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Wladimir Putin und Verteidigungsminister Sergej Schoigu präsentierten den Flugdatenschreiber im Kreml.
Wladimir Putin und Verteidigungsminister Sergej Schoigu präsentierten den Flugdatenschreiber im Kreml.(Foto: REUTERS)
Mittwoch, 09. Dezember 2015

Blackbox des Kampfjets gefunden: Putin bittet Cameron um Hilfe bei Auswertung

Nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets im türkisch-syrischen Grenzgebiet taucht der Flugdatenschreiber der Maschine auf. Was er aufgezeichnet hat, könnte die Eiszeit zwischen Putin und Erdoğan beenden - oder verschlimmern.

Zwei Wochen nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets im türkisch-syrischen Grenzgebiet hat Präsident Wladimir Putin den Flugdatenschreiber präsentiert. "Ich bitte Sie, ihn gemeinsam mit ausländischen Spezialisten zu öffnen und alles zu dokumentieren", sagte er bei einem Treffen mit dem russischen Verteidigungsminister Sergej Schoigu in Moskau. Schoigu hatte die Blackbox in den Kreml gebracht.

Später bat Putin britische Experten um Hilfe. Wie der Kreml mitteilte, besprach der Staatschef sein Anliegen bei einem Telefonat mit Premierminister David Cameron. Beide seien sich zudem einig über die "Gefahr" gewesen, die von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) und anderen "Terrorgruppen in der Region" ausgehe. Sie sprachen demnach über eine Kooperation auf Regierungsebene, es blieb aber unklar, ob damit eine Zusammenarbeit beider Armeen oder der Geheimdienste gemeint war.

Zuvor hatte Verteidigungsminister Schoigu gesagt, dass die Blackbox der Suchoi Su-24 vom syrischen Militär an der Absturzstelle gefunden worden sei. Putin betonte, er hoffe, dass die Untersuchung der Blackbox Aufschluss über die Geschossbahn und die Position des Kampfflugzeugs geben werde. Die Ergebnisse könnten die angespannte Stimmung zwischen Russland und der Türkei weiter verschärfen.

Die Führung in Ankara beharrt darauf, dass die Maschine den türkischen Luftraum verletzt habe und vor dem Abschuss mehrfach gewarnt worden sei. Moskau bestreitet beides und wirft dem Nato-Land "Verrat" vor. Auch der überlebende Co-Pilot bekräftigt, dass das Flugzeug die türkische Grenze nicht verletzt und türkische F-16-Jets ohne Vorwarnung gefeuert hätten.

Der Abschuss hat zu einem schweren Zerwürfnis zwischen Putin und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan geführt. Der Kreml hatte zuletzt Sanktionen gegen die türkische Agrarwirtschaft und den Tourismussektor beschlossen. Vorwürfe, die Türkei würde Ölgeschäfte mit der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) machen, belasteten das Verhältnis der beiden Staaten zusätzlich.

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Quelle: n-tv.de