Exklusive ZahlenSo läuft der Aufbau der Bundeswehr-Brigade in Litauen
Von Tom Kollmar
Ein Projekt von historischer Tragweite läuft laut Bundesverteidigungsministerium im Plan: Die Gewinnung von insgesamt 5000 Soldaten für eine dauerhaft in Litauen stationierte Brigade komme voran. Ein AfD-Abgeordneter, der die Zahlen angefragt hat, sieht Anzeichen für Schwierigkeiten.
Beim personellen Aufbau der deutschen Panzerbrigade 45 in Litauen liegt das Bundesverteidigungsministerium nach eigenen Angaben im Plan. In der aktuellen Aufwuchsphase seien mehr als 90 Prozent der vorgesehenen Dienstposten besetzt, heißt auf eine schriftliche Frage des AfD-Bundestagsabgeordneten Jan Nolte, die RTL und ntv exklusiv vorliegt. Für die erste Jahreshälfte 2026 ist demnach ein weiterer Aufwuchs der Brigade um rund 150 Soldatinnen und Soldaten geplant.
Bis Ende dieses Jahres soll der deutsche Großverband auf rund 2.000 Angehörige anwachsen. Bis Ende 2027 soll die Panzerbrigade 45 dann auf insgesamt 5.000 Angehörige wachsen. Die dauerhafte Stationierung der deutschen Panzerbrigade ist ein so nie dagewesenes Unterfangen der Bundeswehr. Das Vorhaben ist eine Säule in der Nato-Strategie zur Abwehr einer russischen Aggression gegen die osteuropäischen Mitgliedstaaten und zugleich ein Kernprojekt unter der Verantwortung von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius.
Nolte zweifelt Fortschritte an
Ein entscheidender Punkt für den dauerhaften Aufbau der Truppe an der Nato-Ostflanke bleibt allerdings die Frage, ob sich genug Soldatinnen und Soldaten freiwillig für den Dienst melden. Die Bundeswehr will den Personalbedarf der Brigade in Litauen mit Freiwilligen decken. Eine konkrete Zahl dazu, wie viele Soldaten sich bislang gemeldet haben, nennt das Verteidigungsministerium in seiner Antwort trotz Nachfrage jedoch nicht. Stattdessen heißt es, die eingehenden Freiwilligenmeldungen würden derzeit gesammelt und ausgewertet. Die Dienstposten für die Hauptkräfte sollen erst zum 1. Oktober 2026 zur Besetzung geöffnet werden.
Die Ungewissheit über die Anzahl der Freiwilligenmeldungen bemängelt die Opposition. "Dass es weniger Freiwillige gibt als erwartet, ist ja in der Vergangenheit häufiger Thema gewesen. Und die umständliche Formulierung der Antwort des BMVg legt nahe, dass diese Probleme nicht gelöst sind", so Verteidigungspolitiker Nolte. Er verweist darauf, dass noch 3000 Dienstposten zu besetzen seien. Auch hier will das Verteidigungsministerium nach eigenen Angaben vor allem auf Freiwillige setzen. Nolte: "Das sieht mir nach einer rhetorischen Verschleierungstaktik aus. Liefe die Besetzung der Stellen nach Plan, hätte es hier eine klarere Antwort gegeben."
Wer will dauerhaft nach Litaune ziehen?
Die neue Ministeriumsantwort zeichnet zwar das Bild eines weit fortgeschrittenen Aufwuchses, zugleich hatten Berichte in den vergangenen Monaten über erhebliche Probleme bei der Gewinnung von Freiwilligen berichtet. Nach Medienberichten lagen die Meldungen für zentrale Kampfverbände zwischenzeitlich nur bei 28 bis 47 Prozent, bei Teilen der Unterstützungskräfte sogar noch deutlich darunter. Die nun genannten mehr als 90 Prozent besetzter Dienstposten beziehen sich damit offenkundig auf die bereits laufende Aufbauphase und nicht auf die personell besonders heikle Besetzung der Hauptkräfte, die erst im Herbst ansteht.
Das Verteidigungsministerium versucht seit Monaten, den Dienst in Litauen attraktiver zu gestalten. Dazu gehören finanzielle Zulagen, aber auch bessere Rahmenbedingungen für Soldatinnen und Soldaten sowie ihre Familien. Hauptstandort der Brigade soll Rudninkai nahe der Grenze zu Belarus werden. Leben sollen viele der Angehörigen mit ihren Familien in Vilnius und Kaunas, wo deutsche Schulen und Kindergärten vorgesehen sind.
Deutschland reagiert mit der Brigade auf die wachsende Bedrohung an der Nato-Ostflanke durch Russland. Die Panzerbrigade 45 wurde im April 2025 formal in Dienst gestellt und soll bis Ende 2027 mit 4.800 Soldaten und 200 zivilen Mitarbeitern voll einsatzfähig sein.