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Deeskalation in Idlib Putin und Erdogan wollen "Normalisierung"

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Demonstrieren Einigkeit: Recep Tayyip Erdogan und Wladimir Putin.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Offensive der syrischen Regierung gegen die Rebellenhochburg Idlib belastet das Verhältnis zwischen Russland und der Türkei. Bei einem Treffen beschließen die beiden Länder nun ihre Kooperation trotz Differenzen fortzusetzen.

Nach den jüngsten Gefechten in der syrischen Rebellenbastion Idlib wollen sich die Türkei und Russland für eine Deeskalation einsetzen. Sie hätten "zusätzliche gemeinsame Schritte" vereinbart, um die Situation in Idlib zu "normalisieren", sagte der russische Präsident Wladimir Putin nach einem Treffen mit seinem türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan. Dieser forderte den Stopp der Angriffe der syrischen Regierungstruppen.

"Es ist inakzeptabel, dass das Regime unter dem Vorwand des Kampfs gegen den Terror Zivilisten am Boden und aus der Luft tötet", sagte Erdogan. Millionen Syrer drohe eine "neue humanitäre Katastrophe" in Idlib, und viele bewegten sich auf die türkische Grenze zu. "Wir können unsere Verantwortung unter dem Sotschi-Abkommen nur erfüllen, wenn das Regime seine Angriffe stoppt."

Erdogan und Putin hatten im vergangenen September im südrussischen Sotschi eine Waffenruhe zwischen den überwiegend islamistischen Rebellen und den Regierungstruppen in Idlib vereinbart. Durch das Abkommen wurde eine damals drohende Offensive von Machthaber Baschar al-Assad abgewendet, doch wurde die Vereinbarung nie komplett umgesetzt.

Türkische Armee zwischen den Fronten

Seit Ende April gehen die Assad-Truppen mit Unterstützung der russischen Luftwaffe wieder verstärkt gegen Rebellen und Dschihadisten vor. Die jüngste Offensive hat die tiefen Differenzen zwischen der Türkei und Russland offen gelegt. Moskau rechtfertigt die Offensive mit dem Kampf gegen "Terrorgruppen". Die Regierung in Ankara befürchtet dagegen eine neue Fluchtwelle in die Türkei.

Die Offensive hat auch die türkische Armee zwischen die Fronten gebracht. Einer ihrer Beobachtungsposten zur Überwachung der Waffenruhe in Idlib wurde kürzlich von der syrischen Armee eingekreist. Ankara hat aber ausgeschlossen, die Soldaten abzuziehen. Die Türkei werde "alle nötigen Maßnahmen ergreifen", um ihre Soldaten zu schützen, sagte Erdogan.

Nachdem die Regierungstruppen vergangene Woche die Stadt Chan Scheichun im Süden von Idlib erobert hatten, starteten mehrere Dschihadistengruppen am heutigen Dienstag einen Gegenangriff auf die Stellungen der Armee. Bei den Gefechten nahe Chan Scheichun wurden mehr als 50 Kämpfer beider Seiten getötet, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte.

Putin begrüßt Pufferzone

Die Aufständischen unter Führung der Dschihadistengruppen Hurras al-Din und Ansar al-Din hätten 20 Kämpfer verloren, auf Seiten der Regierungstruppen seien 23 Kämpfer getötet worden, erklärte die oppositionsnahe Organisation mit Sitz in Großbritannien. Zudem seien acht Rebellen im Südosten von Idlib getötet worden, als sie durch die feindlichen Linien zu gelangen versuchten.

Putin begrüßte bei dem Treffen mit Erdogan die Vereinbarung der Türkei mit den USA zur Einrichtung einer Pufferzone zu den Kurdengebieten in Nordsyrien. Die Schaffung einer "Sicherheitszone" entlang der türkischen Grenze sei ein "positiver Schritt", sagte Putin. Russland verstehe die Sorgen der Türkei. Für die Sicherheit ihrer Grenze zu sorgen, sei ihr "legitimes Recht".

Die Türkei sieht die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) als Bedrohung, da sie eng mit der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verbunden sind, die seit Jahrzehnten gegen den türkischen Staat kämpft. Die Verwaltung der halbautonomen Kurdenregion teilte mit, dass erste YPG-Einheiten aus der geplanten "Sicherheitszone" abgezogen worden seien.

Quelle: n-tv.de, kpi/AFP

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