Politik

Rufe nach Strategiewechsel Spahn-Ministerium: Inzidenz bleibt wichtig

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Die Inzidenz sei bei der Beurteilung des Pandemiegeschehens nie der einzige wichtige Wert gewesen, heißt es aus Jens Spahns Gesundheitsministerium.

(Foto: dpa)

Das Gesundheitsministerium reagiert auf die Diskussion um die Bedeutung des Inzidenzwerts für die deutsche Corona-Politik. Dieser bleibe weiter von Bedeutung, heißt es, doch andere Daten sollten künftig stärker berücksichtigt werden. Genau das fordern führende Politiker und Wirtschaftsvertreter.

In der Debatte um Kennwerte zur Beurteilung der Corona-Lage weist das Bundesgesundheitsministerium darauf hin, dass die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz auch weiterhin berücksichtigt werden wird. "Die Inzidenz war nie einziger Parameter, um das Pandemiegeschehen zu beurteilen. Aber sie ist und bleibt ein wichtiger Parameter", teilte ein Sprecher mit.

Der Wert gibt die Zahl der Ansteckungen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen an und ist Grundlage für viele Corona-Maßnahmen, etwa für die zuletzt ausgelaufene Bundesnotbremse. Die "Bild"-Zeitung berichtete zuletzt unter Berufung auf ein "internes Dokument" des Robert Koch-Instituts über eine "Wende in der Corona-Politik". Die Inzidenz solle nicht mehr über die Corona-Maßnahmen entscheiden. In dem Papier stelle das RKI die "Hospitalisierung (Krankenhauseinweisung) als zusätzlichen Leitindikator" für die Politik vor.

Weitere Daten stärker berücksichtigen

Richtig sei, so der Sprecher, dass die Inzidenz bei steigender Impfquote an Aussagekraft verliere. Zumal dann, wenn die besonders vulnerablen Gruppen bereits geimpft seien. So hatte sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bereits mehrfach geäußert. Deshalb sollen künftig weitere Daten stärker berücksichtigt werden. Das Bundesgesundheitsministerium hatte am Wochenende bekannt gegeben, dass die Kliniken mehr Details zu Covid-19-Fällen melden sollen. Neben der Belegung von Intensivstationen müssen alle Krankenhauseinweisungen wegen Corona übermittelt werden, zuzüglich Alter, Art der Behandlung und Impfstatus der Patienten. Die entsprechende Verordnung dazu solle zügig auf den Weg gebracht werden, hieß es am Sonntag aus dem Ministerium.

Derweil werden die Rufe nach eine Abkehr von der Inzidenz als bestimmender Wert für die Pandemiepolitik in Deutschland lauter. So sagte etwa FDP-Generalsekretär Volker Wissing im "Frühstart" von ntv: "Die Inzidenzen sind natürlich ein Hinweis darauf, wie sich die Pandemie entwickelt, aber allein auf die Inzidenz zu schauen, das ist sicher nicht richtig." So müsse künftig zusätzlich auf die Belegung der Intensivbetten und darauf geachtet werden, "wie viele Menschen überhaupt hospitalisiert werden müssen".

Auch der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans will neben dem Inzidenzwert andere Faktoren bei der Beurteilung der Pandemie hinzuziehen und lehnt darüber hinaus eine Bundesnotbremse beim Wert von 100 ab. "Ich glaube, dass es ganz wichtig ist, dass wir in diesem Herbst nicht allein auf die Inzidenz starren", sagt der CDU-Politiker im ZDF. Dass die Werte derzeit wegen der Delta-Variante nach oben gehen, sehe man in ganz Europa. "Wichtig ist, dass wir verstärkt Faktoren in Betracht ziehen wie zum Beispiel die Belastung des Gesundheitswesens, die Belegung der Intensivstationen, die Art und Weise wie Patientinnen und Patienten ankommen - all das muss eine Rolle spielen."

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Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Joachim Lang, erklärte zuletzt, die Inzidenz allein dürfe bei einer hohen Impfquote in Deutschland nicht mehr das Maß aller Dinge sein. "Essenziell ist und bleibt, das Impfen beherzt und mutig voranzutreiben", so Lang. Für den Wiederaufschwung der Wirtschaft seien Planbarkeit und Verlässlichkeit entscheidende Stellhebel. Die SPD-Bundestagsfraktion hatte am Samstag in einer Stellungnahme argumentiert, die Inzidenz werde nach der erfolgreichen Impfkampagne keine hinreichende Kennziffer mehr sein.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hingegen sagte bei seinem Besuch des Münchner Impfzentrums, er halte es für verfrüht, von der Inzidenz zur Beurteilung der Pandemielage abzurücken. Es sei aber "sehr sinnvoll", etwa die Corona-Krankenhaus-Zahlen dazu in Relation zu setzen und zudem einen Koeffizienten zu finden, der die hohe Zahl der Geimpften berücksichtige. Vielleicht müsse man Grenzwerte auch erhöhen.

Quelle: ntv.de, mbe/dpa/rts

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