Politik

Passagierflugzeug abgeschossen Revolutionsgarden übernehmen Verantwortung

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Bei dem Absturz starben alle 176 Menschen an Bord des Flugzeugs.

(Foto: via REUTERS)

Der Iran räumt ein, die bei Teheran abgestürzte Passagiermaschine abgeschossen zu haben. Der Luftwaffenchef der iranischen Revolutionsgarden gibt eine Erklärung zum genauen Hergang ab. Wegen eines Defekts habe ein Offizier die fatale Entscheidung allein getroffen, sagt er.

Irans Revolutionsgarden übernehmen nach Angaben ihres Luftwaffenchefs Amirali Hadschisadeh die volle Verantwortung für den Abschuss des ukrainischen Passagierflugzeugs. "Ich wünschte, ich könnte sterben und hätte nicht Zeuge eines solchen Unglücks sein müssen", erklärt er in einem Video, das das Staatsfernsehen online verbreitet. Er sei bereit, alle Konsequenzen zu tragen. Der Luftwaffenchef gab zudem eine Erklärung zum Hergang der Katastrophe ab.

Der Luftwaffenchef erklärte den Abschuss mit einer Verwechslung. Die Maschine sei für einen Marschflugkörper gehalten und mit einer Kurzstreckenrakete abgeschossen worden. Das Flugzeug sei noch eine kurze Strecke weitergeflogen, bevor es abgestürzt und beim Aufprall explodiert sei, sagte er.

Seinen Angaben zufolge führte ein Defekt im militärischen Kommunikationssystem zu dem fatalen Abschuss. "Das Unglück ereignete sich nach einem Kommunikationsdefekt, was jedoch trotzdem keine Rechtfertigung und unverzeihlich ist", sagte Hadschisadeh. Am Tag des Unglücks seien alle Streitkräfte wegen der Drohungen der USA, 52 Ziele im Iran anzugreifen, in höchster Alarmbereitschaft gewesen, darunter die Militärbasen in Teheran.

Der zuständige Offizier wollte demnach der Zentrale die Gefahr melden, aber genau zu dem Zeitpunkt habe es einen Defekt im Kommunikationssystem gegeben. Was damit im Detail gemeint ist, blieb unklar. Laut Hadschisade hatte der Offizier dann nur wenige Sekunden zu entscheiden, ob er eine Luftabwehrrakete abfeuert oder nicht. "Und leider tat er es, was dann zu dem Unglück führte", sagte der Luftwaffenchef. Er gab aber auch den USA eine Mitschuld, da sie die Spannungen mit dem Iran verschärft hätten. Iran sei auf den Ausbruch eines Krieges gefasst gewesen, so Hadschisade.

Abschuss tagelang geleugnet

Irans zivile Luftfahrtbehörde verteidigte er hingegen, die tagelang den Abschuss geleugnet hatte. "Sie trift keine Schuld, weil sie das Ganze aus technischer Sicht gesehen haben und nichts über den Ablauf wussten", sagte der Kommandeur. Seiner Einschätzung nach hätte es aber an dem Tag landesweit ein Flugverbot geben sollen, weil sich das Land in einer Art Kriegssituation befunden habe.

Auch viele Iraner fragten in sozialen Medien, warum der Flughafen Teherans nicht geschlossen worden sei, nachdem die iranische Armee zwei US-Stützpunkte im Irak mit Raketen beschossen hatte. In einigen Tweets wurde Außenminister Mohammad Dschawad Sarif zum Rücktritt aufgefordert. Sarif hatte den USA vorgworfen, den Absturz für Propaganda gegen den Iran auszunutzen.

Irans Führung entschuldigt sich

Das Militär hatte zuvor in einer Pressemitteilung erklärt, dass der für den Abschuss Verantwortliche vor ein Militärgericht gestellt würde. Die Streitkräfte entschuldigten sich bei den Opferfamilien und versprachen, solch ein "Fehler" werde nicht mehr vorkommen. Auch Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif entschuldigte sich bei den Angehörigen und der iranischen Bevölkerung. Der iranische Präsident Hassan Ruhani versprach eine gründliche Untersuchung und erklärte: "Dieser unverzeihliche Vorfall muss juristisch konsequent verfolgt werden." Die Familien der Opfer müssten entschädigt werden. Insgesamt waren 176 Menschen an Bord der Boeing. Niemand überlebte das Unglück.

Derweil wies die ukrainische Fluggesellschaft Andeutungen zurück, wonach das Flugzeug von seiner normalen Route abgewichen sein könnte. Der Jet sei strikt auf Kurs gewesen, sagt der Vizepräsident der Airline. Vor dem Start habe es keine Warnung aus Teheran über eine mögliche Bedrohung gegeben. Der Iran hätte den Flughafen schließen sollen.

Bundesaußenminister Heiko Maas begrüßte, dass der Iran den Abschuss der Passagiermaschine eingeräumt hat. "Es war wichtig, dass der Iran diese Klarheit geschaffen hat", sagt er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Nun sollte Teheran in der weiteren Aufarbeitung dieser schrecklichen Katastrophe die richtigen Konsequenzen ziehen und Vorkehrungen treffen, damit so etwas nicht wieder passieren kann."

Auch Kanadas Premierminister Justin Trudeau, forderte  eine umfassende Aufklärung des Flugzeugabschusses sowie die volle Zusammenarbeit der iranischen Behörden. "Dies ist eine nationale Tragödie und alle Kanadier trauern gemeinsam", erklärte er. Unter den Opfern sind auch viele Kanadier.

Zuvor hatte auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gesagt, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden müssten. Die Ukraine erwarte vom Iran eine offizielle Entschuldigung, ein vollständiges Eingeständnis der Schuld, eine umfassende Untersuchung und eine Entschädigung.

Quelle: ntv.de, hul/rts/dpa/AFP