Politik

Sogar für Trump zu teuer?So viel ist Grönland wirklich wert

09.01.2026, 17:44 Uhr verstlVon Lea Verstl
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Grönland ist in vielerlei Hinsicht eine wertvolle Insel, besonders aufgrund ihrer geostrategischen Lage und ihrer reichhaltigen Bodenschätze. (Foto: AP)

US-Präsident Trump will Grönland kaufen - aber offenbar nicht um jeden Preis. US-Regierungsvertreter bringen die Idee ins Spiel, die Zustimmung der Grönländer für je bis zu 100.000 Dollar Handgeld zu kaufen. Doch der wahre Wert der arktischen Insel ist viel höher.

Es ist ganz offensichtlich kein Witz. Die Europäer sollten den Vorschlag des US-Präsidenten Donald Trump ernst nehmen, Grönland zu kaufen, sagt dessen Vize JD Vance. Hinter den Kulissen arbeiten Vertreter der US-Regierung laut Medienberichten immer intensiver daran, mit dänischen Vertretern einen entsprechenden Deal auszuloten. Am Sonntag hatte Trump den US-Anspruch auf Grönland noch einmal bekräftigt und ein Ultimatum gesetzt: "Lassen Sie uns in 20 Tagen über Grönland sprechen." Aber wie viel ist Grönland überhaupt wert?

Einen geschätzten Kaufpreis berechnet eine Studie für das American Action Network, einer Lobby-Organisation mit Sitz in Washington, die den Republikanern nahesteht. Die Studie entstand Anfang vergangenen Jahres, kurz nachdem Trump das erste Mal erklärte, er wolle Grönland unter US-Kontrolle bringen. Trotz der politischen Nähe der Organisation zu Trumps Partei betonen die Autoren Jacob Jensen und Fred Ashton, sie wollten durch die Studie lediglich eine Diskussionsgrundlage schaffen. Es liege ihnen fern, der US-Regierung zu empfehlen, die arktische Insel tatsächlich zu kaufen.

Grönland ist wirklich eine wertvolle Insel, besonders aufgrund ihrer Lage und ihrer Bodenschätze. Die Studienautoren ermitteln einen möglichen Kaufpreis der Insel auf zwei Arten: Zum einen schätzen sie den Wert der bekannten Bodenschätze und der potenziell abbaubaren Rohstoffe auf 4,4 Billionen US-Dollar. Sie betonen jedoch, nur ein kleiner Teil davon sei derzeit rentabel abbaubar - und kommen deshalb schließlich auf eine Summe von 186 Milliarden US-Dollar für alles, was ausgebeutet werden kann. "Alternativ könnte man den Preis anhand der Lage Grönlands im Nordatlantik schätzen - eine Schätzung basierend auf dem Abbauort", schreiben Jensen und Ashton. Wendet man diesen Ansatz des Abbauorts unter Berücksichtigung der strategischen geografischen Lage an, steigt der Preis laut der Studie auf 2,76 Billionen US-Dollar.

Mehrheit der Grönländer für Unabhängigkeit

Die Schätzungen der Untersuchung seien "realistisch", sagt Arktis-Experte Michael Paul von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) ntv.de. "Doch unter dem Prinzip der Selbstbestimmung – einem Grundprinzip des Völkerrechts, das seit dem Zweiten Weltkrieg von den Vereinigten Staaten gefördert wird – ist ein buchstäblicher 'Kauf' Grönlands nicht möglich", fügt Paul hinzu.

Genauso sieht das Mikkel Runge Olesen, der am Dänischen Institut für Internationale Studien in Kopenhagen forscht. Ein Verkauf Grönlands durch Dänemark sei "unmöglich", sagte Olesen der "New York Times". Zudem verweist er darauf, dass die USA bereits seit Jahrzehnten über umfassende militärische Befugnisse in Grönland verfügten. "Die USA haben in Grönland so freie Hand, dass sie praktisch alles machen können, was sie wollen", sagte Olesen der Zeitung. "Ich kann mir kaum vorstellen, dass die USA nicht nahezu alles bekommen könnten, was sie wollen, wenn sie nur höflich fragen würden."

Dänischen Regierungsvertretern zufolge liegt die Entscheidung über die Zukunft der Insel bei den 57.000 Einwohnern. Denn die Grönländer haben das Recht, ein Referendum über die Unabhängigkeit abzuhalten. Umfragen zufolge ist eine überwältigende Mehrheit der Grönländer dafür. Sie sind demnach zwar offen für eine Trennung von Dänemark, einen Anschluss an ‌die USA lehnen ⁠jedoch 85 Prozent der Bevölkerung ab.

Grönlands Premier: "Schluss mit Annexionsfantasien"

Trump will die Grönländer nun offenbar umstimmen, indem er finanzielle Anreize schafft. US-Regierungsvertreter haben laut Insiderangaben die Möglichkeit von Einmalzahlungen an die Einwohner Grönlands erörtert. Damit solle die Bevölkerung des dänischen Überseegebiets von einer Abspaltung und einem möglichen Anschluss an die USA überzeugt werden, berichtet Reuters. Demnach wurden Summen zwischen 10.000 und 100.000 Dollar pro Person diskutiert. Das Weiße Haus bestätigte, dass Trump und seine Sicherheitsberater prüften, "wie ein potenzieller Kauf aussehen würde". US-Außenminister Marco Rubio werde sich kommende Woche mit seinem dänischen Amtskollegen in Washington treffen, um über Grönland zu sprechen.

Dänemark und Grönland wiesen die Avancen der Amerikaner zurück. Die Insel mit ihren 57.000 Einwohnern stehe nicht zum Verkauf. "Genug ist genug. Schluss mit den Annexionsfantasien", schrieb der grönländische Ministerpräsident Jens-Frederik Nielsen bereits am Sonntag. Auch führende europäische Staaten wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien erklärten in einer gemeinsamen Stellungnahme, dass Entscheidungen über die Beziehungen zwischen Grönland und Dänemark allein diesen beiden vorbehalten seien.

Trump lässt sich von der internationalen Kritik bislang nicht beeindrucken. Er könnte am Versuch festhalten, die Grönländer zu kaufen, damit sie in Referenden in seinem Sinne abstimmen. Verbieten kann ihm das wohl niemand. Bei den Summen, die der US-Präsident jetzt für das Handgeld nennt, klingt es aber so, als wollte er die Grönländer übers Ohr hauen. Falls er jedem der 56.000 Einwohner 100.000 Dollar überweist, kommt er insgesamt auf läppische sechs Milliarden Dollar - für eine Insel, die knapp drei Billionen Dollar wert ist.

Quelle: ntv.de

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