Politik

Pakistan fürchtet Bürgerkrieg Taliban erobern weitere Gebiete

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Militäroperation gegen Taliban-Kämpfer.

(Foto: imago images/Xinhua)

Der Rückbau der Militärbasen der USA und ihrer Verbündeten ist noch nicht abgeschlossen, schon nutzen die Taliban das entstehende Sicherheitsvakuum aus. Nach Gefechten bringen sie zwei Bezirke unter ihre Kontrolle. Nachbar Pakistan will einen neuen Bürgerkrieg mit Vermittlungsversuchen verhindern.

Während die internationalen Truppen aus Afghanistan abziehen, machen die militant-islamistischen Taliban weitere militärische Fortschritte. Sie eroberten zwei weitere Bezirke in zwei verschiedenen Provinzen, wie mehrere lokale Behördenvertreter und Parlamentsmitglieder am Freitag bestätigten. Demnach fiel der Bezirk Schenkai in der Provinz Sabul im Süden des Landes nach rund einer Woche Gefechten an die Islamisten. Die Taliban hätten alle Versorgungswege für die Sicherheitstruppen abgeschnitten, bevor sie den Bezirk überrannten, hieß es von zwei Provinzräten.

In der Provinz Urusgan im Süden des Landes kam der Bezirk Gisab unter Kontrolle der Taliban, erklärten zwei Provinzräte aus der Nachbarprovinz Daikundi. Die Gefechte hätten am Donnerstag begonnen, am Freitag hätten die Sicherheitskräfte fliehen müssen. Ein Parlamentsmitglied aus Urusgan bestätigte den Fall von Gisab. Zunächst gab es keine Berichte über Opfer.

Auch andernorts gab es schwere Zusammenstöße. In der Provinz Gasni im Südosten des Landes stand der Bezirk Deh Jak nach starkem militärischen Druck auf die Sicherheitskräfte dort kurz vor dem Fall an die Taliban. Im Bezirk Farsi in der Provinz Herat kamen laut lokalen Behördenvertretern am Freitag bei Zusammenstößen mindestens neun Polizisten ums Leben.

Weitere Angriffen werden erwartet

Seit Beginn des offiziellen Abzugs der US- und anderer Nato-Truppen aus Afghanistan am 1. Mai haben die Taliban mehrere Offensiven im Land gestartet. Einige konnten Sicherheitskräfte zurückschlagen, andernorts stehen sie schwer unter Druck. Beobachter vermuten, dass diese Angriffe erst der Beginn der jährlichen Offensive der Taliban sind. Insgesamt sind seit Anfang Mai nun sechs Bezirke an die Islamisten gefallen.

Der Abzug der internationalen Soldaten aus Afghanistan soll bis spätestens 11. September abgeschlossen sein. Das US-Militär hatte diese Woche mitgeteilt, es schätze, rund 30 bis 44 Prozent des gesamten Prozesses sei abgeschlossen.

Pakistan fürchtet einen neuen Bürgerkrieg im Nachbarland und will die Zeit bis zum vollständigen Abzug der internationalen Truppen für Vermittlungen nutzen. Die Führung in Islamabad werde versuchen, rechtzeitig eine politische Lösung für den Machtkampf zwischen der afghanischen Regierung und den radikal-islamischen Taliban zu erreichen, sagte Ministerpräsident Imran Khan. Es werde allerdings nicht einfach sein, die Taliban zu Zugeständnissen zu bewegen. Denn die Extremisten seien seit der US-Ankündigung eines Truppenabzug bis zum 11. September der Ansicht, den Krieg gewonnen zu haben. Sollte es zu einem neuen Bürgerkrieg in Afghanistan und einer Flüchtlingskrise kommen, würde auch Pakistan sehr darunter leiden und sein Land könnte zum Eingreifen gezwungen sein.

Quelle: ntv.de, ino/dpa/rts

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