Politik

Kampf um havarierte Atom-Anlage Russische Truppen erobern ehemaliges AKW Tschernobyl

Nur etwa zehn Kilometer von der belarussischen Grenze entfernt liegt Tschernobyl. Nach laut Ukraine erbitterten Kämpfen nehmen russischen Soldaten die Atom-Ruine ein. Die Sorge vor einer radioaktiven Katastrophe ist groß.

Das russische Militär hat nach ukrainischen Angaben die Kontrolle über den zerstörten Atomreaktor von Tschernobyl übernommen. Der ukrainische Ministerpräsident Denys Schmyhal, Russland kontrolliere die sogenannte Sperrzone und alle Anlagen der Atomruine. Russische Soldaten hätten das Gebiet um das AKW im Norden der Ukraine nach "erbitterten" Kämpfen eingenommen, sagte der ukrainische Präsidentenberater Mychailo Podoljak. Der Unglücksreaktor könne daher nicht mehr als sicher angesehen werden, es handele sich um "eine der ernstesten Bedrohungen für Europa".

Die ukrainischen Soldaten in Tschernobyl "geben ihr Leben", um eine "Tragödie wie 1986" zu verhindern, hatte zuvor der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj getwittert. Er wollte damit offenbar davor warnen, dass ein russischer Beschuss der Atomanlage erneut große Mengen Radioaktivität freisetzen könnte. Seit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor 36 Jahren sind weite Teile des Gebiets radioaktiv verseucht. Der zerstörte Reaktor ist mit einem riesigen Sarkophag ummantelt, damit kein radioaktives Material nach außen gelangen kann.

Die Sperrzone des 1986 havarierten Atomkraftwerks Tschernobyl liegt knapp 70 Kilometer nördlich der ukrainischen Hauptstadt Kiew - und nur etwa zehn Kilometer von der Grenze zu Belarus entfernt. Dort hat Russland Truppen stationiert.

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte davor gewarnt, dass in der Ukraine angeblich Atomwaffen hergestellt werden könnten. "Wir wissen, dass es bereits Berichte gab, die Ukraine wolle ihre eigenen Atomwaffen herstellen. Das ist keine leere Prahlerei", sagte der Kremlchef etwa am vergangenen Montag in einer Fernsehansprache. "Die Ukraine verfügt tatsächlich immer noch über sowjetische Nukleartechnologien und Trägersysteme für solche Waffen."

Das Unglück von Tschernobyl am 26. April 1986 gilt als die größte Katastrophe in der zivilen Nutzung der Atomkraft. Hunderttausende Menschen wurden zwangsumgesiedelt. Damals gehörte die Ukraine noch zur Sowjetunion. Im vergangenen Sommer war ein neues Atommüllzwischenlager in der radioaktiv verseuchten Sperrzone um Tschernobyl eingeweiht worden. Mit dem Lager wollte Kiew seine Abhängigkeit von Russland im Atommüllbereich beenden. Im Zuge des 2017 begonnenen Baus wurden etwa 43 Kilometer Eisenbahnstrecke im radioaktiv belasteten 30-Kilometer-Sperrgebiet instandgesetzt.

Quelle: ntv.de, hny/jwu/AFP/dpa

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