Politik

Treffen mit Trump geplant Romney könnte US-Außenminister werden

2012 wollte er Präsident werden und verlor gegen Barack Obama: Nun wird Mitt Romney womöglich US-Außenminister – und das ausgerechnet unter Donald Trump. Die beiden gelten als verfeindet. Seinen Sicherheitsberater soll Trump schon gefunden haben.

Der künftige US-Präsident Donald Trump zieht Berichten zufolge den prominenten Republikaner Mitt Romney als Außenminister in Betracht. Geplant sei am Samstag ein allgemeines Gespräch, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters eine mit dem Treffen vertraute Person. Demnach könnte es aber auch darum gehen, ob Romney ein Kandidat für die Nachfolge von Außenminister John Kerry wird. Das berichten ebenfalls CNN und NBC und beziehen sich auf einen Insider, laut dem Romney für Trump als Außenminister in Frage kommt.

In der Republikanischen Partei ist Romney einer der wichtigsten Kritiker Trumps. Im März hatte er den Immobilienmilliardär als "Angeber und Hochstapler" angegriffen und die Parteimitglieder aufgerufen, jedem anderen Bewerber um die offizielle Kandidatur der Partei ihre Stimme zu geben – nur nicht für Trump. Romney selbst war bei der Präsidentschaftswahl 2012 der Kandidat der Republikaner und unterlag gegen Amtsinhaber Barack Obama.

Gingrich ist raus

Das Treffen am Samstag wird als Friedensangebot Trumps gewertet. Der 70-Jährige hat für den Posten des Chefdiplomaten bereits eine Kandidatenliste, auf der etwa der New Yorker Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani und der frühere UN-Botschafter John Bolton stehen. Trump übernimmt am 20. Januar die Amtsgeschäfte.

Der erzkonservative Senator Jeff Sessions aus Alabama, einer von Trumps frühen Verbündeten, äußerte sich positiv über Romney: "Ich denke, Herr Romney könnte eine ganze Menge Dinge machen."

Als Außenminister im Gespräch war auch Newt Gingrich. Doch der ehemalige Sprecher des Repräsentantenhauses wird in der Regierung von Trump keinen Posten übernehmen. Er sagte NBC, dass er nicht dem Kabinett angehören werde.

Ex-DIA-Chef soll Sicherheitsberater werden

Ein weiteres wichtiges Amt ist das des nationalen Sicherheitsberaters. Trump wolle dem Ex-Geheimdienstler Michael Flynn den Posten anbieten, hieß es aus dem Team des Republikaners. Flynn war früher Direktor des Militärgeheimdienstes DIA und beriet Trump bereits während des Wahlkampfes in Sicherheitsfragen. Er trat auch oft als Vorredner auf. Eine mit Trumps Angebot vertraute Person sagte nun auf die Frage, ob Flynn den Posten annehmen werde: "Wenn der Präsident der Vereinigten Staaten jemanden bittet zu dienen, gibt es nur eine Antwort darauf."

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Trump begrüßte Abe im Trump-Tower in New York.

(Foto: REUTERS)

Der hochrangige Militär wurde 2014 nach eigener Darstellung in den Ruhestand gedrängt, weil er unbequeme Wahrheiten über den Kampf gegen islamische Extremisten aussprach. Seine Kritiker machen dagegen seinen Führungsstil dafür verantwortlich. So stieß seine geplante Reform der Geheimdienstbehörde DIA auf viel Widerstand.

Flynn tritt wie Trump für eine Entspannung mit Russland ein und ist mehrmals im staatlichen russischen TV-Sender Russia Today aufgetreten. Nach Angaben der "New York Times" hat seine Beratungsfirma Flynn Intel Group Verbindungen zu Ländern im Mittleren Osten und ist durch Lobbyarbeit für die türkische Regierung in Erscheinung getreten. Auch wegen seiner Warnungen vor "radikalem islamischem Terrorismus" ist er umstritten. Im Februar twitterte er: "Angst vor dem Islam ist RATIONAL".

Trump gibt sein diplomatisches Debüt

Derweil hat sich Trump acht Tage nach seiner Wahl zum ersten Mal mit einem amtierenden Regierungschef getroffen. Trump empfing den japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe im Trump Tower, seinem Firmensitz in New York, zu einem rund 90-minütigen Gespräch. Abe zog eine positive Bilanz: "Ich bin überzeugt, dass Herr Trump eine Führungspersönlichkeit ist, zu der ich großes Vertrauen haben kann", sagte Abe später. Es sei ein "sehr offenes Gespräch" gewesen, das in einer "sehr warmen Atmosphäre" stattgefunden habe.

Trump hatte den US-Verbündeten Japan im Wahlkampf erheblich irritiert: Er hatte die Präsenz der US-Armee in Japan in Frage gestellt und darüber spekuliert, ob Japan sich Atomwaffen zulegen sollte, um sich selbst besser zu schützen.

Trump empfing ebenfalls den Botschafter Israels in den USA, Ron Dermer. Dieser bezeichnete den designierten Präsidenten hinterher als "wahren Freund Israels".

Vor dem Treffen mit Abe holte sich Trump den Rat des Ex-Außenministers Henry Kissinger ein. Er habe "enormen Respekt" vor dem 93-Jährigen und wisse zu schätzen, dass dieser sich zu dem Gedankenaustausch bereitgefunden habe, sagte der designierte Präsident. Laut Trump ging es in dem Gespräch um China, Europa, den Iran, Russland und breitgefächerte weltpolitische Themen. Kissinger war im Wahlkampf klar auf Distanz zu Trump gegangen.

Quelle: ntv.de, hul/rts/AFP/dpa