Politik

Beraterjob bei Tönnies SPD verschärft Kritik an Gabriel

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Kassierte monatlich rund 10.000 Euro von Tönnies: Sigmar Gabriel.

(Foto: imago/regios24)

Der ehemalige SPD-Chef Sigmar Gabriel lässt sich als Berater vom Fleischriesen Tönnies bezahlen. Dabei hatte er die Branche stets kritisiert. Sein moralischer Sinneswandel kommt in seiner Partei nicht gut an. Arbeitsminister Heil betont, das hätte sogar seiner verstorbenen Mutter nicht gefallen - und die war Gabriel-Fan.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hat den ehemaligen SPD-Chef Sigmar Gabriel wegen dessen Beratervertrag für den Fleischkonzern Tönnies kritisiert. "Das, was er jetzt macht, ist wahrscheinlich legal. Legitim? Darüber muss man diskutieren. Ich sage es mal in den Worten meiner Mutter: Es gibt Situationen, da kommt mir das Gefühl, so was macht man nicht", sagte der SPD-Politiker der "Bild"-Zeitung. Gabriel müsse das selbst entscheiden. "Ich bedauere das. Meine Mutter lebt leider nicht mehr. Sie hat Sigmar Gabriel immer sehr gerne gemocht. Die hätte ihm jetzt wahrscheinlich gesagt: Warum machst Du das?"

Ähnlich reagierte Mecklenburg-Vorpommerns SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. Im ZDF sagte sie, sie verstehe die Entscheidung Gabriels nicht. "Das geht gar nicht und ich glaube, das weiß Sigmar Gabriel selbst auch." Am Donnerstag war bekannt geworden, dass Gabriel von März bis Mai 2020 für das Unternehmen als Berater tätig war. Im Stammwerk des Tönnies-Fleischkonzerns im westfälischen Kreis Gütersloh hatten sich im Juni weit mehr als 1000 Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert. Deshalb gab es heftige Kritik an den Arbeitsbedingungen im Unternehmen.

Die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Katrin Göring-Eckardt, warf Gabriel vor, als Minister nichts Effektives gegen die Missstände in der Fleischindustrie getan zu haben. "Jeder muss selbst wissen, mit wem er sich einlässt", sagte sie. "Was man aber nicht vergessen darf: Als Wirtschaftsminister hatte Sigmar Gabriel sich am Ende mit einer freiwilligen Selbstverpflichtung der Fleischindustrie zufriedengegeben - trotz der schon damals bekannten Missstände."

Gabriel hatte seine Beratertätigkeit bei der "Bild"-Zeitung erneut verteidigt - und auch, dass er diese nicht öffentlich gemacht hatte. "Ich bin kein Politiker mehr, und ich bin weder dazu verpflichtet noch kann ich so ohne Weiteres Geschäftsgeheimnisse eines Unternehmens preisgeben, an dem auch andere beteiligt sind", sagte Gabriel. "Ich glaube, dass Clemens Tönnies gerade das Gesicht für den gesamten Corona-Frust in der Bundesrepublik ist."

Die Kritik an den Arbeitsbedingungen in der gesamten Fleischindustrie sei zwar berechtigt. Dass Tönnies zum Buhmann für die gesamte Corona-Debatte gemacht werde, nannte Gabriel hingegen "überzogen". "Tönnies hat sich an Recht und Gesetz gehalten, er ist kein Verbrecher. Es sind sicher im Unternehmen, in der gesamten Branche Fehler unterlaufen."

Quelle: ntv.de, mba/dpa