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Dank Hinweis eines Schmugglers Polizei sprengt internationalen Schleuserring

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Immer wieder muss die Marine Flüchtlinge in maroden Booten aus den Mittelmeer retten.

(Foto: picture alliance / dpa)

In Italien werden 38 Menschenschmuggler festgenommen. Den entscheidenden Hinweis gibt ein reuiger Informand. Was er über die Bande erzählt, lässt die Ermittler erschaudern: Wer die Schleuser nicht bezahlen kann, wird ermordet. Und die Organe verkauft.

Ein ehemaliger Menschenschmuggler aus Eritrea hat der italienischen Polizei zu einem Schlag gegen einen Schleuserring verholfen. Die Beamten nahmen auf Sizilien, in der Gegend von Rom und in Norditalien insgesamt 38 Schleuser fest, wie die Polizei mitteilte. Innenminister Angelino Alfano erklärte bei Twitter, ein "gefährliches kriminelles Schleusernetzwerk ist zerschlagen worden - keine Atempause für die Händler des Todes".

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Nach Polizeiangaben gingen den Fahndern dank des Informanten 25 Eritreer, zwölf Äthiopier und ein Italiener ins Netz, die in unterschiedlichem Ausmaß am Menschenschmuggel beteiligt gewesen sein sollen. Sie sollen tausende Migranten nach Italien geschleust haben.

Der Informant aus Eritrea ist der erste ausländische Schleuser, der sich im Rahmen einer Kronzeugenregelung zur Zusammenarbeit mit den Ermittlern im sizilianischen Palermo bereit erklärte. Den Ermittlern zufolge entschloss sich der 32-Jährige zur Zusammenarbeit, weil es "zu viele Tote" im Mittelmeer gegeben habe.

Flüchtlinge zahlen Schmugglern viel Geld

Immer wieder ertrinken Flüchtlinge, die in die Europäische Union gelangen wollen, bei der gefährlichen Überfahrt über das Mittelmeer. Für einen Platz in den meist seeuntauglichen Booten zahlen sie hohe Summen an Schleuser.

Nach Angaben der Polizei lieferte der Eritreer den Behörden die ersten detaillierten Angaben über die kriminellen Aktivitäten seines Netzwerks, das auf Italien, Nordafrika und anderen europäischen Ländern verstreut ist. Er schilderte demnach, dass die Schleuser vor dem Töten nicht zurückschrecken, wenn jemand die hohe Summe für die Überfahrt über das Mittelmeer nicht aufbringen kann. Das Netzwerk verkaufe dann die Organe der Toten "an ägyptische Organhändler". In Italien organisiere das Netzwerk unter anderem Scheinehen.

Im Zuge der Ermittlungen entdeckten Fahnder den Angaben zufolge in einer Parfümerie in Rom im Juni 526.000 Euro und 25.000 Dollar in bar sowie Papiere mit Angaben zu den Aktivitäten des Schleuserrings. In diesem Jahr erreichten bereits 70.000 Flüchtlinge Italiens Küsten. 2800 Menschen ertranken seit Anfang des Jahres im Mittelmeer.

Quelle: n-tv.de, kpi/AFP