Politik

Der Kriegstag im Überblick Russen melden Einnahme von Kohlekraftwerk - Deutsche Raketenwerfer erreichen Ukraine

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Russische Truppen in der ukrainischen Oblast Saporischschja im Südosten des Landes.

(Foto: REUTERS)

Im Kampf um die kritische Infrastruktur der Ukraine wollen die russischen Truppen den größten Kohlemeiler des Landes erobert haben. Derweil erreichen deutsche Mehrfachraketenwerfer die ukrainischen Streitkräfte - und Wirtschaftsminister Habeck will den Weiterbetrieb von Atomkraftwerken nicht ausschließen. Der 153. Kriegstag im Überblick.

Größter ukrainischer Kohlemeiler in russischer Hand?

Im ostukrainischen Gebiet Donezk haben die russischen Truppen nach eigenen Angaben bei Switlodarsk das größte Kohlekraftwerk der Ukraine unter ihre Kontrolle gebracht. Medien der Donezker Separatisten meldeten die Eroberung. Bilder sollten die Präsenz russischer Söldner der sogenannten Wagner-Gruppe vor dem Verwaltungsgebäude belegen. Anderen Berichten zufolge dauerten jedoch die seit Ende Mai währenden Kämpfe um das Kraftwerksgelände weiter an. Unabhängig sind die Angaben nicht zu überprüfen.

Der ukrainische Generalstab erwähnte das Kraftwerk in seinem abendlichen Lagebericht nicht mehr. Stattdessen berichtete die Militärführung nur noch von Kämpfen um das etwas westlicher gelegene Semyhirja. Im Morgenbericht war noch von Luftangriffen auf ukrainische Positionen auf dem Kraftwerksgelände die Rede.

Östlich der Linie von Siwersk über Soledar nach Bachmut seien hingegen russische Angriffe erfolgreich abgewehrt worden, teilte der ukrainische Generalstab mit. Auch von anderen Frontabschnitten im Donezker und dem benachbarten Charkiwer Gebiet wurde über erfolgreiche Abwehrkämpfe berichtet. Russische Truppen beschossen demnach weiter Dutzende Orte mit Artillerie und die russische Luftwaffe flog Angriffe.

Erneut Angriffe auf Odessa

Zudem setzte Russland nach ukrainischen Angaben seine Angriffe auf den Süden des Landes fort. Russische Truppen hätten die Infrastruktur des Hafens der Region Mykolajiw angegriffen, sagte der Bürgermeister der Stadt, Olexandr Senkewitsch, dem ukrainischen Staatsfernsehen. "Ein massiver Raketenangriff auf den Süden der Ukraine wurde aus Richtung des Schwarzen Meeres und unter Einsatz der Luftwaffe gestartet." Einzelheiten über die Folgen des Angriffs nannte er nicht.

Auch die Region Odessa sei erneut angegriffen worden, sagte ein Sprecher der Militärverwaltung. Eine Rakete, die aus Richtung des Schwarzen Meeres gekommen sei, sei eingeschlagen. Über mögliche Opfer wurde nichts bekannt.

Merz reist nach Polen

Nach seinem Besuch in der Ukraine wird Friedrich Merz bald wieder in außenpolitischer Mission unterwegs sein. Aus der Unionsfraktion heißt es, der CDU-Chef wolle am Mittwoch nach Polen reisen, wo er unter anderem Regierungschef Mateusz Morawiecki treffen werde. Anschließend seien Gespräche in Litauen geplant.

Angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und des "offenkundigen Scheiterns des Ringtauschs hält es die Unionsfraktion für dringend erforderlich, enge Kontakte zur politischen Führung in Warschau und Vilnius zu unterhalten", hieß es zur Begründung der dreitägigen Reise. Wie der "Spiegel" nach eigenen Informationen berichtet, will Merz in Polen "die Wogen glätten". Der Grund: Warschau hatte zuletzt mit deutlicher Kritik an Berlin auf den stockenden Ringtausch für Panzerlieferungen an die Ukraine reagiert.

Kreml bestätigt Schröder-Besuch

Auch eine andere Stippvisite sorgt weiterhin für Aufmerksamkeit: Altkanzler Gerhard Schröder weilt derzeit in Moskau, wie ntv bereits am Montag berichtete. Nun bestätigte auch der Kreml, dass sich Schröder in der russischen Hauptstadt aufhält. Kremlsprecher Dmitri Peskow schloss nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax zudem nicht aus, dass Schröder mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Kontakt treten könnte. Gegenüber dem "Spiegel" sagte die Ehefrau des Altkanzlers, Soyeon Schröder-Kim, ihr Mann führe "Gespräche über Energiepolitik in Moskau".

Ukraine erhält deutsche Mehrfachraketenwerfer

Die Ukraine hat weitere schwere Waffen aus Deutschland erhalten: "Die zugesagten Mehrfachraketenwerfer vom Typ MARS II und weitere drei Panzerhaubitzen 2000 sind geliefert. Wir halten Wort", erklärte Verteidigungsministerin Christine Lambrecht. Auch sprach die SPD-Politikerin von inzwischen fünf gelieferten Gepard-Flugabwehrkanonenpanzern.

Derweil reagierte die FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann auf Vorwürfe aus Warschau wegen des stockenden deutsch-polnischen Ringtausches. Sie warf dem NATO-Partner überzogene Erwartungen vor. "Wir können uns die gewünschten Panzer schließlich nicht aus den Rippen schneiden", sagte die Vorsitzende des Bundestags-Verteidigungsausschusses der "Zeit". Das wisse auch die polnische Regierung.

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock sprach unterdessen von Fortschritten bei einem Panzer-Ringtausch mit Tschechien. Es werde derzeit ein Vertrag erarbeitet, "wie wir das von deutscher Seite über die Industrie auffüllen", sagte die Grünen-Politikerin. Bei dem Ringtausch-Verfahren sollen östliche Verbündete der Ukraine leicht bedienbare Panzer sowjetischer Bauart zur Verfügung stellen. Deutschland sagte den NATO-Partnern im Gegenzug modernes Gerät als Ersatz zu.

Habeck schließt AKW-Weiterbetrieb nicht aus

In Brüssel haben die EU-Mitglieder das Beschlussverfahren für einen Notfallplan zur Drosselung des Gaskonsums auf den Weg gebracht. Bei einem Sondertreffen der für Energie zuständigen Minister kam die notwendige Mehrheit für den Schritt zusammen. Der Plan soll vor allem die Risiken reduzieren, die sich aus einer vollständigen Unterbrechung russischer Gaslieferungen ergeben könnten.

Angesichts eines drohenden Gasmangels im Winter debattiert die deutsche Politik weiterhin über eine mögliche Laufzeitverlängerung der drei noch aktiven Atomkraftwerke des Landes. Während die FDP dafür ist, will nun auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck einen Weiterbetrieb nicht ausschließen. Bei "RTL Aktuell" sprach Habeck davon, dass sich bei dem erneuten Stresstest der Meiler ein "Sonderszenario" ergeben könne.

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Quelle: ntv.de, mbe/dpa/rts/AFP

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