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Whistleblower über Exil-Leben Snowden: Russische Regierung ist korrupt

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Whistleblower Edward Snowden würde lieber in einem europäischen Staat leben statt in Russland.

(Foto: picture alliance / Justin Lane/E)

In einem Interview spricht Edward Snowden über sein Leben in Russland. Dabei kommt das Land, das ihn aufgenommen hat, nicht gut weg. Auch Deutschland ist Thema des Gesprächs. Snowden kritisiert die Bundeskanzlerin ebenfalls scharf.

Der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Snowden hält sich seit fünf Jahren in Russland auf, die amerikanische Justiz will ihm wegen Spionage und Diebstahl von Regierungseigentum den Prozess machen. In einem vierstündigen Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" berichtet Snowden von seinem Leben im Exil.

Der 35-jährige weltberühmte Whistleblower, der öffentlich gemacht hat, in welchem Ausmaß US-Geheimdienste weltweit Telefon- und E-Mail-Daten abgreifen, hat demnach keinen gültigen Pass mehr. Er wohnt zusammen mit seiner Freundin Lindsay in einer Mietwohnung. Er nutze die Moskauer U-Bahn, wenn er erkannt werde, lasse er sich für Selfies fotografieren, sagte er. Doch eigentlich würde er lieber in Europa leben, verriet er den SZ-Journalisten. Mit seinem Leben in Russland habe er sich lediglich arrangiert, mit dem System Putins aber nicht. "Die russische Regierung ist in vielerlei Hinsicht korrupt. Das wissen die Russen. Die Regierung ist das Problem, nicht das russische Volk."

Gleich nach seiner Ankunft am Moskauer Flughafen sei er vom russischen Geheimdienst angesprochen worden: "Ich habe mich sehr entschieden geweigert zu kooperieren", so Snowden. Er habe keine Kontakte zur russischen Regierung, und das sei Absicht. "Ich will keine Verbindungen zu denen. Ich will keine Verstrickung. Ich hatte nie vor, hier zu sein."

Warum äußert Snowden zur WM Kritik an Russland?

Auf die Frage, ob Russland nicht gerade während der gerade laufenden Fußballweltmeisterschaft besonders empfindlich auf die von ihm geäußerte Kritik reagieren könne, sagte Snowden: "Ich denke, das ist definitiv der Fall. Gleichzeitig ist das der Grund, warum ich es tue." Das sei genau die Zeit, in der Leute Kritikern zuhörten.

In dem Gespräch zeigte sich Snowden zudem enttäuscht von der Haltung Deutschlands und von Kanzlerin Angela Merkel, ihm kein Asyl zu gewähren. Wenn ein russischer Whistleblower "bei Frau Merkel anklopfen würde", würde die Kanzlerin ihn adoptieren. Snowden fügte hinzu: "Was sagt es über unsere Welt, wenn der einzige Ort, an dem ein amerikanischer Whisteblower sicher sein kann, ausgerechnet Russland ist?"

Snowden, der einst auch für die CIA arbeitete, kritisiert auch die neue CIA-Direktorin Gina Haspel. Diese sei tief in die US-Folterpraktiken nach dem 11. September 2001 verstrickt: "Die aktuelle CIA-Direktorin ist eine Kriegsverbrecherin." Er frage sich, wie sich Deutschland verhalten werde, wenn sie demnächst nach Europa reise. "Die Frage ist dann: Wird die deutsche Regierung mit einer Folterverantwortlichen kollaborieren und sie unbehelligt reisen lassen?"

Snowdens deutscher Anwalt Wolfgang Kaleck appellierte gegenüber der SZ an europäische Staaten, ihre Entscheidung, Snowden kein Asyl zu gewähren, zu überdenken: "Wir sind nach wie vor offen für Gespräche und Angebote der Bundesregierung wie anderer europäischer Regierungen."

Quelle: n-tv.de, kpi

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