Politik

Studie zum Wahlverhalten Parteien erreichen Migranten nicht

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Die meisten Unionswähler mit Migrationshintergrund kommen aus der ehemaligen Sowjetunion.​

(Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress)

Elf Millionen Wahlberechtigte in Deutschland haben eine Einwanderungsgeschichte. Doch viele fühlen sich von keiner Partei angesprochen. Damit verschenken die Parteien laut einer aktuellen Studie wertvolles Wählerpotenzial.

Etwas mehr als zwei Monate vor der Bundestagswahl nimmt der Wahlkampf an Fahrt auf. Doch auf den Wahlplakaten wird eine Gruppe vergleichsweise selten angesprochen: Menschen mit Migrationshintergrund. Dabei haben 21 Millionen Menschen in Deutschland eine Einwanderungsgeschichte - elf Millionen von ihnen sind deutsche Staatsbürger und dürfen wählen. Wie der "Spiegel" berichtet, hat eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) das Wahlverhalten dieser Bevölkerungsgruppe analysiert.

Anhand von Daten des Sozio-oekonomischen Panels ermittelten die Autoren der Studie Trends in der Parteizugehörigkeit und -präferenz von Zuwanderern. Demnach fühlen sich Menschen mit Migrationshintergrund oft nicht an eine Partei gebunden. Die Studienautoren, der Soziologe Jannes Jacobsen und der Professor für Methoden der empirischen Sozialforschung an der Universität Bielefeld, Martin Kroh, sehen darin ein großes Wählerpotenzial für die Parteien.

SPD verliert immer mehr

Nur 28 Prozent der Zugewanderten fühlen sich einer Partei zugehörig. Laut dem "Spiegel" fühlt sich in der restlichen Bevölkerung fast jeder Zweite einer Partei verbunden. Der große Unterschied könne durch einen Zeitfaktor erklärt werden, so die Studienautoren. Selbst wenn jemand seit vielen Jahren in Deutschland lebt, dauere die Präferenzbildung erstaunlich lange. Dem "Spiegel"-Bericht zufolge fühlte sich erst nach fünf Jahren etwa ein Viertel der Befragten zumindest einmal einer Partei zugehörig - nach 15 Jahren die Hälfte.

Die Sozialdemokraten, so der "Spiegel", boten lange Zeit eine politische Heimat für bestimmte Gruppen von Menschen mit Einwanderungsgeschichte. Sogenannte Gastarbeiter hatten eine große Zuneigung zur SPD, so das DIW. Doch auch das habe in den vergangenen Jahrzehnten nachgelassen. In den 1980er Jahren fühlten sich noch 76 Prozent dieser Menschen mit der Partei verbunden - heute seien es nur noch 59 Prozent.

Union profitiert von Einwanderung aus dem Osten

Die größte Gruppe mit Einwanderungsgeschichte, die auch wahlberechtigt ist, seien die sogenannten Russlanddeutschen und Spätaussiedler - und die meisten von ihnen, so der "Spiegel", wählen die Union. Laut DIW fühlen sich mehr als die Hälfte von ihnen mit CSU und CDU verbunden. Die meisten Unionswähler mit Migrationshintergrund kämen aus der ehemaligen Sowjetunion.

Die Zuwanderung aus dem Westen hingegen spiegelt sich etwas anders in der Parteienlandschaft wider. Menschen aus wohlhabenden Ländern wie der Schweiz oder Belgien sollen sich der FDP besonders nahe fühlen. Und Menschen aus den USA und den Niederlanden, die in Deutschland wahlberechtigt sind, fühlen sich am meisten mit den Grünen verbunden. Am stärksten gestiegen sei die Sympathie von Menschen mit Migrationshintergrund in den vergangenen Jahren für die Linken - vor allem Menschen aus Serbien fühlen sich der Linkspartei nahe.

Quelle: ntv.de, cls

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