Politik

Sinkender Freibetrag Rentner zahlen deutlich mehr Steuern

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Die Steuerbelastung hängt vom Zeitpunkt des Renteneintritts ab.

(Foto: imago images/Panthermedia)

Früher war das Thema Steuererklärung mit dem Ausstieg aus dem Berufsleben meist erledigt. Nur bei besonders üppigen Einkünften forderte der Fiskus seinen Anteil. Inzwischen werden auch Rentner mit mittlerem Einkommen belastet.

Die Steuerbelastung von Rentnern ist innerhalb von zehn Jahren teilweise um rund das Fünffache gewachsen. Das geht aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor. So werden bei Neurentnern auf eine monatliche Bruttorente von 1500 Euro aktuell jährlich 430 Euro Einkommensteuer fällig. 2010 waren es erst 79 Euro pro Jahr.

Bei 1700 Euro Monatsbruttorente lag die Steuer bei Rentenbeginn 2010 bei 294 Euro, in diesem Jahr sind es 758 Euro. Lagen die Bezüge bei 2000 Euro, waren es 2010 für das Jahr 679 Euro Einkommensteuer, derzeit sind es 1326 Euro. Auf eine Rente von 1200 Euro wird dieses Jahr erstmalig Einkommensteuer berechnet - nämlich 31 Euro. Linksfraktionschef Dietmar Bartsch kritisierte die zunehmende Rentenbesteuerung als "faktische Rentenkürzung".

Steuern sparen bei der Beitragszahlung

Hintergrund ist eine 2005 eingeführte Änderung. Bis dahin galt ein Freibetrag von 50 Prozent der Rente. Seitdem steigt der Besteuerungsanteil der Rente um zunächst jährlich zwei Prozentpunkte. Der Freibetrag, der zum Zeitpunkt des Renteneintritts gegolten hat, bleibt über die ganze Dauer der Rentenzahlung konstant. Für Neurentner 2019 ist der Freibetrag auf 22 Prozent gesunken.

Im Gegenzug können seit 2005 Rentenbeiträge mehr und mehr vom steuerpflichtigen Einkommen abgezogen werden. Geltend gemacht werden können auch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge und manche alltägliche Ausgaben. Fällig wird die Steuer, wenn die Gesamteinkünfte eines Rentners über dem Grundfreibetrag liegen. Derzeit sind das 9168 Euro im Jahr. 2018 lag die Rente im bundesweiten Durchschnitt bei monatlich 1219 Euro.

Bartsch sagte: "In den nächsten Jahren wird die Steuerlast auch für kleine und mittlere Renten immer weiter steigen." Er forderte Finanzminister Olaf Scholz und Arbeitsminister Hubertus Heil (beide SPD) auf, ein Konzept mit deutlich höheren Freibeträgen vorzulegen, die kleine und mittlere Renten schützen. Insgesamt flossen 2015 rund 34,65 Milliarden Euro Einkommensteuer von Steuerpflichtigen mit Renteneinkünften an den Staat.

Quelle: ntv.de, ino/dpa