Mehrere Festnahmen in BelfastPolizisten bei erneuten rassistischen Krawallen verletzt

In Belfast kommt es in der zweiten Nacht in Folge zu rassistischen Ausschreitungen. Ein Mob von fast 300 Personen zieht randalierend durch die Straßen. Die Polizei muss hart einstecken, um die Menge in Schach zu halten.
Bei erneuten Ausschreitungen in der nordirischen Hauptstadt Belfast sind am Mittwochabend zwölf Polizistinnen und Polizisten verletzt worden. Festgenommen wurden 16 Menschen, wie der für Nordirland zuständige Minister Hilary Benn mitteilte.
Vermummte Randalierer errichteten Barrikaden und setzten Fahrzeuge in Brand. Laut dem "Guardian" handelte es sich um eine Menschenmenge von etwa 300 Personen. Die Polizei wurde mit Steinen und Molotow-Cocktails beworfen. Die Beamten brachten Wasserwerfer zum Einsatz, um die Krawallmacher in Schach zu halten. Anders als in der Nacht zuvor waren die Ausschreitungen aber weitgehend auf den Stadtteil Newtownabbey im Nordwesten von Belfast beschränkt.
In der Nacht zum Mittwoch hatten Randalierer gezielt Häuser und Fahrzeuge von Angehörigen ethnischer Minderheiten in Brand gesteckt. Die Menschen mussten teils unter Polizeischutz aus ihren Häusern gerettet werden. Nordirland-Minister Benn verurteilte die Vorfälle als "rassistische Gewalttaten". Zwar habe es in der Nacht zum Donnerstag in Belfast weniger Unruhen gegeben als in der vorangegangenen, erklärte Benn. Einige Randalierer versuchten jedoch auch, zu einem Hotel außerhalb der nordirischen Hauptstadt vorzudringen, das in der Vergangenheit als Unterkunft für Asylbewerber genutzt worden war. Die Angst unter den ethnischen Minderheiten in Nordirland sei derzeit kaum zu beschreiben, so Benn. Es gebe Berichte über Menschen, deren Autos gestoppt und die nach ihrer Nationalität gefragt worden seien. "Das ist schrecklich", sagte der Minister.
Familie verurteilt Gewalt
Zum Anlass hatten die Randalierer einen brutalen Messerangriff mit einem Schwerverletzten am Montagabend genommen, für den ein Mann aus dem Sudan wegen versuchten Mordes angeklagt wurde. Krawalle waren bereits befürchtet worden, nachdem rechte Akteure die Bevölkerung in den sozialen Medien zu Protesten aufgerufen hatten. Appelle zur Zurückhaltung von Politikern und Polizei verhallten ungehört.
Die Familie des Opfers des Messerangriffs hatte die Ausschreitungen in einer Stellungnahme verurteilt. "Wir sind uns der Spannungen und der Diskussionen über mögliche Proteste nach diesem Vorfall bewusst. Wir möchten unmissverständlich klarstellen, dass nächtliche Unruhen nicht willkommen sind und friedliche Proteste der einzige richtige Weg sind."
Sie stellten sich auch gegen die fremdenfeindliche Instrumentalisierung ihrer Tragödie. "Viele Migranten leisten einen wertvollen Beitrag zu unserem Land, unter anderem im Gesundheitswesen und im Gastgewerbe, und wir sind auf sie angewiesen, damit unser Land funktioniert. Wir wollen nicht, dass diese schreckliche Tragödie dazu benutzt wird, die Bevölkerung zu spalten oder Feindseligkeiten zu schüren."
Das Opfer befindet sich derzeit im Krankenhaus in einem stabilen Zustand. Seine Familie teilte mit, dass sie sich auf seine Genesung konzentrieren wolle. Er soll bei dem Angriff sein linkes Auge verloren haben.