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RTL/ntv TrendbarometerReiche ist jetzt schon unbeliebter, als es Habeck je war

27.01.2026, 15:27 Uhr
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Katherina Reiche kommt in der Bevölkerung nicht gut an. (Foto: picture alliance / dts-Agentur)

Dreieinhalb Jahre lang arbeitet sich die Union an Robert Habeck als vermeintlich "schlechtestem Wirtschaftsminister aller Zeiten" ab. Doch die Nachfolgerin aus den Reihen der CDU, Katherina Reiche, kommt bei den Menschen im Land noch deutlich schlechter an - bei den wenigen, die sie überhaupt kennen.

Zwei Jahre in Folge ist die deutsche Wirtschaft geschrumpft und im vergangenen Jahr ist sie zumindest nicht gewachsen. Die Ursachen sind vielfältig, von den Nachwirkungen der Corona-Pandemie bis hin zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und dem Ende der billigen russischen Gasimporte. Weil aber für die Wirtschaftspolitik maßgeblich der damalige Wirtschaftsminister Robert Habeck die Verantwortung trug, war für viele klar: Der Grünen-Politiker trägt mindestens eine Mitschuld an der Misere. Habecks Politik sei "ein einziges Desaster", attestierte gar der damalige Oppositionsführer Friedrich Merz. Die CSU sprach vom "schlechtesten Wirtschaftsminister aller Zeiten".

Doch ausgerechnet die vom jetzigen Bundeskanzler Merz persönlich ausgesuchte Habeck-Nachfolgerin Katherina Reiche kann bei den Menschen nicht punkten - obwohl den Christdemokraten ihr wirtschaftspolitisches Profil so wichtig ist. Im RTL/ntv-Trendbarometer geben nur 64 Prozent der Befragten an, die Ministerin überhaupt zu kennen. Das ist immerhin eine Steigerung im Vergleich zu den 42 Prozent im Juli 2025. Vor ihrem Wechsel ins Ministerium hatte Reiche lange Zeit abseits der Öffentlichkeit in der Privatwirtschaft gearbeitet, erst als Cheflobbyistin der kommunalen Unternehmen, dann als Managerin bei der Eon-Tochter Westenergie.

Doch die Erfahrung in der freien Wirtschaft hilft Reiche zumindest beim öffentlichen Ansehen bislang wenig, obwohl doch Habeck eben diese fehlende Vorerfahrung stets vorgeworfen wurde: Nur 18 Prozent der Befragten geben an, mit Reiches Arbeit zufrieden zu sein. 67 Prozent der Befragten sagen hingegen dem Umfrageinstitut Forsa, sie seien unzufrieden mit Reiche. Weitere 15 Prozent haben dazu keine Meinung. Im Juli hatten sich noch 39 Prozent mit der Ministerin zufrieden gezeigt und 44 Prozent unzufrieden.

Zum Vergleich: Als Forsa Mitte Juli 2024, wenige Monate vor dem Ampel-Aus, letztmalig die Zufriedenheit mit den wichtigsten Ministern und Ministerinnen abfragte, kam Habeck auf 33 Prozent zufriedene Befragte und 64 Prozent unzufriedene. Das war der schwächste Wert, der für den grünen Minister jemals im Trendbarometer gemessen wurde.

Bitter für die Union: Selbst Anhänger von CDU und CSU zeigen sich zu 50 Prozent unzufrieden mit Reiche und nur 34 Prozent geben an, sie seien mit ihrer Arbeit zufrieden. Habeck stand an seinem Umfragetiefpunkt mit 25 Prozent zufriedenen Unionsanhängern kaum schlechter da - und hatte rund drei Viertel der Grünen-Anhänger hinter sich.

Unter den Anhängern der übrigen Parteien sind noch am ehesten Wähler der Sozialdemokraten mit Reiches Arbeit einverstanden: 24 Prozent der SPD-Anhänger zeigen sich zufrieden, 62 Prozent unzufrieden. Es folgen die Linke-Anhänger mit 21 Prozent Zufriedenen und 65 Prozent Unzufriedenen. Unter den Grünen-Anhängern sind nur 12 Prozent zufrieden mit Reiche und 78 Prozent unzufrieden. Von den AfD-Anhängern geben 5 Prozent an, zufrieden zu sein, 90 Prozent sind demnach unzufrieden.

Reiche, die aus Luckenwalde stammt und bis 2015 viele Jahre für die Brandenburger CDU im Bundestag saß, kommt im Osten des Landes deutlich besser an als im Westen, wo sie seit ihrem Wechsel in die Privatwirtschaft lebt: 24 Prozent der Befragten im Osten zeigen sich mit Reiches Arbeit zufrieden, 64 Prozent unzufrieden. Im Westen sind 16 Prozent der Befragten zufrieden und 79 Prozent unzufrieden.

Reiche hat sich zum Beispiel wiederholt für eine Weiternutzung von Erdgas ausgesprochen und angekündigt, das im Osten besonders unbeliebte Heizungsgesetz von Robert Habeck zu schleifen. Gerade die Reform des Heizungsgesetzes verzögert sich aber Monat um Monat ohne Aussicht auf eine Einigung zwischen Union und SPD.

Am Mittwoch wird Reiche den Jahreswirtschaftsbericht der Bundesregierung vorlegen, der nach Informationen des "Handelsblatts" die Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf 1,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts herabsenkt. Im Herbst hatte Reiches Haus noch mit 1,3 Prozent Wachstum gerechnet. Angesichts einer weiter unsicheren Weltwirtschaftslage und Deutschlands strukturellen Wirtschaftsproblemen geht es also weiter nicht so recht voran: Das auf 1,0 Prozent gestutzte Wachstum geht ganz überwiegend auf die kreditfinanzierten Milliardeninvestitionen der Bundesregierung in Infrastruktur und Rüstung zurück. Die private Nachfrage kommt auch unter Reiche nicht in Fahrt.

Die Daten zum RTL/ntv-Trendbarometer wurden vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag von RTL Deutschland zwischen dem 23 und 26. Januar erhoben. Datenbasis: 1006 Befragte. Statistische Fehlertoleranz: plus/minus 3 Prozentpunkte.

Weitere Informationen zu Forsa hier.

Quelle: ntv.de, shu/cwo

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