Politik
Das Azov-Freiwilligenbataillon bei einem Artillerie-Training in der Nähe von Mariupol.
Das Azov-Freiwilligenbataillon bei einem Artillerie-Training in der Nähe von Mariupol.(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 02. April 2015

Ausländische Kämpfer in der Ukraine: Putins Nato-Fremdenlegion gibt es nicht

Von Christian Rothenberg

Der Krieg in der Ukraine ist längst kein regionaler Konflikt mehr. Eine Untersuchung bestätigt jedoch: Abgesehen von den Russen spielen Ausländer bei den Kämpfen so gut wie keine Rolle. Das widerlegt eine Behauptung von Kremlchef Putin.

Im April 2014, vor gut einem Jahr, begannen die prorussischen Aufstände in der Ostukraine. Seitdem kontrollieren die Separatisten mehrere Regionen im Osten des Landes. Experten gehen von Zehntausenden Kämpfern aus. Die Separatisten sprechen von 43.000 bewaffneten Kräften. Unter diesen befinden sich nicht nur Russen und Ukrainer.

Laut einer Studie des "Polnischen Instituts für Internationale Angelegenheiten" kämpfen auf der Seite der Separatisten und in den ukrainischen Freiwilligenbataillonen insgesamt jedoch nur einige Hundert nicht-russische Ausländer. Die Untersuchung widerlegt damit gleich zwei Vorwürfe, die von der russischen Regierung gern vorgebracht werden. Weder kann von einer "Nato-Fremdenlegion" auf ukrainischer Seite die Rede sein, wie Präsident Wladimir Putin behauptet, noch gibt es eine nennenswerte Zahl "internationaler Brigaden", die sich aus Solidarität den prorussischen Separatisten angeschlossen haben.

In den ukrainischen Freiwilligenbataillonen kämpfen laut der Untersuchung nur bis zu 300 Ausländer aus 18 Nationen. Die meisten stammen aus Weißrussland und Georgien (jeweils bis zu 100). Bei den Separatisten sind bis zu knapp 300 nicht-russische Ausländer aus 27 Nationen im Einsatz. Die meisten kommen aus Deutschland und Serbien (jeweils bis zu 100). Die Zahlen basieren auf der Auswertung von Medienberichten, Interviews und offiziellen Statistiken. Die Freiwilligen und Soldaten aus Russland sind in der Statistik nicht aufgeführt.

Die wichtigste Rolle für die Rekrutierung der Ausländer spielen der Studie zufolge Franzosen. Der in Kroatien lebende Söldner Gaston Besson soll viele Kämpfer für das Azov-Freiwilligenregiment mobilisiert haben. Der französische Ex-Militär Victor Alfonso Lenta rekrutierte über das Netzwerk "Unité Continentale" demnach Personal für die Separatisten.

Viel weniger Ausländer als in Syrien

Die Studie untersucht auch die Motivation der Menschen, die freiwillig in den Krieg in der Ostukraine ziehen. Ein Offizieller der Separatisten sagte in einem Interview: "Serben kamen, um ihren orthodox-christlichen Brüdern zu helfen, Sozialisten aus Frankreich und Italien, um ihrem Ärger gegen den Kapitalismus Luft zu machen. Die meisten ausländischen Freiwilligen sind Idealisten, die gekommen sind, um uns im Kampf gegen die Faschisten zu helfen."

Insgesamt stellt die Studie je nach Nationalität eine Vielzahl von Beweggründen fest. Schwedische Kämpfer aufseiten der ukrainischen Freiwilligenarmeen verweisen im Hinblick auf ihr Engagement etwa auf die Karoliner, die im 17. und 18. Jahrhundert gegen die Russen kämpften. Der bisher einzig identifizierte niederländische Freiwillige erklärte, er wolle den Absturz des Flugzeugs MH17 rächen, bei dem 193 seiner Landsleute ums Leben kamen.

Das Fazit: Die zugrundliegenden Zahlen der Studie sind nur geschätzt und deshalb nicht exakt. Dennoch wird deutlich, dass der Anteil ausländischer Kämpfer in der Ukraine weitaus geringer ist als in anderen Konflikten. Im syrischen Bürgerkrieg war fast jeder zehnte Kämpfer Ausländer, in den ukrainischen Freiwilligenverbänden machen die Ausländer jedoch nur einen Bruchteil aus. Bei den Separatisten liegt ihr Anteil, geht man von 43.000 Bewaffneten aus, nur bei etwa 0,7 Prozent. Russische Kämpfer sind nach Stand von Februar 2015 etwa 11.000 im Einsatz, dazu kommt noch eine unbekannte Zahl von Freiwilligen aus der russischen Armee.

Trotzdem warnen die Verfasser der Studie die EU-Staaten, die Rückkehr der Freiwilligen in ihre Heimatländer stelle eine Gefahr für deren Sicherheit dar. "Sie sind Vertreter eines extremen politischen Milieus. Sie sind antiamerikanisch, antieuropäisch, antiliberal, nationalistisch und oft prorussisch."

Quelle: n-tv.de