Politik

Der Kriegstag im Überblick Russische Armee steckt fest - Panne bei Putins Jubelfeier

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Cockpit eines russischen Kampfhubschraubers, der ukrainische Stellungen angreift. Auf dem Boden kommt die Kreml-Armee nicht voran.

(Foto: picture alliance/dpa/Russian Defence Ministry)

Während das russische Militär Luftangriffe auf Lwiw einräumt, gelingt den Kreml-Truppen nach Angaben der Ukraine weiter keinerlei Geländegewinn. Für den russischen Präsidenten bringt der Tag weitere Pein: Ein General muss gehen und eine Jubelshow im Staatsfernsehen misslingt. Der 23. Kriegstag im Überblick.

Kiew: Russische Armee hat keinen Sprit

Die russische Armee hat nach Darstellung der Ukraine keine Geländegewinne erzielt. Ukrainische Truppen hätten sie daran gehindert, sagt Vize-Verteidigungsministerin Hanna Maljar im Fernsehen. Die russischen Einheiten kämpften mit logistischen Schwierigkeiten bei Treibstoff und Lebensmitteln sowie Kommunikationsproblemen.

Die russische Armee meldete dagegen, sie setze ihre Angriffe auf militärische Ziele in der Ukraine fort. Das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte am Abend eine Offensive auf den Flugplatz nahe der westukrainischen Großstadt Lwiw (Lemberg). Dort seien ukrainische Kampfflugzeuge abgestellt gewesen. Zudem sei eine Werkstatt zerstört worden, sagte Sprecher Igor Konaschenko. Der Bürgermeister der Stadt nahe der EU-Außengrenze, Andrij Sadowij, hatte am Morgen von mehreren Raketeneinschlägen berichtet. Der Flughafen selbst sei nicht getroffen. Angriffe seien zudem auf Munitionsdepots in Vororten der Städte Mykolajiw und Wosnessensk geflogen worden. Die Angaben beider Seiten lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

PolitikUkraine-Videos vom 18. März 2022

Erst General suspendiert, dann Panne bei Jubelfeier

Während der russische Präsident Putin nach außen an der Version festhält, seine "Spezialoperation in der Ukraine verlaufe streng nach Plan, hat in Moskau die Suche nach Sündenböcken für den weiter stockenden Feldzug längst begonnen. Putin habe einen der ranghöchsten russischen Militärs, General Roman Gawrilow, verhaften lassen, berichtete unter anderem die britische Zeitung "The Telegraph" unter Berufung auf einen britischen Minister. In der Duma wurde der Bericht allerdings dementiert. Demnach ist Gawrilow auf eigenen Wunsch zurückgetreten. Schon zuvor hatte es Berichte gegeben, dass Putin acht von 20 Generälen an der Front abberufen habe. Vier sollen gefallen sein.

Nach dem Kriegsprotest einer TV-Redakteurin in der Hauptnachrichtensendung vor wenigen Tagen leistete sich das russische Staatsfernsehen eine weitere schmerzhafte Panne: Zum achten Jahrestag der russischen Krim-Annexion lobte der Kremlchef seine "militärische Spezial-Operation" in der Ukraine als "heldenhaften" Einsatz der russischen Armee. Doch bei seinem Auftritt im Moskauer Luschniki-Stadion vor Zehntausenden jubelnden Russen setzte die Übertragung im Staatsfernsehen überraschend aus und schnitt Putin mitten im Satz das Wort ab. Das Fernsehen zeigte schnell aufgezeichnete Bilder von singenden Chören. Erst deutlich später wurde die Rede noch einmal komplett gesendet. Ob es sich um einen Sabotageakt handeln könnte, war unklar, doch der Moskau-Korrespondent von ntv, Rainer Munz, vermutete, dass die Suche nach den Verantwortlichen wohl schon begonnen habe. Offiziell ließ der Kreml verlauten, es habe sich um ein Serverproblem gehandelt.

Für Lawrow sind China und Indien die neuen Freunde

Ohne technische Pannen informierte der russische Außenminister über die neue Moskauer Bündnisarchitektur: "Wenn es je eine Illusion gab, dass wir uns eines Tages auf unsere westlichen Partner würden verlassen können, dann gibt es diese Illusion jetzt nicht mehr", sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow im Staatssender RT. Niemals werde sein Land eine Weltordnung akzeptieren, die von den USA dominiert werde. Die Vereinigten Staaten gebärdeten sich wie ein Sheriff, der im Saloon das Sagen haben wolle. Russland werde sich nach Osten - Richtung China und Indien - orientieren.

Allerdings setzen die USA derzeit auch die neuen "felsenfesten" Bündnispartner des Kreml massiv unter Druck. US-Präsident Joe Biden warnte Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping in einer Videoschalte persönlich vor einer Unterstützung Russlands beim Krieg gegen die Ukraine gewarnt. Biden habe Xi die Konsequenzen erläutert, "falls China Russland bei seinen brutalen Angriffen auf ukrainische Städte und die Zivilbevölkerung materielle Unterstützung gewährt", teilte das Weiße Haus mit. Der russische Einmarsch in die Ukraine habe im Mittelpunkt des fast zweistündigen Telefonats gestanden.

Chinas Präsident Xi forderte chinesischen Medien zufolge Verhandlungen zur Beendigung des Krieges in der Ukraine. Oberste Priorität müssten die Fortsetzung von Gesprächen und die Vermeidung einer humanitären Katastrophe haben, sagte Xi zu Biden nach Berichten chinesischer Staatsmedien.

Scholz und Macron telefonieren mit Putin

Auch Putin musste im Laufe des Tages mehrfach zum Hörer greifen: Am Abend telefonierte er erneut mit seinem französischen Kollegen Emmanuel Macron. Der russische Präsident versicherte demnach, dass die russischen Streitkräfte alles unternehmen würden, "um das Leben von Zivilisten zu retten". Der Kremlchef habe damit auf "Bedenken" der französischen Seite reagiert. Putin habe zudem auf "Kriegsverbrechen" der Ukraine aufmerksam gemacht, hieß es in der Mitteilung.

Ähnlich verlief bereits am Vormittag ein Gespräch Putins mit Bundeskanzler Olaf Scholz. Nach Kremlangaben beklagte der russische Präsident Kriegsverbrechen der ukrainischen Armee. Beim Beschuss von Wohnvierteln in den Städten Donezk und Makijiwka habe es zahlreiche Todesopfer gegeben. "Diese Kriegsverbrechen wurden im Westen ignoriert", hieß es in einer Mitteilung des Kreml. In Berlin hieß es, Scholz habe auf einen Waffenstillstand in der Ukraine gedrängt.

Licht und Schatten in Mariupol

Zwei Tage nach der Bombardierung eines Theaters in der südukrainischen Stadt Mariupol übermitteln die Behörden zumindest von den dort eingeschlossenen Menschen eine gute Nachricht: Offenbar gab es trotz der russischen Bomben auf den Schutzraum bei den Bergungen bislang keine Todesopfer. Ein Mensch sei schwer verletzt worden, hieß es auf Telegram.

Viele andere Zivilisten in der eingekesselten Stadt haben die Angriffe dagegen nicht überlebt. Zwei Journalisten der US-Nachrichtenagentur Associated Press harren weiter in Mariupol aus. Sie schicken einen ausführlichen Bericht aus der unglücklichen Stadt. Ihre teils drastischen Darstellungen und ihre Fotos der Lebenden und der Toten vermitteln eine Ahnung von den Schrecken dieses Krieges.

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Quelle: ntv.de, mau/rts/AFP

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