Politik

Peking setzt Manöver fort Taiwan: 16 Flugzeuge überqueren Demarkationslinie

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16 chinesische Flugzeuge haben nach taiwanischen Angaben die inoffizielle Demarkationslinie zu Taiwan überflogen.

(Foto: AP)

China will mit seinen nun schon fünf Tage dauernden Militärmanöver rund um Taiwan die Hoffnung des Landes auf Unabhängigkeit zerstören. So zumindest erklärt es die Regierung. Die USA geben sich derweil nicht übermäßig besorgt, halten ihre Militärpräsenz in der Region aber hoch.

China hat seine massiven Militärmanöver vor der Küste Taiwans den fünften Tag in Folge fortgesetzt. Daran waren erneut die Luftwaffe und die Marine beteiligt, wie die Volksarmee mitteilte. Taiwan warf China vor, mit den Übungen einen Angriff auf die Insel vorzubereiten und hielt seinerseits Militärübungen mit scharfer Munition ab. Die taiwanischen Übungen waren nach Armeeangaben schon länger geplant.

Bei den Militärübungen Chinas liege der Schwerpunkt "auf der Organisation gemeinsamer U-Boot-Abwehr- und Seeangriffsoperationen", erklärte die chinesische Armee. Zudem würden Schießübungen im Südchinesischen Meer und im Gelben Meer stattfinden.

Nach taiwanischen Angaben waren 45 chinesische Kampfflieger und zehn Schiffe in der Taiwanstraße unterwegs. 16 Flugzeuge hätten die inoffizielle Demarkationslinie - die inoffizielle Mittellinie in der Straße von Taiwan - überschritten, die von Peking aber nicht anerkannt wird.

"Illusion entschlossen zerschmettern"

China hatte die Manöver am Donnerstag nach einem Taiwan-Besuch der US-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi begonnen. Ungeachtet aller Proteste und entgegen eigener Ankündigungen, die Manöver am Sonntag zu beenden, setzte die Volksrepublik die Militärübungen fort. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums bezeichnete die anhaltenden Manöver als "standhaftes und kraftvolles" Verhalten und als "angemessene" Reaktion auf die "Provokation" der USA. China werde die "Illusion der taiwanischen Behörden, dank den USA die Unabhängigkeit zu erlangen, entschlossen zerschmettern".

Taiwans Außenminister Joseph Wu warf China vor, "sich auf eine Invasion Taiwans vorzubereiten". Pelosis Besuch diene Peking nur als Vorwand. Außer auf Militärübungen setze China auf "Cyberangriffe, eine Desinformationskampagne und wirtschaftlichen Druck, um die öffentliche Moral in Taiwan zu schwächen". Seine Regierung werde sich nicht einschüchtern lassen, auch wenn die Übungen fortgesetzt würden, sagte Wu.

Chinas Büro für Taiwan-Angelegenheiten kritisierte Wus Äußerungen. Er sei ein "eingefleischter" Befürworter der taiwanesischen Unabhängigkeit und seine Äußerungen "verdrehen die Wahrheit und verschleiern die Fakten", hieß es weiter.

USA: Keine Invasion in den kommenden zwei Jahren

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US-Präsident Joe Biden hatte sich zu Wochenbeginn erstmals seit Pelosis Besuch öffentlich zu dem Thema und sagte, er sei besorgt über Chinas Vorgehen in der Region, aber nicht über Taiwan. Verteidigungsstaatssekretär Colin Kahl kündigte an, dass Schiffe der US-Marine in den kommenden Wochen auch weiterhin durch die Taiwanstraße fahren werden. Ein Pentagon-Beamter hatte betont, die Regierung in Washington bleibe bei ihrer Einschätzung, dass China in den nächsten zwei Jahren nicht versuchen werde, in Taiwan einzumarschieren. Derweil verteidigte Pelosi ihre Reise nach Taiwan als "absolut" lohnenswert. Die Vereinigten Staaten könnten nicht zulassen, dass China Taiwan isoliere, sagte die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses dem TV-Sender NBC.

Seit der Spaltung zwischen China und Taiwan im Jahr 1949 betrachtet Peking die Insel als abtrünniges Gebiet, das es wieder mit dem Festland vereinigen will - notfalls mit militärischer Gewalt. Der Konflikt zwischen Peking und Taipeh hat sich zuletzt unter dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping verschärft. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat zudem Befürchtungen wachsen lassen, Peking könnte im Umgang mit Taiwan auf ein ähnliches Vorgehen setzen.

Quelle: ntv.de, jwu/AFP/rts

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