Politik

Deutschland als "Zielland" Staatsminister: Viele Afghanen werden fliehen

Die vorrückenden Taliban treiben in Afghanistan immer mehr Menschen in die Flucht. Das wird auch "migrationspolitische Folgen" für Deutschland haben, glaubt Staatsminister Annen. Die USA gehen davon aus, dass die militanten Islamisten den Sieg auf dem Schlachtfeld suchen.

Wegen der Lage in Afghanistan erwartet der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Niels Annen, eine steigende Zahl an Flüchtlingen aus der Region auch in Deutschland. "Es ist naiv, zu glauben, dass der Vormarsch der Taliban und die Gewalt in der Kriegsregion keine migrationspolitischen Folgen hat. Menschen aus Afghanistan werden noch stärker fliehen müssen als in den vergangenen Jahren", sagte der SPD-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Die Auswirkungen werden wir auch in Deutschland spüren, wenn auch noch nicht in den kommenden Wochen." Deutschland sei für Afghanen "ein attraktives Zielland", hob der Staatsminister hervor.

Hunderttausende Afghanen seien auf der Flucht in die Hauptstadt Kabul oder in die Nachbarstaaten Iran und Pakistan. "Hier muss die internationale Gemeinschaft helfen, die Geflüchteten vor Ort in den Nachbarländern und in den sicheren Regionen Afghanistans bestmöglich zu versorgen", sagte Annen.

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Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich seit der Entscheidung über den Abzug der internationalen Truppen aus Afghanistan Mitte April dramatisch verschlechtert. Die militant-islamistischen Taliban haben inzwischen wieder große Teile des Landes unter ihre Kontrolle gebracht. Zuletzt nahmen sie binnen einer Woche neun Provinzhauptstädte ein. Deshalb schiebt Deutschland vorerst keine abgelehnten Asylbewerber mehr dorthin ab.

Nach Ansicht der USA suchen die Taliban suchen den Sieg auf dem Schlachtfeld. Darauf deute alles hin, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Ned Price. Es sei jedoch nicht sicher, dass die Taliban unaufhaltsam voranschreiten würden. Die Angriffe der Islamisten auf Provinzhauptstädte und Zivilisten verletzten den Geist des Abkommens von 2020, das die USA mit ihnen geschlossen hatten, sagte Price. Seine Regierung wolle einen internationalen Konsens schmieden, dass Afghanistan ein Friedensabkommen benötige.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa/AFP/rts

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