Politik

Biden stellt "Tag 1"-Team auf Obamas Außenminister wird Klimabeauftragter

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Bereits von 2013 bis 2017 haben John Kerry (l.) und Joe Biden gemeinsam in der US-Regierung gedient.

(Foto: picture alliance / dpa)

Joe Biden ist ein alter weißer Mann, aber sein Kabinett wird vielfältig: Der künftige US-Präsident nominiert erstmals einen Latino für das Amt des Heimatschutzministers, erstmals eine Frau als Geheimdienst-Koordinatorin. Außerdem ist der Klimawandel ab sofort ein "Thema der Nationalen Sicherheit".

Der gewählte US-Präsident Joe Biden will den ehemaligen US-Außenminister John Kerry zum US-Sonderbeauftragten für das Klimafragen machen. Sein Stab bestätigte zugleich, dass Antony Blinken als Außenminister nominiert werden soll. Mit Alejandro Mayorkas soll erstmals ein Latino das Heimatschutzministerium leiten, das unter anderem für Einwanderung zuständig ist. Mit Avril Haines soll zudem erstmals eine Frau als Direktorin der Nachrichtendienste (DNI) die verschiedenen US-Geheimdienste koordinieren.

"Wir haben keine Zeit zu verlieren, wenn es um unsere nationale Sicherheit und Außenpolitik geht", erklärte Biden in der Mitteilung. "Ich brauche ein Team, das an Tag eins bereit ist, um mir zu helfen, Amerikas Platz am Kopf des Tisches zurückzuerobern, die Welt für die größten Herausforderungen, denen wir gegenüberstehen, zusammenzubringen und unsere Sicherheit, unseren Wohlstand und unsere Werte voranzubringen."

Die Nominierungen müssen vom Senat bestätigt werden. Sie machen deutlich, dass der künftige US-Präsident dem Klimawandel eine wesentliche größere Bedeutung beimisst als die abgewählte Regierung von Donald Trump. So soll mit Kerry erstmals ein Sondergesandter für Klimaangelegenheiten im Nationalen Sicherheitsrat des Weißen Hauses sitzen. Damit bringe Biden zum Ausdruck, dass die Erderwärmung als "dringliches Thema der Nationalen Sicherheit" angesehen werde, erklärte sein Übergangsteam. Der 76-Jährige besitzt bereits aus der zweiten Obama-Administration Regierungserfahrung: Er war von 2013 bis 2017 Außenminister.

Wiederaufbauen, was Trump zerstört hat

Auch mit den Nominierungen von Alejandro Mayorkas für das Amt des Heimatschutzministers und Antony Blinken für das Amt des Außenministers setzt Biden deutliche Zeichen. Der 60-jährige Mayorkas wurde auf Kuba geboren. Seine Eltern verließen das Land wenig später nach der Machtübernahme durch Fidel Castro. Er war unter anderem Staatsanwalt in Kalifornien und war bereits stellvertretender Heimatschutzminister in der zweiten Amtszeit von Barack Obama. Das Ministerium spielt eine zentrale Rolle unter anderem im Umgang mit illegaler Einwanderung an der Grenze zu Mexiko und mit Menschen, die sich ohne Papiere im Land aufhalten.

Der 58-jährige Blinken gilt als pro-europäisch und als entschiedener Befürworter des Multilateralismus. Unter anderem war er einer der Architekten des internationalen Atomabkommens mit dem Iran, das Trump im Mai 2018 aufgekündigt hatte. Der gebürtige New Yorker soll die Beziehungen zu den europäischen Nato-Partnern, die Trump immer wieder vor den Kopf gestoßen hatte, wieder verbessern.

Gute Verbindungen nach Frankreich hat Blinken bereits: Einen Teil seiner Schulzeit verbrachte er in Paris, wo sein Stiefvater, ein Holocaust-Überlebender, als Jurist arbeitete. Der fließend Französisch sprechende Blinken selbst arbeitete später als Anwalt in Paris.

Ex-Fed-Chefin soll Finanzministerin werden

Am Abend wurde aus informierten Kreisen weiterhin bekannt, dass Biden die frühere US-Notenbankchefin Janet Yellen zur Finanzministerin machen möchte. Die 74-Jährige würde damit die erste Frau an der Spitze des US-Finanzministeriums werden. Yellen war bereits zwischen 2014 und 2018 die erste Frau an der Spitze der Notenbank Fed. Als Nachfolgerin von Finanzminister Steve Mnuchin müsste sie gegen die Wirtschaftskrise infolge der Corona-Pandemie ankämpfen.

Bidens Übergangsteam bestätigte zudem, dass der 43-jährige Jake Sullivan Bidens Nationaler Sicherheitsberater werden soll. Sullivan war bereits Bidens Sicherheitsberater in dessen Zeit als Vizepräsident. Die Karrierediplomatin Linda Thomas-Greenfield soll Botschafterin ihres Landes bei den Vereinten Nationen werden.

Biden hatte die Präsidentschaftswahl vom 3. November gegen Trump gewonnen. Dieser weigert sich bislang aber, seine Wahlniederlage anzuerkennen und spricht von angeblichem Wahlbetrug.

Quelle: ntv.de, chr/dpa/AFP