Politik

"Geht nicht um die Leute" Seehofer: "Ich habe einen Plan B"

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"Was plant Horst Seehofer?" will Moderatorin Sandra Maischberger von ihrem Gast wissen.

(Foto: dpa)

Vor dem Ablauf des CSU-Ultimatums ist keine Entspannung im Asylstreit in Sicht. Sandra Maischberger will wissen, wie schlimm es wirklich ist: "Schicksalstage für die Regierung" klingt ein bisschen nach Sissi, das war's aber auch mit Alpenromantik.

Horst Seehofer hat eine Modelleisenbahn. Die hat gleich "acht verschiedene Stromschaltkreise" und trotzdem schickt der CSU-Politiker sie ohne größere Zusammenstöße durch seinen Hobbykeller. Sagt jedenfalls Horst Seehofer. Auf politischer Ebene gelingt dem Bundesinnenminister dieses Kunststück nicht: CDU und CSU sind im Asylstreit seit Wochen auf Kollisionskurs und Horst Seehofer wirkt nach außen hin nicht wie jemand, der den Zusammenstoß vermeiden will - ganz im Gegenteil. "Was plant Horst Seehofer?" will deshalb Talkshow-Moderatorin Sandra Maischberger von ihrem einzigen Sendungsgast an diesem späten Mittwochabend wissen.

Jedenfalls keinen Sturz der Regierung, versichert der 68-Jährige, der sich in Maischbergers Studio betont zurückhaltend gibt, fast schon brav. "Warten wir doch mal ab", rät Seehofer seiner Gastgeberin stattdessen gleich mehrfach auf deren Fragen, was passieren wird, sollte die Bundeskanzlerin am Freitag kein zufriedenstellendes Ergebnis für eine europaweite Lösung vom EU-Gipfel mit nach Hause bringen - wohlwissend, dass er Angela Merkel durch das CSU-Ultimatum erst in die missliche Lage brachte. Seehofer selbst sieht die Sache indes anders: "Die Bundeskanzlerin hat um 14 Tage gebeten, um die Sache zu klären, die haben wir ihr gegeben." Maischberger darauf: "Ich habe das Gefühl, Sie haben eine Hürde aufgebaut, die sie nicht überspringen kann." "Das Gefühl habe ich nicht."

Doch wofür setzt der Innenminister die Koalition überhaupt aufs Spiel? "Da geht es gar nicht um die Zahl der Leute", gibt Seehofer unumwunden zu. "Die Polizei vermutet, dass es pro Monat um die 100 Menschen sind, die zurückgewiesen werden müssten." Aber worum geht es dann? "Mir geht es um die Funktionsfähigkeit unseres Rechtsstaates. Wir müssen vermeiden, dass es einen Präzedenzfall gibt und morgen wieder ein Schiff vor Europas Küsten liegt." Und: "Wir müssen endlich dazu kommen, eine oder mehrere Schutzzonen zu bilden, in Nordafrika. Aufgegriffene Flüchtlinge müssen zurückgeführt werden in diese Schutzzonen und dort ihre ganz normalen Verfahren abwarten."

Wie eine zerrüttete Ehe

Maischberger versteht ihren Job und holt Seehofer mit jeder ihrer Fragen ein Stückchen weiter aus der Deckung. Faktensicher argumentiert die Moderatorin den Innenminister in die Ecke, in der sie ihn haben will. "Wir haben viel erreicht, aber zur Entwarnung gibt es noch keinen Anlass", sagt Seehofer im letzten Drittel der Sendung. Maischberger darauf: "Keiner widerspricht. Die Frage ist nur, warum so ein Streit so erbittert auf öffentlicher Bühne geführt werden muss." Die Moderatorin vermutet persönliche Befindlichkeiten hinter Seehofers Ringkampf mit Merkel. Und das wohl nicht ganz zu Unrecht.

"Können Sie mit Frau Merkel noch arbeiten?"

"Ja: gestern, vorgestern, die ganze Zeit."

"Es gibt ein paar Menschen, die gucken auf Sie beide und haben das Gefühl, es geht um eine zerrüttete Ehe. Sie arbeiten seit einem Vierteljahrhundert zusammen, manche fragen sich, ob da persönliche Dinge mit reinspielen."

"Ich verstehe, was Sie meinen, aber das ist schon ein bisschen eine Zuspitzung der Situation."

"Es gibt Menschen, die mögen sich mehr und manche, die mögen sich weniger. Trifft Ersteres auf Sie beide zu?"

"Wir hatten beide schon sehr herzliche Momente miteinander."

"Haben Sie auf die Situation gewartet, wo die Kanzlerin einfach mal ankommt und sagt: 'Horst, du hattest recht!'?

Langes Schweigen. "Die Situation hat's ja gegeben."

Körpersprache, Mimik und Seehofers Worte verraten: Ja, da ist tatsächlich jemand persönlich angeknackst. Zumal "die Richtlinienkompetenz ein emotional schwieriger Moment für mich war", wie der Innenminister zugibt. Seehofer fühlte sich von der Kanzlerin an die Leine gelegt, etwas, was dem stolzen Bayern so gar nicht in den Kram passen konnte. Nur, wohin soll der für Deutschlands und Europas Zukunft so entscheidende Zweikampf führen? Gibt es einen Plan B, wenn sich die beiden nicht einigen, will Maischberger wissen. "Ich habe Verständnis, wenn Sie ein mögliches Ende betrachten, das ich noch gar nicht sehe. Ich habe einen Plan B, selbstverständlich, aber ich bitte um Verständnis, das hier nicht zu diskutieren."

Maischberger lässt trotzdem nicht locker: Ob es eine Option sei, frühzeitig aus der Politik auszuscheiden, fragt sie und lässt offen, ob damit Merkel oder der Innenminister gemeint sein sollen. "Den Vorsatz kann man haben, aber er ist schwer zu realisieren. Im Moment kann ich es mir schwer vorstellen", antwortet Seehofer.

"Und Montag?"

Quelle: n-tv.de

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