Politik

Vorsorge oder eher Vergnügen? Rechnungshof rügt Sportkurse für Soldaten

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Soldaten der Bundeswehr müssen fit sein. Welche sportlichen Aktivitäten gehören allerdings tatsächlich zur Arbeit und welche sind Privatvergnügen?

(Foto: REUTERS)

Die Bundesrepublik ist stets um das Wohlergehen ihrer Arbeitnehmer bemüht. Deswegen dürfen Soldaten mehrere Stunden ihrer Arbeitszeit im Freibad oder im Fitnessstudio verbringen. Der Rechnungshof moniert nun die daraus resultierenden Kosten.

Während der Dienstzeit für den Stadtmarathon trainieren oder im Freibad schwimmen: Sind die Angebote bei der Bundeswehr sinnvolle Gesundheitsvorsorge oder Verschwendung von Steuergeldern? Der Bundesrechnungshof monierte den möglichen Arbeitszeitausfall durch das Recht auf den Besuch von Gesundheitskursen.

Nach Angaben des Bundesrechnungshofs können seit dem Jahr 2016 alle militärischen und zivilen Beschäftigten der Bundeswehr in der Arbeitszeit bis zu zwei Stunden wöchentlich an Gesundheitskursen teilnehmen. Als Schwerpunkt werden Krafttraining, Gymnastik und Rückenkurse angeboten. Daneben gibt es aber auch Angebote zur Vorbereitung auf einen Stadtmarathon oder offene Schwimmzeiten im Freibad.

Die Prüfer kritisierten nun, das zuständige Bundesverteidigungsministerium habe "keinen Überblick, wie viel Arbeitszeit durch die Kursteilnahme entfällt und welche Kosten damit verbunden sind". Die Bundeswehr nehme Arbeitszeitausfall "von mehreren tausend Stellen" hin, hieß es weiter.

"Wir sparen nicht an der Gesundheit unserer Soldaten"

Ursula von der Leyen hatte einst attraktivere Arbeitsbedingungen bei der Bundeswehr zu einem ihrer Schwerpunkte gemacht. Das Verteidigungsministerium reagierte irritiert auf die Anmerkungen der Prüfer: "Wir sparen nicht an der Gesundheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, unserer Soldatinnen und Soldaten", erklärte eine Sprecherin. Betriebliches Gesundheitsmanagement und Prävention gehörten zur modernen Arbeitswelt dazu und seien "ein wesentlicher Aspekt im Rahmen der Erfüllung des verfassungsrechtlichen Auftrages der Bundeswehr".

Auch Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles zeigte wenig Verständnis für die Haltung des Rechnungshofs: "Die Kritik des Bundesrechnunghofes am Sportprogramm der Bundeswehr ist völlig aus der Zeit gefallen", erklärte sie. Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer diene auf lange Sicht allen.

Auf Kritik der Prüfer stieß auch die Neuorganisation der Karrierecenter der Bundeswehr. "Die Analyse, auf der die neue Organisationsstruktur beruht, ist weder tragfähig noch in sich schlüssig", schrieben sie. So sei die Herleitung des angenommenen Personalmehrbedarfs von 472 Stellen fragwürdig: Grundlage sei eine Abfrage bei den Karrierecentern. Sie beruhe damit "auf subjektiven Erfahrungen und Bedürfnissen". Die Karrierecenter lösten die alten Kreiswehrersatzämter ab und sind unter anderem für die Personalgewinnung für die Bundeswehr zuständig.

Quelle: n-tv.de, kpi/AFP/dpa