Politik

"Ganz große Übereinstimmung" Söder erlebt einen "großen Tag" mit Merkel

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Eine Richtung? Zumindest in der Corona-Politik sind Merkel und Söder einer Meinung.

(Foto: dpa)

Eine Kutschfahrt mit der Kanzlerin, beeindruckende Umfragewerte und auch das Wetter spielt mit: Auf Schloss Herrenchiemsee macht Bayerns Ministerpräsident Söder den Besuch von Kanzlerin Merkel zum Spektakel - und erlebt einen Tag nach Wunsch.

Über dem Chiemsee strahlt die Sonne, es sind neugierige Touristen zum Bootssteg gekommen, und protestierende Bauern. Gastgeber Markus Söder ist früh da und freut sich auf einen "großen Tag" mit der Kanzlerin, wie er sagt. Zum ersten Mal überhaupt besucht ein amtierender Bundeskanzler das bayerische Kabinett. Also wird aufgefahren, was Bayern nur hergibt: Mit dem Boot geht's hinüber nach Herrenchiemsee, beide tragen artig ihre Corona-Masken. Dann rollen Angela Merkel und Söder in einer Kutsche über die Insel, vorbei an sprudelnden Schlossfontänen.

Man hätte Merkels Besuch beim bayerischen Kabinett auch weniger aufwendig in München über die Bühne gehen lassen können, wo das Kabinett normalerweise tagt. Aber Söder geht es ja um mehr, um die Macht der Bilder. Jeder soll sehen, dass Merkel ihn hier besucht, solche Visiten macht sie nämlich nur selten. Das Insel-Spektakel wird insbesondere seinem Konkurrenten beim Kampf um die Unions-Kanzlerkandidatur schmerzen, den nordrhein-westfälischen Amtskollegen Armin Laschet. Den Kampf der Bilder hat der Bayer heute gewonnen.

Söder empfängt die Kanzlerin wie eine Königin und inszeniert sich so auch selbst: Als der derzeit diensthabende Kronprinz. So abwegig vielen Deutschen immer noch die Vorstellung erscheint, ein CSU-Mann könne der nächste Kanzlerkandidat der Union sein - die Zahlen der aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL und ntv sprechen klar für Söder: Mehr als jeder Zweite (52 Prozent) kann sich Söder als Kanzlerkandidat vorstellen. Nur 39 Prozent der Befragten würden dies nicht begrüßen. Besonders hoch sind seine Sympathiewerte im Osten mit 57 Prozent. Überdurchschnittlich häufig sehen auch die über 60-Jährigen sowie die Anhänger der beiden Unionsparteien seine Kanzlerkandidatur positiv.

"Mehr können Sie dazu von mir nicht hören"

Nach der zweistündigen Kabinettssitzung - es geht um Corona und um die deutsche EU-Ratspräsidentschaft - quillt der Gastgeber geradezu über vor Genugtuung: Der Besuch der Kanzlerin sei eine "große Ehre und Freude", sagt er, die Diskussion sei "echt spannend" gewesen, es gebe "ganz große Übereinstimmung". So auch bei der Corona-Bekämpfung: Das Konzept regionaler Ausreiseverbote, falls Corona in einzelnen Gebieten außer Kontrolle geraten sollte, finden beide sinnvoll.

Will auch Merkel Söder mit ihrem Besuch zum Nachfolge-Kandidaten aufbauen? Bei der Pressekonferenz nach dem Treffen umschifft die Kanzlerin diese heikle Frage sorgfältig. Bayern habe einen guten Ministerpräsidenten, und der habe sie heute eingeladen, sagt sie. Aber ihre Nachfolge werde sie "in keiner Weise kommentieren, mehr können Sie dazu von mir nicht hören".

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Söder braucht das auch gar nicht. Ihm reicht vollauf, dass sich die dem Prunk sonst eher abgeneigte Kanzlerin auf sein Schloss-Spektakel eingelassen hat. Am Bootssteg hält einer ein Schild hoch, auf dem "Markus Söder Kanzlerkandidat Ja" steht. Der Mann möchte gerne ein Autogramm auf sein Schild. Der alte Markus Söder hätte da wohl kaum nein gesagt. Der neue hält lieber Abstand und sagt hinterher: "Das gibt nur Ärger."

Quelle: ntv.de