Politik

Ukraine unter massivem BeschussRussen und Ukrainer kommen in Abu Dhabi zusammen

04.02.2026, 16:04 Uhr
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Die russische Delegation trifft hier für die Dreiergespräche in Abu Dhabi ein. (Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Ein weiteres Mal treffen sich in Abu Dhabi Russen, Ukrainer und Amerikaner zu Friedensgesprächen. Diese dürften zäh werden. Schließlich möchte Moskau auch Teile der Ukraine, die es nicht besetzt hält. Die russischen Angriffe machen es nicht leichter.

Unterhändler aus Kiew und Moskau loten trotz schwerer russischer Luftangriffe auf die Ukraine zum zweiten Mal in Abu Dhabi Möglichkeiten für ein Kriegsende aus. Die USA sitzen erneut als Vermittler am Tisch. Der Sekretär des ukrainischen Sicherheitsrates, Rustem Umjerow, bestätigte ebenso wie russische Nachrichtenagenturen den Beginn der zweitägigen Verhandlungen. Eine erste trilaterale Gesprächsrunde in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate hatte Mitte Januar stattgefunden.

Angeführt wird die ukrainische Delegation in Abu Dhabi erneut von Umjerow. Auch die russische Delegation ist nach Angaben aus dem Kreml unverändert. Für Moskau nahmen im Januar der Leiter des Militärgeheimdienstes, Igor Kostjukow, und andere Generäle teil. Das Weiße Haus bestätigte den US-Sondergesandten Steve Witkoff sowie den Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, Jared Kushner, als Teilnehmer des Treffens.

Als ein mögliches Ergebnis nannte Umjerow einen weiteren Austausch von Gefangenen zwischen Russland und der Ukraine. Die Kiewer Delegation werde mit den Amerikanern auch über Vereinbarungen zu Sicherheitsgarantien und zum Wiederaufbau sprechen, kündigte er im ukrainischen Fernsehen an.

Die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass berichtete von einem angeblichen Einverständnis in Abu Dhabi, dass die Ukraine nicht der Nato beitreten werde. Tass stützte sich dabei auf Quellen im Umfeld der Moskauer Delegation. Dafür schließe der von den USA entwickelte Friedensplan einen Beitritt der Ukraine zur EU 2027 nicht aus. Von Kiewer Seite gab es dazu keine Äußerung. Bundeskanzler Friedrich Merz sagte kürzlich, dass eine derart schnelle Aufnahme der Ukraine in die EU nicht möglich sei.

Forderungen liegen weit auseinander

Trotz der Bemühungen der US-Regierung, einen Kompromiss zu finden, liegen die Positionen der Kriegsparteien bei zentralen Punkten noch weit auseinander. Zu den heikelsten Fragen gehört die Forderung der Regierung in Moskau, dass die Ukraine von ihr noch gehaltenes Territorium aufgibt. Umfragen zufolge lehnt die Mehrheit der Ukrainer ein Abkommen ab, das Russland Gebietsgewinne zugesteht.

Die Regierung in Moskau machte zu Beginn der Gespräche klar, dass sie an ihren Forderungen festhalte. Russische Truppen würden so lange weiter in der Ukraine kämpfen, bis die Regierung in Kiew Entscheidungen zur Beendigung des Krieges treffe, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Die russische Position sei unverändert. Als Vorbedingung für eine Einigung verlangt Russland von der Regierung in Kiew den Abzug ukrainischer Truppen aus der gesamten östlichen Region Donezk. Dazu gehört auch ein Gürtel stark befestigter Städte, die als eine der stärksten Verteidigungslinien der Ukraine gelten. Russland versucht seit 2014, die Kontrolle über den ganzen Donbass zu bekommen.

Die Ukraine fordert dagegen, den Konflikt entlang der derzeitigen Frontlinie einzufrieren, und lehnt einen einseitigen Rückzug ihrer Streitkräfte ab. Russland hält derzeit etwa 20 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets besetzt. Militäranalysten zufolge haben die russischen Streitkräfte seit Anfang 2024 etwa 1,5 Prozent des ukrainischen Territoriums hinzugewonnen.

Auch die Zukunft des von Russland besetzten Atomkraftwerks Saporischschja, des größten in Europa, ist strittig. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Kiew konzentrieren sich die Gespräche auf militärische Fragen. Umjerow erklärte weiter, die Verhandlungsteams würden sich auch in getrennten Gruppen treffen. Dabei würden bestimmte Verhandlungspunkte erörtert und die Positionen anschließend in einer gemeinsamen Sitzung abgeglichen. Die erste Runde der Gespräche fand im Januar statt, die zweite ist auf zwei Tage angesetzt.

Schwere Angriffe auf die Ukraine

Vorab warf der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Moskau einen Verstoß gegen die von Trump erwirkte Teilwaffenruhe vor. "Es war ein Vorschlag der USA: während der diplomatischen Verhandlungen und bei solch kaltem Winterwetter die Angriffe auf die Energieversorgung einzustellen", sagte Selenskyj in seiner Videobotschaft. Russland habe auf diese persönliche Bitte Trumps mit einer Rekordzahl eingesetzter Raketen reagiert.

In der Nacht auf Dienstag, einer der kältesten des Winters, hatte eine weitere Welle schwerer Luftangriffe Kiew, Charkiw und andere ukrainische Städte getroffen. Erneut saßen Millionen Menschen bei strengem Frost ohne Strom und Heizung da. Die Reparaturarbeiten an dem seit Monaten beschädigten Netz wurden zurückgeworfen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte mit, dass auch am Mittwoch in Kiew noch 1100 Wohnblocks ohne Heizung waren.

UkraineAngriffe auf zivile Infrastruktur

Der ukrainische Präsident verlangte eine Reaktion aus Washington. Er kündigte auch eine veränderte Haltung seiner Unterhändler in Abu Dhabi an, ohne Details zu nennen. Absagen kann die Ukraine die Gespräche nicht, weil sie für künftige Sicherheitsgarantien auf Trumps Wohlwollen angewiesen ist. Moskau wiederum stellt die Angriffe als Reaktion auf ukrainische Attacken auf zivile Ziele in Russland dar.

Trump machte indes am Dienstag Ortszeit vor laufenden Kameras klar, dass er in den russischen Luftangriffen keinen Verstoß gegen seine Absprache mit Putin sieht. Der Kremlchef habe sein Wort gehalten und eine Woche lang auf Angriffe verzichtet, sagte Trump. Am 29. Januar hatte der US-Präsident verkündet, Putin habe seiner Bitte um eine begrenzte Waffenruhe von einer Woche zugestimmt - ohne dabei auszuführen, ab wann dieser Verzicht gelten solle.

Tote durch russische Drohnenangriffe

Durch russische Drohnenangriffe gab es auch in dieser Nacht wieder Opfer in der Ukraine. In der ukrainischen Region Dnipropetrowsk wurden nach Behördenangaben zwei Menschen getötet und zwei weitere verletzt. Die Drohnen schlugen in der Gemeinde Wassylkiwka im Osten der Region ein, wie Gouverneur Olexander Hanscha bei Telegram mitteilte. Drohnen setzten auch den Marktplatz der Stadt Kramatorsk im Gebiet Donezk in Flammen.

Am Abend vor den Verhandlungen starben bei einem Drohnenangriff auf die südukrainische Stadt Saporischschja nach örtlichen Angaben ebenfalls zwei Zivilisten. Auf russischer Seite verursachte ukrainischer Raketenbeschuss laut Medienberichten einen Stromausfall in der grenznahen Großstadt Belgorod.

In der Drei-Millionen-Stadt Kiew hat der neuerliche russische Angriff die Lage für die Bevölkerung noch einmal verschärft. Das Deutsche Rote Kreuz sieht dort zunehmend lebensbedrohliche Zustände. "Bei zweistelligen Minusgraden müssen viele Menschen seit Tagen ohne Heizung und Strom ums Überleben kämpfen", sagte der Leiter der internationalen Zusammenarbeit des DRK, Christof Johnen, der "Augsburger Allgemeinen". "Die Kälte kann besonders für besonders verletzliche Bevölkerungsgruppen wie kranke, ältere oder obdachlose Menschen sogar lebensgefährlich werden", warnte er.

Quelle: ntv.de, ghö/dpa/rts

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