Politik

Giftgas gegen eigene Bevölkerung Spicer verrennt sich in Hitler-Assad-Vergleich

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Sean Spicer geriet in Erklärungsnot.

(Foto: AP)

Trumps Sprecher Spicer versucht den Giftgaseinsatz des syrischen Regimes durch einen irritierenden Vergleich zu erläutern: Hitler und Assad. Zweimal erklärt er danach, was er eigentlich meinte. Das macht seinen Ausrutscher nur bedingt besser.

"Die Allianz von Russland und Syrien ist sehr stabil. Warum glauben Sie, dass Putin grade jetzt Assad seine Unterstützung aufkündigen könnte?" Diese Frage eines Journalisten im Weißen Haus geht einer Antwort voraus, die den Sprecher von US-Präsident Trump in die Bredouille bringt. Das Thema: Der mutmaßliche Giftgaseinsatz der syrischen Machthaber gegen Rebellen, bei dem 87 Menschen starben.

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Regierungssprecher Sean Spicer antwortet zur Begründung: "Nicht einmal eine verabscheuungswürdige Person wie Hitler ist so tief gesunken, chemische Waffen zu benutzen. Russland muss sich also fragen: Ist das ein Land, an dessen Seite wir stehen sollten?" Niemals habe ein Land die Linien überschritten wie Syrien mit dem Einsatz von Sarin. Die Türkei hatte den Einsatz des Kampfstoffes nachgewiesen.

Die USA und ihre Verbündeten machen Assads Luftwaffe für den Giftgasangriff verantwortlich. Die Vereinigten Staaten führten deshalb einen Vergeltungsangriff mit Tomahawk-Raketen durch. Nach Angaben der russischen Führung trafen konventionelle Bomben ein Waffenlager der Rebellen, in dem der chemische Kampfstoff aufbewahrt wurde.

Das nervöse Stottern beginnt

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Weil die Pressekonferenz im Internet übertragen wird, wird es in den sozialen Medien unruhig: Was habe Spicer da grade impliziert? Dass Hitler kein Gas in Konzentrationslagern eingesetzt habe, also den Holocaust leugne? Als eine Journalistin nachfragt, was Spicer mit seiner Äußerung gemeint habe, wird dem die Angelegenheit sichtlich unangenehm. Der Republikaner wirkt nervös, er fängt an zu stottern und erklärt: "Er (Hitler) hat Gas nicht auf dieselbe Art und Weise gegen sein eigenes Volk eingesetzt, wie es Assad tut. (...) Er hat es in die, äh, Holocaust-Zentren gebracht, das ist mir klar. Aber was ich zum Ausdruck bringen will, ist die Art, wie Assad es eingesetzt hat, indem er in die Städte geht und es über den Stadtzentren abwirft."

Mit dem Begriff "Holocaust-Zentren" meint Spicer offensichtlich die Konzentrations- und Vernichtungslager der Nationalsozialisten - aber augenscheinlich fiel ihm der richtige Begriff nicht ein. In Auschwitz und anderen Lagern hatten die Nazis mehr als eine Million Menschen mit Giftgas ermordet, vor allem Juden, aber auch viele Sinti und Roma sowie andere Gruppen. Insgesamt brachten die Nationalsozialisten sechs Millionen Juden um.

Steven Goldstein, Direktor des Anne-Frank-Zentrums in den USA, forderte Präsident Trump auf, Spicer zu feuern. Goldstein warf Spicer die Leugnung des Holocaust vor, die "schlimmste vorstellbare Form von Fake News, indem er bestreitet, dass Hitler Millionen Juden vergast hat". Es sei die böseste Verunglimpfung einer Bevölkerungsgruppe, die das Zentrum je von einem Pressesprecher des Weißen Hauses gehört habe.

Nach der Pressekonferenz war Spicer noch einmal bemüht, seine Worte klarzustellen. "Ich habe in keiner Weise versucht, die Abscheulichkeit des Holocaustes zu schmälern", erklärte er. Es sei ihm um eine Unterscheidung zu der Taktik gegangen, chemische Waffen über Bevölkerungszentren einzusetzen. "Jeder Angriff auf unschuldige Menschen ist verwerflich und unentschuldbar", fügte er hinzu.

Gegenüber dem Fernsehsender CNN ergänzte Spicer später, er habe einen "unangebrachten und unsensiblen" Bezug zum Holocaust verwendet. "Es war ein Fehler, das zu tun." Er entschuldige sich.

Quelle: n-tv.de, rpe/dpa/chr

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