Politik

Amazons Pakt mit der First LadySieben Gründe, warum "Melania" ein Skandal ist

30.01.2026, 07:20 Uhr
imageVon Hubertus Volmer
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Melania Trump durfte am Mittwoch bei der Eröffnung der Börse in New York die Glocke läuten - und Werbung für ihren Film machen. (Foto: picture alliance / Cover Images)

"Melania" ist keine Doku, sondern reine Selbstdarstellung der Frau des US-Präsidenten. Das Projekt dient Amazon-Gründer Jeff Bezos dazu, sich Donald Trump anzudienen. "Wie kann man das nicht mit Bestechung gleichsetzen?", fragt ein ehemaliger Amazon-Manager.

Der Trailer beginnt mit einer Überraschung, immerhin: Er zeigt Melania Trump unter ihrem Clint-Eastwood-Hut - jener breitkrempigen Kopfbedeckung, die ihren Mann daran hinderte, seiner Frau bei seiner Inauguration einen Kuss auf die Wange zu drücken. Das ist keine Überraschung, den Hut kennt man. Erstaunlich an der Szene: Melania, ansonsten meist mit ausdruckslosem Gesicht unterwegs, lächelt.

"Here we go again", sagt sie dazu, es geht schon wieder los. Es wirkt, als habe die 55-Jährige den Satz eigens für den Trailer in die Kamera gesprochen. Kaum vorstellbar? Doch: Angeblich war sie selbst "an der Entwicklung aller Marketingelemente beteiligt". Das jedenfalls sagte Marc Beckman dem Nachrichtensender Fox News.

Beckmann ist Melania Trumps Agent und "exklusiver Seniorberater der First Lady", außerdem laut Fox News ihre "rechte Hand". Selbst den Trailer soll Melania Trump persönlich "zusammen mit dem Regisseur und dem Amazon-Team" erstellt haben. Damit sind wir schon mitten in den vielen Fragen, die diese angebliche Dokumentation aufwirft. Und bei den sieben Gründen, warum der Film vermutlich nicht sehenswert ist.

Erstens: Das ist keine Doku, sondern PR

"Das Engagement der First Lady und ihre Mitwirkung an diesem Film sind beispiellos", sagte Beckman Fox News. "Sie war von der ersten Ideenfindung bis zur kreativen Leitung an allen Berührungspunkten voll und ganz dabei." Was Amazon am Freitag in die Kinos bringt- auch in deutsche Lichtspielhäuser -, ist also kein "Film" oder gar eine "Dokumentation", sondern lupenreine Selbstvermarktung.

Das verstecken die Macher des Films auch gar nicht: Melania Trump wird offiziell als Produzentin des Films geführt. Ein weiterer Produzent ist Beckman, die rechte Hand.

Zweitens: 40 Millionen Dollar - im Ernst?

Wenn der Film 104 Minuten lange PR ist, dann liegt die Frage nahe: Was soll das? Warum produziert Amazon so etwas? Riecht das nicht massiv nach einem Versuch, die Gunst des Präsidenten zu gewinnen?

Die Höhe der Produktionskosten ist unbekannt. Amazon soll rund 40 Millionen Dollar gezahlt haben für die Rechte an dem, nun ja, Film. Laut "New York Times" ist diese Summe "um mehrere zehn Millionen Dollar höher als das, was solche Projekte üblicherweise einbringen". Weitere 35 Millionen Dollar gibt Amazon für die Vermarktung aus. Von den 40 Millionen streicht Melania Trump übrigens den Löwenanteil ein, 70 Prozent. 28 Millionen Dollar.

Beckman hatte den Film auch anderen Studios vorgestellt. Die 40 Millionen Dollar, die Amazon bot, waren laut "Wall Street Journal" und "Financial Times" fast das Dreifache des folgenden Gebots.

Es ist die höchste Summe, die Amazon je für einen Dokumentarfilm ausgegeben hat. "Dies muss die teuerste Dokumentation sein, die je gemacht wurde, ohne Musiklizenzen zu enthalten", sagte der ehemalige Amazon-Manager Ted Hope der "New York Times". "Wie kann man das nicht mit Schmeichelei oder gar Bestechung gleichsetzen?"

Drittens: Warum macht Amazon das?

Nach eigener Darstellung geht es Amazon darum, das Interesse des Publikums zu befriedigen: "Wir haben die Lizenz für den Film aus einem einzigen Grund erworben - weil wir glauben, dass die Kunden ihn lieben werden", lautet das immer gleiche Zitat, mit dem das Unternehmen auf entsprechende Nachfragen antwortet. Später soll es auch noch eine dreiteilige Miniserie geben.

Der Plan zu alldem kommt von Melania Trump. Laut "Wall Street Journal" stellte sie das Projekt im Dezember Amazon-Gründer Jeff Bezos bei einem Essen in Trumps Golfressort Mar-a-Lago vor, an dem auch ihr Gatte Donald Trump teilnahm. In Trumps erster Amtszeit hatte der Amazon-Chef eine schwierige Beziehung zum Präsidenten - mutmaßlich wollte Bezos das für die zweite Amtszeit vermeiden.

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Bei Trumps Inauguration stand Bezos mit seiner damaligen Verlobten und heutigen Frau Lauren Sánchez neben anderen Milliardären (links Facebook-CEO Mark Zuckerberg). (Foto: IMAGO/UPI Photo)

Bezos fürchtet offenbar geschäftliche Einbußen, sollte er sich nicht gut mit Trump stellen. Die "Financial Times" erinnert daran, dass Trump 2019 einen 10-Milliarden-Dollar-Vertrag des US-Verteidigungsministeriums mit Amazon verhinderte, weil die "Washington Post", deren Eigentümer Bezos ist, ihm zu kritisch war. Zudem ist Bezos Raumfahrtunternehmen Blue Origin, Konkurrent von Elon Musks SpaceX, auf Aufträge der US-Regierung angewiesen.

Die Regisseurin Julie Cohen, die früher Dokumentationen für Amazon gemacht hat, sagte der "New York Times", sie wundere sich über die Summe, die für den Film bezahlt wurde. "Das ist kein üblicher Preis für einen Dokumentarfilm, daher denke ich, dass Amazon mit seinem Geld etwas anderes kauft. Das ist ein großes Problem."

Der Melania-Film ist nur der größte Posten in einer ganzen Reihe von Liebesdiensten, die Bezos Trump erbringt. Während des Präsidentschaftswahlkampfs stoppte er einen fertigen Kommentar in der "Washington Post", in dem die Zeitung sich für Trumps Gegenkandidatin Kamala Harris aussprechen wollte. Die Empfehlung kurz vor der Wahl hat Tradition in US-Zeitungen, auch in der "Post". Für Trumps Inauguration spendete Bezos dann eine Million Dollar. Ferner zählt Amazon zu den Finanziers von Trumps gigantomanischem Ballsaal für das Weiße Haus.

Viertens: Der Regisseur

Regisseur Brett Ratner soll von Melania Trump persönlich ausgewählt worden sein. Es ist sein erster Film seit Längerem: 2017 beschuldigte ihn eine Frau, sie vergewaltigt zu haben, andere Frauen warfen ihm sexuelle Belästigung und sexuelle Übergriffe vor. Zu einer Anklage oder einem Urteil kam es nicht.

Dennoch kündigte die Produktionsfirma Warner Bros. ihren Vertrag mit Ratner. Als Regisseur hat Ratner seither keinen Film mehr in die Kinos gebracht. Es scheint sein Comeback zu sein: Für Paramount dreht Ratner demnächst angeblich den vierten Teil der Komödie "Rush Hour".

Dem Magazin "Rolling Stone" zufolge empfanden einige Mitarbeiter die Dreharbeiten mit Ratner als unschön. "Mir ist der propagandistische Aspekt dieser Sache etwas unangenehm", sagte ein Mitglied des Produktionsteams der Zeitschrift. "Aber Brett Ratner war das Schlimmste an diesem Projekt." Eine andere Person sagte: "Es wurde mehr darüber geredet, wie schleimig Brett war, als über Melania." Nach Angaben der "New York Times" hatten Amazon-Mitarbeiter keine Möglichkeit, eine Beteiligung an dem Projekt aus politischen Gründen abzulehnen.

Fünftens: 20 Tage - wirklich, nur 20 Tage

Der vollständige Titel des Films lautet "Melania: Twenty Days to History", und offenbar geht es tatsächlich allein um die 20 Tage vor Trumps zweiter Amtseinführung im Januar 2025. Gefilmt wurde vor allem in Mar‑a‑Lago und im Umfeld des Weißen Hauses, wie es heißt.

Der Unterhaltungswert des Films soll sich in engen Grenzen halten: "Manche Leute sind langweilig", sagte ein Crewmitglied dem "Rolling Stone". Sollte der Film ein ökonomischer Misserfolg werden, so ein weiteres Zitat aus dem Produktionsteam, "dann fände ich das klasse".

Laut "Rolling Stone" schätzt eine mit der Produktion vertraute Person, dass etwa zwei Drittel der Crewmitglieder darum gebeten haben, nicht namentlich im Abspann genannt zu werden.

Sechstens: Es ist nicht nur PR, sondern politische Propaganda

Die Erstaufführung des Films fand im Weißen Haus am 24. Januar statt - am Abend des Tages, an dem ICE-Mitarbeiter in Minneapolis den 37 Jahre alten Krankenpfleger Alex Pretti töteten. Rund 70 Gäste wohnten der Vorführung bei, darunter der ehemalige Profiboxer Mike Tyson, die jordanische Königin Rania, Apple-Chef Tim Cook und weitere CEOs, etwa Lynn Martin, die Chefin der New Yorker Börse, sowie natürlich Präsident Donald Trump und der gemeinsame Sohn Barron Trump. Laut Fox News kam außerdem ein namentlich nicht genannter Prinz samt Prinzessin aus Saudi-Arabien.

Vor dem weltweiten Kinostart am heutigen Freitag gab es am Donnerstag dann noch eine öffentliche Premiere im Kennedy Center in Washington - jenem Kulturzentrum, das Trump im Dezember in "The Donald J. Trump and The John F. Kennedy Memorial Center for the Performing Arts" umbenennen ließ. Auch dort saßen nur geladene Gäste, auch dort war der Präsident zugegen.

Am Mittwoch durfte Melania Trump bei der Eröffnung der New Yorker Börse die Glocke bimmeln, was das Weiße Haus prompt über seinen offiziellen X-Account verbreitete. Auch Donald Trump rührt die Werbetrommel: "MELANIA, der Film, ist ein absolutes MUSS", schreibt er auf seinen Social-Media-Kanälen. "Holt euch jetzt eure Tickets - sie sind bald ausverkauft!" All das legt nahe: Trump und das Weiße Haus nutzen den Film massiv für ihre Zwecke, für politische Propaganda.

Siebtens: Bald ausverkauft? Wohl kaum

Es könnte sein, dass Trump mit seiner Ankündigung der ausverkauften Eintrittskarten etwas übertrieben hat: Für die USA sprechen Branchenberichte von schleppendem Vorverkauf selbst in solchen Regionen, in denen viele Trump‑Anhänger zuhause sind, international wird ebenfalls mit äußerst schwachem Verkauf gerechnet. Auch in Deutschland sind Aufführungen geplant. Man darf gespannt sein, ob die Kinosäle voll sind.

Quelle: ntv.de

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