Politik

Schweigender Marsch in Dresden Pegida will "deutschen Schuldkomplex" beenden

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Lutz Bachmann zeigt, was er von den deutschen Medien hält. Tatjana Festerling dürfte ihm zustimmen.

(Foto: dpa)

Am symbolträchtigen 9. November bringt Pegida in Dresden erneut Tausende Menschen auf die Straße. Die Stadt sah keine Möglichkeit, den Protestzug zu unterbinden. In München scheitert ein Verbot der Demonstration vor Gericht.

Tausende Menschen haben sich am Montagabend an Protestzügen gegen die islam- und fremdenfeindliche Pegida-Bewegung beteiligt. In Dresden folgten nach Schätzungen von dpa-Reportern etwa 5000 Leute dem Aufruf des Bündnisses "Herz statt Hetze". In München gingen rund 3000 Pegida-Gegner auf die Straße. Sie hinderten Pegida daran, ihren Protestzug durch die Stadt durchzuführen.

In Dresden mobilisierte Pegida laut dpa mindestens 6000 Demonstranten, etwas weniger als vor einer Woche, als es bis zu 8000 waren. Die Initiative "Durchgezählt" bezifferte die Teilnehmerzahl auf 7000 bis 8500. Der Chef der Bewegung Lutz Bachmann forderte die Teilnehmer unter Verweis auf den Jahrestag der Reichspogromnacht von 1938 auf, schweigend zu marschieren.

Nach einer Rede der Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling ging die Pegida-Demo zu Ende. Festerling forderte laut MDR, den "deutschen Schuldkomplex der deutschen Naziherrschaft offiziell für beendet" zu erklären. An die deutschen Medien gerichtet sagte sie demnach: "An sofort könnt ihr euch eure Hitlerei an den Hut stecken. Wenn ihr eure Hitlerfantasie und eure Naziobsession nicht in den Griff bekommt, dann macht Therapie."

Weiter sagte sie: "Ihr verbitterten Linken glaubt ja, ihr könnt euren Hitler dann aus dem Hut zaubern, wenn euch etwas nicht in den Kram passt. Ihr bedient euch Nazimethoden. Ihr vernichtet die Bücher von Erich Kästner und anderen Schriftstellern, weil darin Worte auftauchen, die ihr für entartet haltet. Worte wie 'Neger'". Bachmann gratulierte Festerling anschließend zu "einer der besten Reden", die er je gehört habe.

Verbot in München scheitert

Sowohl in Dresden als auch in München war mit Verweis auf den Jahrestag ein Verbot der Pegida-Veranstaltungen gefordert worden. Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert sah aber keine rechtliche Handhabe dafür. In München scheiterte die Stadt mit einem Verbotsversuch vor Gericht. Der Verwaltungsgerichtshof (VGH) bestätigte eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts und erklärte, allein die öffentliche Präsenz einer bestimmten Gruppierung am 9. November verleihe ihrer Versammlung "noch keine eindeutige Stoßrichtung gegen das Gedenken, dem dieser Tag gewidmet ist".

In der sogenannten Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 hatten die Nationalsozialisten Synagogen in ganz Deutschland angezündet, Juden misshandelt und ermordet sowie ihre Geschäfte und Wohnungen demoliert.

Auch das Internationale Auschwitz-Komitee hatte die Pläne zur Dresdener Pegida-Demonstration an diesem Tag kritisiert. Der Vize-Exekutivpräsident der von Holocaust-Überlebenden gegründeten Organisation, Christoph Heubner, sagte in Oswiecim (Auschwitz), Pegida werde "sich erneut entlarven und bloßstellen: Als Bewegung am rechten Rand, die in Deutschland und zwischen den Menschen neue Mauern errichtet".

Quelle: ntv.de, jog/dpa