Politik

Die Kriegsnacht im Überblick Scholz auf dem Weg nach Kiew - Erbitterte Kämpfe um Luhansk

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Seit Tagen gibt es schwere Kämpfe um Sjewjerodonezk.

(Foto: AP)

Noch ist es nicht offiziell bestätigt, aber Medienberichten zufolge befindet sich Bundeskanzler Scholz im Zug auf dem Weg in die Ukraine, gemeinsam mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Italiens Regierungschef Mario Draghi. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will indes die Interessen seines kriegsgeplagten Landes bei den Gipfeln von G7 und NATO Ende Juni vertreten. Er habe dankbar die Einladungen zu den Spitzentreffen angenommen, teilte Selenskyj auf Twitter mit. Die militärische Lage - vor allem in der Ostukraine - bleibt weiterhin äußerst gespannt. "Der erbitterte Kampf um das Gebiet Luhansk geht weiter", teilte der ukrainische Oberkommandierende Walerij Saluschnyj mit. Die russischen Truppen griffen dort aus neun Richtungen zugleich an, schrieb er auf Facebook.

Foto von Scholz im Zug

Kanzler Scholz, Frankreichs Präsident Macron und Italiens Regierungschef Draghi befinden sich auf dem Weg nach Kiew. Dies berichtet die italienische Zeitung "La Repubblica". Das Blatt veröffentlichte ein Foto des SPD-Politikers zusammen mit Draghi und dem französischen Staatsoberhaupt im Abteil eines Sonderzuges. Wie bei anderen Besuchen in Kiew unter Kriegsbedingungen ist nicht zu erwarten, dass diese Reise offiziell bestätigt wird, bevor die drei Politiker sicher angekommen sind.

Viele internationale Kontakte der Ukraine

Bereits am Abend listete der ukrainische Präsident Selenskyj zudem zahlreiche internationale Kontakte vom Mittwoch auf: Telefonate mit US-Präsident Joe Biden und dem britischen Premierminister Boris Johnson, ein Treffen mit den Regierungschefs aus Albanien und Montenegro, Edi Rama und Dritan Abazovic.

Einladung zu G7- und NATO-Gipfel

Selenskyj sagte zudem in seinem Video, zur Gruppe der sieben führenden westlichen Industrienationen habe Scholz ihn eingeladen. Die Einladung zur NATO komme von Generalsekretär Jens Stoltenberg. Das G7-Treffen soll vom 26. bis 28. Juni in dem alpinen Luxushotel Schloss Elmau in Bayern stattfinden. Zu den G7 gehören neben den USA und Deutschland noch Japan, Großbritannien, Frankreich, Italien und Kanada, außerdem ist die EU bei allen Treffen vertreten.

Direkt im Anschluss beginnt in der spanischen Hauptstadt Madrid der NATO-Gipfel, bei dem es vor allem um die Stärkung der Ostflanke gegen Russland geht. Stoltenberg sagte zur Frage, ob Selenskyj nach Madrid kommen werde: "Er ist willkommen, persönlich zu kommen. Wenn das für ihn nicht möglich ist, wird er per Videokonferenz zu uns sprechen."

Heftige Kämpfe um das Gebiet Luhansk

"Um unsere Truppen zu vertreiben, setzt der Feind Flugzeuge, Mehrfach-Raketenwerfer und Artillerie ein", schrieb der Oberkommandierende Saluschnyj über die Kämpfe im Osten. Der Schlüssel der ukrainischen Verteidigungsoperation sei die seit Tagen umkämpfte Stadt Sjewjerodonezk. Die Großstadt als Sitz der ukrainischen Verwaltung im Gebiet Luhansk ist bereits zu großen Teilen in russischen Händen. Für die Ukraine wäre die Aufgabe der Stadt eine bedeutende symbolische Niederlage. Für Russland wiederum ist die vollständige Eroberung des Gebietes Luhansk ein wichtiges Kriegsziel.

Biden verspricht weitere Waffen

Biden kündigte nach einem Telefonat mit Selenskyj weitere Waffenlieferungen im Umfang von einer Milliarde US-Dollar an. Außerdem stellten die USA weitere 225 Millionen US-Dollar an humanitärer Unterstützung für das Land bereit. Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht sagte die Lieferung von drei Mehrfachraketenwerfern vom Typ Mars II zu. Dies ist allerdings ein System weniger als erwartet. Anfang Juni hatte es am Rande einer Generaldebatte im Bundestag noch aus Regierungskreisen geheißen, Deutschland werde vier Mehrfachraketenwerfer liefern.

Noch weniger Gas für Deutschland

Der russische Energiekonzern Gazprom reduzierte unterdessen erneut die Gasliefermengen durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 nach Deutschland. Von der Nacht an sollten täglich nur noch maximal 67 Millionen Kubikmeter durch die Leitung gepumpt werden, kündigte Gazprom an. Erneut begründete das Staatsunternehmen diesen Schritt mit Verzögerungen bei Reparaturarbeiten. Schon am Dienstag hatte Gazprom die Reduktion des Tagesvolumens von 167 Millionen um rund 40 Prozent auf 100 Millionen Kubikmeter Gas pro Tag verkündet und auf Verzögerungen bei der Reparatur von Gasverdichtern verwiesen.

Nach Einschätzung von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck will Russland mit den Lieferkürzungen Unruhe stiften. "Die Begründung der russischen Seite ist schlicht vorgeschoben. Es ist offenkundig die Strategie, zu verunsichern und die Preise hochzutreiben", sagte der Grünen-Politiker. Aktuell könnten die Mengen am Markt beschafft werden, wenn auch zu hohen Preisen. Es werde zurzeit noch eingespeichert: "Die Versorgungssicherheit ist gewährleistet." Zugleich rief der Minister die Bevölkerung und Unternehmen zum Energiesparen auf.

Das wird heute wichtig

  • Die EU-Kommission will heute ihre Empfehlung abgeben, ob der Ukraine der Kandidatenstatus gewährt werden sollte.
  • Die Verteidigungsminister der 30 NATO-Staaten beraten in Brüssel über noch offene Fragen im Zusammenhang mit dem großen Gipfeltreffen in Madrid Ende Juni.
  • Der russische Präsident Wladimir Putin wiederum will beim Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg angesichts der westlichen Sanktionen mit Vertretern der Automobilbranche sprechen.
  • Bundeskanzler Scholz wird voraussichtlich in Kiew Gespräche mit der ukrainischen Führung führen.

Alle weiteren Entwicklungen des Tages können Sie in unserem Liveticker zum Ukraine-Krieg nachlesen.

Quelle: ntv.de, ghö/dpa

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