Politik

Lohn ohne Arbeit im April Putin schickt alle Russen in Zwangsurlaub

Offiziell gibt es in Russland nur wenige Tausend Coronavirus-Fälle. Doch die Lage im flächenmäßig größten Land der Welt ist ernst, erklärt Präsident Putin - und schickt alle Bürger in den bezahlten Zwangsurlaub. Doch manche Russen fürchten, nicht ihre Gesundheit sei Hauptgrund für die Entscheidung.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat die arbeitsfreie Zeit für die Menschen in seinem Land um einen Monat verlängert. Bis zum 30. April bleibe der Zustand wegen der anhaltenden Gefahr durch das Coronavirus erhalten, sagte der Kremlchef in einer Fernsehansprache. Damit solle die Ausbreitung des Virus verlangsamt und Zeit gewonnen werden.

Die Maßnahme ist bereits seit 28. März in Kraft. In den vergangenen Tagen hatte sich die Situation in dem flächenmäßig größten Land der Welt dennoch massiv verschärft. Offiziell gibt es in Russland derzeit mehr als 3500 bekannte Coronavirus-Fälle, die meisten davon in Moskau. 30 Menschen starben bisher an der Lungenkrankheit Covid-19.

In Moskau und vielen anderen russischen Regionen gelten seit einiger Zeit scharfe Ausgangsbeschränkungen für Bürger. Bei Verstößen gegen Vorschriften der Quarantäne und Selbstisolation hat Russland in dieser Woche auch strenge Strafen eingeführt - von hohen Geldsummen bis hin zu Gefängnis. Die russische Führung hatte zuletzt betont, dass die Rettung von Menschenleben wichtiger sei als die großen wirtschaftlichen Schäden durch die Krise.

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Kritik am Putin-Kurs

Zugleich kündigte Putin an, dass die Regionen des Riesenlandes ab sofort mehr eigenständige Rechte bekommen. So sollen sie selbst entscheiden, welche Beschränkungen des öffentlichen Lebens sie im Kampf gegen die Corona-Pandemie anordnen. Auch liegt es in ihrem Ermessen, welchen Unternehmen sie die Fortsetzung der Produktion erlauben.

Der Krisenkurs ist aber nicht ohne Kritik. Putin wird vorgeworfen, immer wieder Hilfe in andere Staaten wie Italien und die USA zu schicken, obwohl in Russland nicht einmal Desinfektionsmittel, Schutzmasken oder -ausrüstungen zu bekommen sind. Verbreitet ist auch die Meinung, dass der Staatsapparat die Bürger in ihren Wohnungen einsperren möchte - aus Angst davor, dass das marode Gesundheitssystem zusammenbrechen könnte.

Der Kreml verteidigte die Hilfe für die USA in Krisenzeiten - und äußerte die Hoffnung, dass Russland auch geholfen werde, wenn sich die Lage verschlimmere.

Quelle: ntv.de, chr/dpa/AFP