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Neue Erkenntnisse der Ermittler Polizei prüft mögliches Terrormotiv in Utrecht

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Tödlicher Angriff in Utrecht: In den Niederlanden ermitteln die Behörden weiter in alle Richtungen.

(Foto: imago images / Hollandse Hoogte)

Am Tag nach den tödlichen Schüssen in einer Straßenbahn in Utrecht stößt die Polizei auf Hinweise, die den Verdacht auf einen terroristischen Hintergrund erhärten. Dafür spreche unter anderem ein im Fluchtwagen gefundener Brief, heißt es aus Utrecht.

Der blutige Zwischenfall im Stadtgebiet wirft auch am Tag danach noch zahlreiche Fragen auf. Bei den Ermittlungen im Umfeld des Tatverdächtigen sind nach Angaben der niederländischen Behörden nun doch Anhaltspunkte aufgetaucht, die auf ein terroristisches Motiv hindeuten. Zuvor war zeitweise von einer möglichen Beziehungstat die Rede.

Für ein Terrormotiv des Täters spreche unter anderem ein im Fluchtwagen gefundener Brief, teilte die Polizei mit. Andere Motive könnten aber nach wie vor nicht ausgeschlossen werden. Zwischen dem Angreifer, der in einer Straßenbahn im Südwesten des Utrechter Stadtgebiets das Feuer eröffnet hatte, und den Opfern seien keine direkten Beziehungen zu erkennen, hieß es weiter.

Drei Menschen kamen bei dem Angriff ums Leben. Fünf weitere erlitten teils lebensgefährliche Verletzungen. Bei den Todesopfern handelt es sich nach Angaben der Polizei um eine 19-jährige Frau aus der südlich von Utrecht gelegenen Ortschaft Vianen sowie um zwei Männer aus Utrecht im Alter von 28 und 49 Jahren. Bei den drei Schwerverletzten handele es sich um eine 20-Jährige aus Utrecht, einen 74-Jährigen aus De Meern und eine 21-jährige Frau aus Nieuwegein.

Spuren in die Türkei

Tatverdächtiger ist der 37 Jahre alte Gökmen T., der am Montagabend nach stundenlanger Fahndung festgenommen werden konnte. Ersten Erkenntnissen zufolge hatte er bei dem Vorfall im Südwesten der Utrechter Innenstadt unvermittelt mit einer Schusswaffe zunächst auf eine Frau geschossen. Ob es sich dabei um die 19-Jährige handelte, ist noch unklar. Als andere Fahrgäste ihr zur Hilfe eilen wollten, habe der Täter auch auf sie geschossen. Die Ermittlungen dauern an.

Der Vorfall hatte über die Landesgrenzen hinaus Befürchtungen ausgelöst, die Niederlande könnten wenige Tage nach der Moscheen-Attacke von Christchurch zum Ziel eines Terroranschlags geworden sein. Öffentliche Einrichtungen und auch Moscheen erhielten zusätzlichen Polizeischutz. Die Universität von Utrecht wurde zeitweise abgeriegelt. Die Terrorwarnstufe 5 konnte am Abend wieder zurückgenommen werden. Für neue Unruhe sorgte am Morgen danach eine dem "Islamischen Staat" zugerechnete Ankündigung, in der zu Vergeltungsangriffen auf "Ungläubige" aufgerufen wurde.

Da es sich bei dem Tatverdächtigen um einen türkischstämmigen Mann handelt, nahm auch der türkische Geheimdienst eigene Ermittlungen auf. Wie Präsident Recep Tayyip Erdogan am Abend nach der Tat in einem Interview erklärte, sei der Geheimdienstchef dabei, die Informationen zu der Tat zu prüfen. Ziel sei es herauszufinden, ob es sich um einen Terroranschlag oder einen Familienstreit handelte.

Vater des Tatverdächtigen: Kein Kontakt

Schon kurz nach der Festnahme stießen die Ermittler auf Hinweise, die eher für einen familiären Hintergrund der Tat sprechen. Die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu zitierte Angehörige mit der Aussage, eines der Opfer sei ein Verwandter, die anderen seien zufällige Passanten gewesen. Der Vater des Verdächtigen, Mehmet Tanis, sagte der Nachrichtenagentur DHA, er habe keinen Kontakt mit seinem Sohn, seitdem dieser nach der Scheidung von seiner Ehefrau 2008 in die Türkei zurückgekehrt sei.

Nach Informationen des niederländischen Fernsehens vernahm die Polizei den Bruder des 37-Jährigen, ohne dass zunächst Details bekannt wurden. Der Tatverdächtige ist zudem bereits polizeibekannt. "Wir wissen relativ viel über ihn", sagte ein Sprecher des niederländischen Innenministeriums. Im Zusammenhang mit der Fahndung wurden zwei weitere Personen festgenommen.

Polizei widerspricht Bürgermeister

Nach Angaben der Polizei befinden sich damit am Tag nach den Schüssen insgesamt noch drei Verdächtige in Gewahrsam. Die Polizei widersprach in einer Mitteilung auf Twitter Utrechts Bürgermeister Jan van Zanen, der zuvor im Radio gesagt hatte, zwei Verdächtige seien freigelassen worden. Nur der Hauptverdächtige werde jetzt noch festgehalten. Die Polizei teilte dagegen mit, auch die beiden anderen Männer stünden noch unter Verdacht und seien weiter festgenommen.

Der mutmaßliche Täter hat nach Medienberichten ein langes Vorstrafenregister, im Dezember 2013 soll er wegen versuchten Mords verurteilt worden sein. Vor zwei Wochen begann eine Verhandlung wegen eines Vergewaltigungsvorwurfs. Darüber hinaus wurde er wegen Ladendiebstahls, Sachbeschädigung und Beleidigung vor Gericht gestellt.

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Quelle: n-tv.de, mmo/dpa