"Krise nicht vorübergehend"Schwedens Geheimdienst erwartet Konfrontation auch nach Putins Abgang

Durch die vermehrt positiven Nachrichten für die Ukraine in ihrem Verteidigungskampf sinkt in Europa das Gefühl der Bedrohung durch Russland. Der schwedische Geheimdienst glaubt allerdings nicht an ein baldiges Ende der Spannungen - selbst wenn ein anderer Mann im Kreml herrschen sollte.
Der schwedische Geheimdienst geht davon aus, dass Russland auch nach einem Ende der Amtszeit von Präsident Wladimir Putin noch eine Bedrohung für seine Nachbarstaaten bleiben wird. "Wir betrachten diese Krise nicht als vorübergehend; Russland hat seinen Weg gewählt, und es gibt kein Zurück. Wir befinden uns in einer tiefgreifenden, strukturellen und langfristigen strategischen Konfrontation - das lässt sich nicht einfach wegwünschen", sagte Geheimdienstchef Thomas Nilsson dem Medium Bloomberg.
In Russland hatte es zuletzt vermehrt Unmut in der Bevölkerung wegen Engpässen bei der Benzinversorgung gegeben. Darüber hinaus steigen schon seit längerer Zeit die Preise für Lebensmittel und andere Waren. Auch bekommen immer mehr Einwohner mit, wie die Ukraine erfolgreich Raffinerien und Fabriken tief im Landesinneren angreift.
Es kamen vermehrt Spekulationen auf, dass all die Probleme Konsequenzen für Putin haben könnten. Der russische Präsident räumte zuletzt zwar wirtschaftliche Probleme ein, erzählt der Bevölkerung ansonsten aber vor allem von angeblichen Erfolgen auf dem Schlachtfeld. Nilsson sagte, es gebe derzeit keine Anzeichen dafür, dass das Regime kurzfristig ernsthaft in seiner Stabilität bedroht werde. "Wir erwarten keine dramatischen Veränderungen."
Russische Beamte würden Statistiken manipulieren, um die tatsächlichen Auswirkungen des vierjährigen umfassenden Krieges auf Wirtschaftswachstum und Inflation zu verschleiern, so Nilsson. Die politische Opposition sei faktisch ausgeschaltet worden, und es gebe niemanden, der in der Lage wäre, die Unzufriedenheit in der Bevölkerung durch eine tragfähige politische Alternative zu überführen. Umfragen würden zudem zeigen, dass Russlands Ambitionen als "Großmacht" von einem Teil der Bevölkerung unterstützt werden - wenn auch nicht unbedingt der Krieg selbst.
Mögliche Gefahr an finnischer Grenze
Schweden befindet sich als Ostseeanrainer in unmittelbarer Nähe Russlands. Die strategisch wichtige Insel Gotland ist schwedisches Territorium. Zudem grenzt Schweden an Finnland, in dessen Nähe wiederum verstärkt russische Aktivitäten festgestellt wurden.
Nilsson warnt, dass Russland plane, seine Streitkräfte bis in den Norden Finnlands hinein auszubauen - Moskau aber derzeit noch den Krieg in der Ukraine priorisiere. "Sobald Russland die erforderlichen Ressourcen und Fähigkeiten wiederhergestellt hat, wird es versuchen, diese Pläne umzusetzen."