"Wenn man 100 wird ..."Spahn erwartet deutlich höheres Renteneintrittsalter

In der Union gibt es schon länger die Ansicht, dass die Deutschen zu wenig arbeiten. Und offenbar auch zu kurz, wie Fraktionschef Spahn herausstellt. Schließlich werden die Deutschen immer älter.
Angesichts einer steigenden Lebenserwartung rechnet Unionsfraktionschef Jens Spahn mit einer deutlichen Erhöhung des Renteneintrittsalters. "Wenn man 100 wird, kann man nicht mit Mitte 60 aufhören zu arbeiten", sagte der CDU-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Er gehe deshalb davon aus, dass auch die von der Regierung eingesetzte Rentenkommission Vorschläge für eine Erhöhung des Renteneintrittsalters und zur Lebensarbeitszeit machen werde.
Jedes zweite heute neugeborene Mädchen werde mit hoher Wahrscheinlichkeit 100 Jahre alt werden, sagte Spahn. Wenn die Lebenserwartung weiter steige, werde auch das Renteneintrittsalter weiter steigen. Auf die Frage, ob er ausschließe, dass die Bundesregierung die Schuldenbremse abermals lockern könnte, um die Sozialkassen zu retten, antwortete Spahn mit einer klaren Absage: Er sehe "keinerlei Spielraum für weitere Schulden".
Die Idee, das Renteneintrittsalter anzuheben, ist nicht neu und wird auch bei den Grünen unterstützt. Grünen-Chef Felix Banaszak sprach sich bereits im Januar dafür aus, notfalls auch das Renteneintrittsalter anzuheben. Die reale Lebensarbeitszeit müsse steigen. Dazu gehöre dann mehr Reha und Gesundheitsschutz, "aber auch eine Einschränkung von Frühverrentungen", so Banaszak. "Die Lebenserwartung wird absehbar weiter steigen. Ist es dann nicht denkbar, einen Teil der gewonnenen Lebenszeit im Erwerbsleben zu verbringen? Darüber sollten wir nachdenken."
Die Vorstellungen von Union und SPD zur Zukunft der gesetzlichen Rentenversicherung sind teilweise kontrovers. Während aus CDU und CSU unter anderem Rufe nach einem späteren Renteneintrittsalter und weniger Möglichkeiten für einen vorgezogenen Renteneintritt laut werden, dringen SPD-Politiker unter anderem auf eine breitere Einzahlerbasis durch eine künftige Einbeziehung etwa von Selbstständigen, Abgeordneten sowie Beamten.
Die Altersgrenze für die Regelaltersrente ohne Abschläge wird derzeit schrittweise auf 67 Jahre angehoben. Die Rentenkommission soll Mitte des Jahres ihre Empfehlungen vorlegen.