Beschuss durch die Ukraine?Russischer Frachter treibt nach Drohnenangriff im Mittelmeer
Von Andrea Affaticati, Mailand
Ein russisches Schiff wird bei Sizilien beschädigt und treibt mittlerweile zwischen Kreta und Libyen. Es ist bereits der dritte Drohnenangriff auf einen russischen Frachter innerhalb von neun Monaten. Hinter den Attacken könnte der ukrainische Geheimdienst stecken.
Den Namen des Frachters, der seit ein paar Tagen zwischen Kreta und Libyen dahindriftet, kennt man. Er heißt "Lady Mariia" und fährt unter russischer Flagge. Wie die italienische Tageszeitung "La Repubblica" berichtet, wurde er in der Nacht von Samstag auf Sonntag von einem Drohnenschwarm angegriffen, nachdem er die Straße von Messina zwischen Sizilien und dem italienischen Festland passiert hatte. Ein Schiffstracker zeigt eine Route, die südlich von Sizilien verläuft. In jeden Fall soll das Schiff stark beschädigt worden sein.
Dem Bericht zufolge dient die 127 Meter lange "Lady Mariia" dazu, Waffen an die engsten Verbündeten Russlands zu liefern. Deshalb steht das Schiff auf der schwarzen Liste der US- und EU-Sanktionen. Im Laderaum des Frachters standen schon Panzer für den syrischen Diktator Baschar al-Assad und Artillerie für den libyschen Militärmachthaber Chalifa Haftar. Zuletzt soll das Schiff Lieferungen an die iranische Revolutionsgarde transportiert haben. Auf die Frage, was der Frachter diesmal geladen hat, gibt es bislang keine Antwort.
Überraschend ist allerdings, dass Moskau den Frachter ohne Schutzgeleit hatte ziehen lassen. Die Fahrten der "Lady Mariia" werden von der Nato verfolgt, russische Schiffe im Mittelmeer müssen jederzeit mit einer Beschlagnahmung rechnen. Normalerweise gibt es ein Geleit kleinerer bewaffneter Schiffe, die etwa Erdöl– oder Erdgastanker begleiten.
Drittes Schiff in neun Monaten
Die "Lady Mariia" ist bereits das dritte russische Schiff, das in den letzten neun Monaten am selben Ort von Drohnen angegriffen wurde. Davor waren es der Öltanker "Qendil" am 19. Dezember und die "Arctic Metagaz" am 4. März. Die "Arctic Metagaz" trieb über Wochen zwischen Malta und Sizilien, bevor sie zur libyschen Küste geschleppt wurde.
Laut "Repubblica" wird spekuliert, dass der ukrainische Geheimdienst von Libyen aus operieren und hinter den Angriffen stecken könnte. Ukrainische Agenten sollen bei einer der Milizen untergekommen sein, die gegen Haftar kämpfen. Seit dem Sturz von Machthaber Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 ist Libyen geteilt. Eine von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung residiert in Tripolis im Westen des Landes. General Haftar kontrolliert, unter anderem unterstützt von Russland, den Osten.
Und dann wäre noch der Fall eines ferngesteuerten Motorboots, bepackt mit 100 Kilogramm Sprengstoff, das im Mai an der griechischen Insel Lefkada, östlich von Italien, strandete. Anfangs bestritt die Ukraine jegliche Verantwortung. Erst nach einer formalen Beschwerde aus Athen entschuldigte sich Kiew und sprach von einem "Unfall".
