Politik

Flüchtlinge auf den Gleisen Passagiere sitzen vor Eurotunnel fest

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Gestrandete Passagiere in Calais.

(Foto: REUTERS)

Für Hunderte Eurostar-Passagiere ist es eine unangenehme Nacht, stundenlang sind ihre Züge blockiert. Der Grund sind offenbar Flüchtlinge, die versuchen, durch den Tunnel nach Großbritannien zu gelangen. In München und Wien ist die Lage indes ruhig.

Hunderte Eurostar-Passagiere haben in der Nacht stundenlang festgesessen, weil Flüchtlinge auf die Schnellzüge klettern und so durch den Tunnel unter dem Ärmelkanal nach Großbritannien gelangen wollten. Insgesamt seien fünf Züge betroffen gewesen, teilte der Zugbetreiber Eurostar mit. Drei der Züge seien am frühen Morgen nach London weitergefahren, die beiden anderen seien zu ihrem jeweiligen Startbahnhof in Paris und London zurückgekehrt.

Am späten Dienstagabend hatte Eurostar mitgeteilt, dass die Züge angehalten worden seien. Die Behörden seien "mit Eindringlingen zugange", die auf den Gleisen am Bahnhof im französischen Calais gesichtet worden seien. Die Züge müssten warten, bis die Menschen von den Gleisen entfernt worden seien, teilte Eurostar mit. Medienberichten zufolge waren es Flüchtlinge, die - wie Tausende vor ihnen - versuchten, durch den Tunnel nach Großbritannien zu gelangen.

In einem der Züge nach London, der nur gut eineinhalb Kilometer vor der Tunneleinfahrt bei Calais halten musste, wurden die Fahrgäste aufgefordert, sehr leise zu sein. Sie sollten auf Geräusche von Menschen achten, die versuchten, auf das Dach des Zuges zu klettern. Ein Hubschrauber überflog den Zug und suchte ihn mit einem Scheinwerfer ab. Sicherheitsleute überprüften die Gleise. Entdeckt haben sie offenbar niemanden.

Die Passagiere saßen fast vier Stunden in dem Zug fest, im Dunkeln und in immer größerer Hitze. Der Strom war abgeschaltet. Dann beorderte Eurostar den Zug nach Calais zurück. Wer versuchte, den Bahnhof zu verlassen und die Reise nach Großbritannien per Fähre fortzusetzen, wurde von der französischen Polizei daran gehindert: Die Zoll- und Einreisebestimmungen erforderten es, dass die Passagiere nach Paris zurückführen.

Gespannte Ruhe in München

Nach der Wiederaufnahme der Polizeikontrollen am Budapester Ostbahnhof kamen unterdessen kaum noch Flüchtlinge aus Ungarn und Österreich in Bayern an. Die Bundespolizei am Münchner Hauptbahnhof sprach von lediglich 50 Flüchtlingen; in Rosenheim waren es am Vormittag 60 bis 70. Man rechne damit, dass es den ganzen Tag über ruhig bleibe, sagte ein Sprecher.

Am Dienstag waren in der Landeshauptstadt noch 2400 Flüchtlinge per Zug angekommen, in Rosenheim 300. Grund dafür war, dass die ungarischen Behörden ihre Kontrollen am Budapester Bahnhof zeitweilig gestoppt hatten und Flüchtlinge ungehindert in Züge gen Westen steigen konnten.

Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) erwarten weitere Sonderzüge mit Flüchtlingen. "Wir stellen uns zumindest darauf ein", sagte ÖBB-Chef Christian Kern der "Wiener Zeitung". "Derzeit ist es wieder ruhiger, aber es kann sich jederzeit wieder ändern." Am Westbahnhof in Wien, wo die Züge Richtung Deutschland starten, habe das Unternehmen Betten bereitgestellt, denn die meisten Flüchtlinge wollten die Bahnhöfe in Österreich nicht verlassen und möglichst schnell weiterreisen.

Auch in Salzburg liefen die Vorbereitungen für die Ankunft weiterer Menschen. "Denn die Deutsche Bahn setzt keine Sonderzüge ein, so dass auch in Salzburg viele Flüchtlinge auf die Weiterreise warten müssen", sagte Kern dem Blatt.

Quelle: ntv.de, ghö/rts/dpa