucht US-Präsident Joe Biden die amerikanischen Verbündeten Südkorea und Japan.

Quelle: ntv.de, lno/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen