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Lager des IS bombardiert Russland bestätigt Angriffe in Syrien

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Satellitenbilder von Stratfor sollen russische Kampfhelikopter vom Typ MI-24 auf einer Militärbasis in Syrien zeigen.

STRATFOR GEOPOLITICAL INTELLIGEN

Militärische Ausrüstung, Waffen und Munition des IS sind das Ziel der ersten Bombardements Russlands in Syrien. Das Verteidigungsministerium spricht von "Präzisionsangriffen". Aktivisten berichten von getöteten Zivilisten.

Das Verteidigungsministerium in Moskau hat die ersten russischen Luftangriffe in Syrien bestätigt. Die "Präzisionsangriffe" der russischen Luftwaffe hätten sich gegen militärische Ausrüstung sowie Lager mit Waffen und Munition der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) etwa 200 Kilometer von Damaskus entfernt gerichtet, erklärte Ministeriumssprecher Igor Konaschenkow laut russischen Agenturberichten.

Russische und syrische Jets griffen syrischen Sicherheitskreisen zufolge "terroristische Stellungen" in Hama und Homs an. Zunächst gemachte Angaben zu Attacken auch in Latakia am Mittelmeer wurden zurückgezogen. Die beschossenen Gebiete werden überwiegend allerdings nicht vom IS, sondern von der mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbundenen Al-Nusra-Front und anderen Extremisten kontrolliert.

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte kamen bei den Angriffen mindestens 27 Menschen ums Leben. Andere Aktivsten berichteten sogar von mehr als 35 Toten, darunter Frauen und Kinder. Diese Region werde von verschiedenen gemäßigten Rebellengruppen beherrscht, sagte Samir Naschar, führendes Mitglied des Oppositionsbündnisses Nationale Syrische Koalition. Dessen Vorsitzender Khaled Khudscha erklärte über Twitter, in dem Gebiet gebe es weder Kämpfer des IS noch des Terrornetzwerkes Al-Kaida.

Präsident Wladimir Putin sagte derweil, Moskau bekämpfe die Dschihadisten in Syrien "vorausschauend": "Der einzige richtige Weg im Kampf gegen den internationalen Terrorismus ist es, vorausschauend zu handeln", sagte er. "Kämpfer und Terroristen" müssten in den Gebieten bekämpft und "vernichtet" werden, die sie bereits erobert hätten, statt "darauf zu warten, dass sie zu uns kommen".

Russland werde die syrische Armee so lange unterstützen, bis diese ihren Kampf beendet habe, sagte Putin weiter. Er schloss allerdings die Entsendung von Bodentruppen aus, wie die Agentur Interfax meldete.

USA vorab informiert

Putin hatte zuvor vom Parlament das Mandat für einen Militäreinsatz in Syrien erhalten. Er ist der wichtigste Verbündete von Syriens Machthaber Baschar al-Assad, der zunehmend durch die Extremistenmiliz Islamischer Staat unter Druck gerät.

Zuvor hieß es bereits aus US-Militärkreisen, dass Russland erste Luftangriffe in Syrien geflogen habe. Demnach gab es Bombardierungen in der Umgebung von Homs. Russland habe die USA eine Stunde vorher über entsprechende Pläne informiert. Laut CNN richteten sich die Angriffe gegen Rebellen, die gegen das Regime von al-Assad kämpfen.

Laut CNN informierte ein russischer General die US-Botschaft in Bagdad über den Angriff. Er habe zudem die USA aufgefordert, Kampfflugzeuge aus dem syrischen Luftraum abzuziehen. Die Einsätze des US-geführten Bündnisses gingen jedoch planmäßig weiter, sagte der Sprecher der Mission zur Bekämpfung des Islamischen Staats. Von Zwischenfällen der beiden Militärs wurde zunächst nichts bekannt.

Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt

Die Staatsanwaltschaft Paris eröffnete derweil ein Verfahren wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Syrien. Das französische Außenministerium habe der Staatsanwaltschaft Anfang September Hinweise nach Auswertung von Zehntausenden Fotos gegeben, berichtete ein Ministeriumssprecher in Paris. Die Aufnahmen sollen unter anderem gefolterte und verhungerte Menschen zeigen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen unbekannt. Frankreich ist seit langem ein erklärter Gegner des syrischen Machthabers al-Assad und baut auf eine politische Lösung ohne den in Paris auch als Diktator bezeichneten al-Assad. Am Sonntag flog Frankreich nach eigenen Angaben erstmals einen Luftangriff auf Stellungen des Islamischen Staats in Syrien.

Bürgerkrieg in Syrien: Wer kontrolliert welche Gebiete?

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(Foto: Christoph Herwartz / n-tv.de)

Quelle: n-tv.de, mli/rts/AFP

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