Politik

Ex-Kanzlerkandidat über die SPD Steinbrück kritisiert "Heulsusen"-Gemüt

61491911.jpg

Ex-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück rät seinen Parteifreunden, lockerer zu werden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Rund vier Monate vor der Bundestagswahl ist der Schulz-Effekt verflogen: Mit jeder Woche rutscht die SPD weiter ins Umfrageminus. Ex-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück wundert das nicht: Er attestiert der Partei Realitätsverlust - und warnt vor einseitigem Wahlkampf.

Nach drei verlorenen Landtagswahlen und der lange hinausgezögerten Vorstellung eines Wahlprogramms steht die SPD in Umfragen so schlecht da wie schon lange nicht mehr. Vom Schulz-Effekt ist nur noch wenig zu spüren - und der frühere SPD-Kanzlerkandidat, Peer Steinbrück, weiß auch, warum. Sich im Bundestagswahlkampf allein auf das Thema Gerechtigkeit festzulegen, hält er für einen Fehler. "Die Konzentration auf die Gerechtigkeit reicht nicht", so der Ex-Bundesfinanzminister im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS). "Es muss etwas dazu kommen, das Fortschritt [und] Zukunftsoptionen verdeutlicht."

Zugleich riet Steinbrück den Sozialdemokraten rund vier Monate vor der Bundestagswahl zu einer Absage an eine rot-rot-grüne Koalitionsoption. "Ich glaube, dass die SPD gut beraten ist, Spekulationen über Rot-Rot-Grün die Grundlage zu entziehen", sagte er der "Bild am Sonntag". "Der Flirt mit dieser Konstellation wird nicht belohnt." CDU und SPD wollen beide nach der Wahl am 24. September eine Neuauflage der großen Koalition vermeiden. Für die Sozialdemokraten kommen als Bündnispartner (neben der FDP) vor allem die Linken und die Grünen in Frage. Doch Steinbrück hält nicht viel von dieser Option.

"Rot-Rot-Grün ist, jedenfalls im Westen, schlicht und einfach nicht akzeptabel, dem Wähler nicht vermittelbar", erklärte Steinbrück und setzte hinzu: "Vielleicht in mittlerer Zukunft." Trotz der Niederlagen bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und dem Saarland muss die SPD nach Ansicht von Steinbrück aber auch weiterhin auf ihren Kanzlerkandidaten Martin Schulz setzen. "Man kann die Pferde nicht mitten im Galopp wechseln."

"Steht da jetzt Erich Schulz-Honecker?"

Auf die Frage, was bei den Sozialdemokraten nach dem anfänglichen Schulz-Hype schief gelaufen sei, antwortete Steinbrück, die 100 Prozent im März bei der Wahl von Schulz zum Parteivorsitzenden seien "vergiftet" gewesen. "Die Partei saß plötzlich auf Wolke sieben, es hat sich ein Realitätsverlust eingestellt und das Publikum hat sich gewundert: Steht da jetzt Erich Schulz-Honecker?"

Steinbrück, der bei der Bundestagswahl 2013 SPD-Spitzenkandidat war, riet seinen Parteifreunden zu mehr Lockerheit. Diese seien "häufig zu verbiestert, wahnsinnig überzeugt von der eigenen Mission". Und: "Der Begriff der Heulsusen trifft gelegentlich den Gemütszustand der SPD. Nur wehe, Sie sprechen ihn aus."

Quelle: n-tv.de, jug/dpa

Mehr zum Thema