Politik

Im Kampf gegen Gas-Krise Scholz offen für Weiterbetrieb deutscher Atommeiler

Wasserdampf steigt aus dem Kühltum des Atomkraftwerks (AKW) Isar 2.

Für das Atomkraftwerk Isar 2 in Bayern ist ein sogenannter Streckbetrieb im Gespräch.

(Foto: Armin Weigel/dpa)

Angesichts sich abzeichnender Gas-Engpässe hält Kanzler Scholz die verlängerte Nutzung von Atomenergie für eine Option. Auch wenn der Beitrag für die Stromversorgung nur klein sei, könne dies "Sinn machen". Zuvor müsse aber das Ergebnis des Strom-Stresstests abgewartet werden.

Bundeskanzler Olaf Scholz hat sich offen gezeigt für längere Laufzeiten der letzten drei Atomkraftwerke (AKW), die in Deutschland noch am Netz sind - Isar 2, Neckarwestheim und Emsland. Mit Blick auf die Gas-Krise sagte Scholz, diese Atomkraftwerke seien zwar ausschließlich relevant für einen kleinen Teil der Stromproduktion. "Aber trotzdem kann das Sinn machen", sagte der SPD-Politiker auf die Frage nach einer Verlängerung der Laufzeiten für die Atommeiler, deren Betrieb eigentlich am Jahresende ausläuft.

Entschieden werde auf der Grundlage eines Stresstests für die Stromversorgung, dessen Ergebnisse bald vorlägen, so der Kanzler. Zur Begründung verwies er unter anderem darauf, dass es "insbesondere in Bayern sehr langsam vorangegangen ist mit dem Ausbau der Windenergie". Auch der Ausbau des Übertragungsnetzes in den Süden sei nicht so schnell vorangegangen wie geplant. Dies werde berücksichtigt in dem "sehr, sehr strengen Stresstest" zur Stromproduktion in Deutschland. Dieser Stresstest werde bald beendet sein. Daraus werde die Bundesregierung dann ihre Schlüsse ziehen.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sprach sich bereits für einen Weiterbetrieb des Atommeilers Isar 2 aus. Im Gespräch ist für dieses Kraftwerk besonders ein sogenannter Streckbetrieb. Bei einem Streckbetrieb würde die AKW-Leistung zunächst gedrosselt, um die in der Anlage vorhandenen Brennelemente dann einige Monate länger nutzen zu können. Dies könnte dazu beitragen, Engpässe im Winter abzumildern, argumentieren Befürworter.

FDP und Union für Weiterbetrieb

Bei einem Koalitionspartner dürften Scholz Worte verfangen: Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger von der FDP bekräftigte zuletzt die Forderungen aus ihrer Partei, Atomkraftwerke bis 2024 weiterlaufen zu lassen. "Ein um wenige Monate längerer Betrieb der Atomkraftwerke wird nicht ausreichen", sagte sie den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Vielmehr solle man "unideologisch über einen Weiterbetrieb bis ins Jahr 2024 reden". Sicherheitsbedenken dagegen wies die Ministerin zurück.

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CDU-Generalsekretär Mario Czaja forderte in der "Rheinischen Post" Scholz auf, in der Debatte für Klarheit zu sorgen. "Angesichts der sich von Tag zu Tag zuspitzenden Energiekrise wäre es fahrlässig und unverantwortlich, auf die klimafreundliche Kernkraft zu verzichten", sagte der CDU-Politiker. Die Bundesregierung will vor einer Entscheidung das Ergebnis eines laufenden, erneuten Stresstests zur Sicherheit der Energieversorgung abwarten.

Der Umweltdachverband Deutscher Naturschutzring (DNR) warnte jedoch, dass die Debatte über längere AKW-Laufzeiten die notwendige Umsetzung der Energiewende behindere. "Die Debatte um eine Laufzeitverlängerung lenkt von den Notwendigkeiten konsequenter Einsparungen ab und blockiert die Energiewende", erklärte DNR-Präsident Kai Niebert. Der DNR lehnte in einer gemeinsamen Erklärung mit dem Deutschen Bundesjugendring ein Abrücken vom Atomausstieg erneut ab.

Quelle: ntv.de, kst/rts/AFP

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