Politik

"Brigitte"-Talk mit SPD-Chef Schulz, die Liebe und Rinderrouladen

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Es sind noch Plätze frei: Plauderstunde mit Kanzlerkandidat im Maxim-Gorki-Theater.

(Foto: picture alliance / Maurizio Gamb)

Rentenkonzept hin oder her - eigentlich wollen Wähler doch wissen, was ein Kanzlerkandidat privat so treibt. Im "Brigitte"-Gespräch auf einer Berliner Bühne soll Martin Schulz auch "seine andere Seite zeigen". Und er liefert.

Das Licht ist schummrig im Berliner Maxim-Gorki-Theater. Auf einem rosa Sessel auf der Bühne, eingerahmt von zwei großen Frauen, sitzt Martin Schulz. Der Kanzlerkandidat und SPD-Chef darf "als männliche Ausnahme", wie ihn die Verlagsleiterin der "Brigitte" anmoderiert, auch mal bei einer Veranstaltung der Frauenzeitschrift sprechen. Dabei aber soll er weniger über Politik reden, als vielmehr "seine andere Seite" zeigen. Es menscheln lassen.

Und Schulz liefert. Er redet von der Liebe zu seiner Frau Inge, erzählt, wie er sie im Mai 1985 kennenlernte, nach fünf Tagen mit ihr zusammenzog und sie noch im November heiratete. "Das ging ganz schnell." Aber für ihn sei vom ersten Tag klar gewesen, dass sie die Frau sei, mit der er sein ganzes Leben zusammenbleiben wolle. "Unsere Ehe war eine Liebesheirat", so Schulz in dem Theater. "Ich würde sagen, ich liebe meine Frau fast noch mehr als damals."

Wenn es ihm schlecht gehe, sei nur sie es, die ihn aufrichten könne. Und auch für die größten Genüsse in seinem Leben ist sie offenbar zuständig: den Garten und Rinderrouladen nach dem Rezept der Schwiegermutter. Wenn sie auch nicht das Rezept erfahren, so lernen die Zuschauer in dem Saal doch noch ein weiteres Detail aus dem Leben des Kanzlerkandidaten: Schulz liebt zuckersüßen Kaffee mit bitterer Schokolade.

Auch auf die frühere Alkoholsucht sprechen die "Brigitte"-Redakteurinnen Schulz an, ein Thema, das er freimütig immer wieder von selbst anschneidet. Er sei stolz darauf, dass er es aus eigener Kraft geschafft habe, sich vom Alkohol zu trennen, sagt er. Er müsse sich dessen nicht schämen, "das ist ein Teil meines Lebens". Aber eines Tages habe sich in seinem Kopf ein Schalter umgelegt, und von einem Moment auf den anderen habe sich das Problem aufgelöst. Nach der Sucht, so Schulz weiter, habe er eine Psychotherapie gemacht, die sein Leben nachhaltig verändert habe.

Merkel saß schon auf dem Podium

Schulz spricht nicht nur über seine Frau, auch um eine andere Frau kommt er an diesem Abend drei Monate vor der Bundestagwahl nicht herum: CDU-Chefin und Kanzlerin Angela Merkel. Diese hat ihm nicht nur die Kanzlerschaft voraus, sie saß auch schon einmal auf dem Podium des Theaters bei einem "Brigitte"-Gespräch. Im Mai 2013 erklärte sie dort das Geheimnis ihrer Raute, sprach über ihre kamelartige Fähigkeit, Schlaf zu speichern, und musste sichtlich perplex auf die Frage antworten, was sie an Männern attraktiv findet: "Die Augen?"

Vier Jahre später wird nun Schulz gefragt, was er von der Kanzlerin lernen könne: "Nerven behalten." Er kenne sie gut. "Frau Merkel ist eine in sich ruhende Person. Das unterscheidet sie von mir", sagt Schulz, der sich mehr als "Bekennertyp" bezeichnet. "Und auch wenn die Umfragen nach unten gehen – nicht nervös werden."

Aber vielleicht würde selbst Merkel nervös werden, wenn die Umfragen für die Union so aussähen wie derzeit für die SPD. Nach dem jüngsten Stern-RTL-Wahltrend liegt die SPD 15 Punkte hinter der Union und dümpelt bei 24 Prozent vor sich hin – kaum besser als zu Zeiten von SPD-Chef Sigmar Gabriel. Die Tage des kollektiven Rausches, als Schulz in der SPD wie ein Messias gepriesen und mit 100 Prozent zum Parteichef gewählt wurde, scheinen nach drei verlorenen Landtagswahlen mehr eine peinliche Erinnerung.

Doch so schwierig die Lage, Schulz sagt, was er sagen muss. Nach wie vor sei er davon überzeugt, dass er es schaffe. Wahlen seien wie Langstreckenläufe, die erst im Endspurt entschieden würden, und er sei ein Streetfighter. Am 24. September werde er in sein Tagebuch schreiben: "Es ist vollbracht."

Doch noch ist nichts vollbracht. Erstmal muss die SPD ihr Wahlprogramm beschließen und dann vor allem die Nerven bewahren. In einem Wahlkampf gegen Merkel, an der alles abzuprallen scheint und der das Glück wieder hold ist. In zwei Wochen ist sie übrigens auch im Maxim-Gorki-Theater zu sehen beim nächsten "Brigitte"-Gespräch. Die Karten sind schon ausverkauft. Auch das hat sie Schulz, bei dem es noch am Abend Tickets gab, voraus.

Quelle: ntv.de

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