"Es wird diese Reaktoren geben"Spahn wettet auf Rückkehr der Atomkraft
Als "irreversibel" bezeichnet Kanzler Merz den Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergie. Widerspruch gab es bereits von der CSU, jetzt reiht sich auch Unionsfraktionschef Jens Spahn ein. Der ist sich sicher, dass es künftig neue Kernenergie geben wird - und geht sogar eine Wette ein.
Knapp zwei Jahre nach dem deutschen Atomausstieg entflammt erneut die Debatte über den künftigen Einsatz von Kernkraft. Nach den Aussagen von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen über sogenannte Mini-AKWs, befeuerte die CSU mit einem Vorstoß zu kleinen Kernreaktoren die Diskussion weiter. Bundeskanzler Friedrich Merz schließt eine Rückkehr zur Atomkraft aus. Nun widerspricht ihm auch CDU-Fraktionschef Jens Spahn: "Die Europäische Union wird nicht klimaneutral werden ohne Kernenergie", sagte Spahn in der ntv Sendung "Blome & Pfeffer". Viele Nachbarländer setzten weiterhin darauf, Frankreich etwa und andere Staaten bauten zusätzliche Kraftwerke. "Der europäische Weg in die Klimaneutralität wird auch über Kernenergie passieren - auf der Welt im Übrigen auch."
Deutschland habe mit dem Atomausstieg zwar Fakten geschaffen. Spahn hält die Entscheidung dennoch für falsch. "Wir haben in Deutschland die sichersten Kernkraftwerke der Welt abgeschaltet", sagt er. Das sei ein "strategischer Fehler" gewesen. Besser wäre es gewesen, Kernkraft länger laufen zu lassen und dafür schneller Kohlekraftwerke abzuschalten. Für das Klima wäre das "deutlich besser gewesen".
In der Diskussion mit Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek räumt Spahn ein, dass ein Neubau von Kernkraftwerken in Deutschland derzeit nicht auf der politischen Agenda stehe. Aber er will sich Optionen offenhalten - vor allem bei neuen Technologien wie kleinen modularen Reaktoren. Die Idee dahinter sei, Reaktoren künftig in Serie zu bauen statt als teure Einzelprojekte. Ob das funktioniert, lasse sich heute noch nicht sagen. "Aber warum soll man denn von vornherein ausschließen, die Option darauf zu haben?"
Konfrontiert mit Kosten, Sicherheitsfragen und geopolitischen Abhängigkeiten kontert Spahn mit einem Blick auf den künftigen Energiebedarf: Wenn Deutschland bei künstlicher Intelligenz, Rechenzentren und Industrie mithalten wolle, werde der Strombedarf massiv steigen. Deshalb brauche es einen Energiemix. "Sonne und Wind ausbauen, Batteriespeicher ausbauen - aber offen bleiben für neue Technologien."
Dass die Kernkraft auch in Deutschland künftig wieder eine Rolle spielen werde, davon ist Spahn überzeugt. "Es wird diese Reaktoren geben." Als die Moderatorin Clara Pfeffer bezweifelt, dass jemals wieder ein Atomreaktor in Deutschland gebaut wird, reagiert Spahn spontan: "Wir können ja eine Wette machen - und dann treffen wir uns 2050 noch mal wieder."
Die ntv Sendung "Blome & Pfeffer" wird am Montag, dem 16. März um 20:15 Uhr und 23.30 Uhr auf ntv ausgestrahlt, auf YouTube und auf der Streamingplattform RTL +
