Politik

Gefährliche Wege übers Mittelmeer So kommen die Flüchtlinge nach Europa

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Die großen Fluchtrouten über das Mittelmeer. (Quelle: Frontex)

(Foto: Source: Frontex operational data)

Sie wollen nur noch weg: Tausende Menschen versuchen in ihrer Not den "alten Kontinent" zu erreichen. Vor allem übers Mittelmeer. Woher kommen diese Menschen und welchen Weg nehmen sie?

Das Mittelmeer gilt als eine der meistbefahrenen Routen der Welt, kaum ein Meer wird so lückenlos überwacht. Drohnen und Helikopter überfliegen die Region, Kriegsschiffe patrouillieren vor den Küsten, Fracht- und Passagierschiffe queren die See. Und trotzdem verschwinden Boote, ohne dass es bemerkt wird. Trotzdem sterben Tausende Menschen, ohne dass sie gerettet werden können.

Insgesamt 278.000 Menschen versuchten im vergangenen Jahr nach Europa zu gelangen, 3500 Menschen sind dabei ums Leben gekommen. Allein in den letzten zehn Tagen haben über 1000 Menschen, eingepfercht in kaum seetüchtige Boote, zwischen Libyen und Italien den Tod im Mittelmeer gefunden.

Doch trotz dieser Tragödien werden auch weiterhin Tausende Menschen den gefährlichen Weg übers Mittelmeer wagen, in der Hoffnung, in Europa ein besseres Leben zu beginnen. Die Behörden schauen ohnmächtig zu, wie Menschenschlepper immer mehr Flüchtlinge in ihr Unglück aufs Meer hinausschicken. Die EU-Grenzschützer von Frontex fassen die Flüchtlingsströme in diese Hauptrouten zusammen.

Die Flucht-Routen der Verzweifelten

Die meisten Menschen versuchen auf dem Seeweg nach Italien und Malta zu kommen. Frontex unterscheidet zwischen der zentralen Mittelmeerroute und der südöstlichen Mittelmeerroute. Die zentrale Mittelmeerroute nehmen vor allem Menschen vom Horn von Afrika und aus Westafrika. Sie stechen häufig von Libyen aus mit kaum seetüchtigen Booten in See. 2014 überquerten über 170.000 Boat-People auf dieser Route die Grenze nach Italien. Die meisten von Ihnen stammen aus Syrien, Eritrea und subsaharischen Ländern.

Männer, Frauen und Kinder

Der größte Teil der Flüchtlinge, die über das Mittelmeer kommen, sind Männer. 2014 waren es in Italien 125.790. 

Außerdem 18.200 Frauen sowie mehr als 26.000 Kinder.

Die Hälfte der Kinder flüchtete alleine.

Tausende Menschen schiffen sich von Ägypten und Griechenland aus nach Süditalien ein, um über die südöstliche Mittelmeerroute nach Europa zu gelangen. Viele von ihnen sind zuvor aus der Türkei nach Griechenland geflüchtet. Auf dieser Route werden von Griechenland aus Flüchtlinge vor allem auf umgebauten Yachten geschmuggelt. Die Flüchtlinge sind unter Deck, nur der Schmuggler ist an Bord zu erkennen, oft in Begleitung einer Frau - um so möglichst unverdächtig zu erscheinen. Andere Schlepperbanden bringen die Flüchtlinge von der Türkei oder Ägypten aus zu Hunderten auf großen Schleppern unter. Sobald die Küste in Sicht ist, werden sie in kleinere Fischerboote umgeladen.

2014 flüchteten ca. 50.000 Menschen über die östliche Mittelmeerroute nach Europa. 2013 waren es nur halb so viel. Die meisten von Ihnen kamen aus Syrien, Afghanistan und Somalia. Sie schiffen sich von der Türkei aus ein und versuchen, nach Griechenland, Bulgarien oder Zypern zu gelangen. Die Schlepper, die die Flucht organisieren, sitzen in Istanbul, Izmir, Edirne und Ankara.

Viele versuchen später, über die westliche Balkanroute nach Ungarn, Slowenien oder Rumänien zu gelangen. Knapp 45.000 Flüchtlinge kamen 2014 aus den westlichen Balkanländern in den Schengenraum. Die meisten von ihnen stammten aus dem Kosovo, gefolgt von Afghanen und Syrern. Dieses Jahr zählt Frontex hier bereits 17.000 Flüchtlinge.

Deutlich wichtiger ist die westliche Mittelmeer-Route. 2014 kamen knapp 8000 Flüchtlinge über das westliche Mittelmeer nach Spanien. Besondere Bedeutung kommt hier den zwei spanischen Städten Ceuta und Melilla zu, die versuchen, Flüchtlinge mit hohen Zäunen abzuhalten. Die meisten von ihnen stammten aus Kamerun, Algerien und Mali.

Einige Hundert Flüchtlinge machen sich außerdem jedes Jahr auf, um über die Westafrika-Route in Richtung Kanaren zu gelangen. Knapp 300 Menschen flüchteten im vergangenen Jahr von Westafrika aus auf die spanischen Inseln. Die meisten von ihnen stammten aus Marokko, Guinea und dem Senegal. Hunderte Flüchtlinge versuchen zudem jedes Jahr, über die Ostgrenzen-Route in den Schengenraum zu gelangen. Es handelt sich um die 6000 Kilometer Grenzen zwischen Weißrussland, Moldau, Ukraine und Russland einerseits und den östlichen EU-Mitgliedstaaten andererseits. Im letzten Jahr kamen so 1270 Flüchtlinge nach Europa. Die meisten von ihnen stammten aus Vietnam, Afghanistan und Georgien.

Früher wurde die Grenze zwischen Albanien und Griechenland häufiger überquert. Inzwischen bewegen sich dort jedes Jahr zwar immer noch Tausende Albaner. Allerdings handelt es sich dabei offenbar vor allem um illegale Arbeiter, die versuchen, in Griechenland vorübergehend Jobs zu bekommen. Frontex spricht deshalb von der zirkulären Route zwischen Albanien und Griechenland. Etwas mehr als 8000 Flüchtlinge übertraten 2014 von Albanien aus die griechische Grenze. Die meisten von ihnen sind Albaner, gefolgt von Mazedoniern und Georgiern.

Quelle: n-tv.de

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