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"Zerstörerische Technologie" Tausende Kohlegegner protestieren wieder

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Etwa 5000 Kohlegegner demonstrieren erneut nahe dem Hambacher Tagebau.

(Foto: picture alliance/dpa)

Im Rheinland finden sich Tausende Umweltaktivisten zusammen, um gegen Kohlestrom zu demonstrieren. Sie blockieren die Gleise der "Hambachbahn", einige besetzen einen Bagger. Die Polizei greift ein - auch um die Protestler zu schützen, heißt es.

Umweltaktivisten haben im Tagebau Hambach die Braunkohlebahn blockiert. Das Bündnis "Ende Gelände" spricht von Tausenden, die im Rheinischen Revier auf den Gleisen säßen: Mit der "Hambachbahn" wird die Kohle aus dem Tagebau zu den Kraftwerken und Fabriken transportiert. Die Polizei bestätigte die Blockade, machte aber keine Angaben zur Zahl der Protestierenden. Zuvor hatte die Polizei Wasserwerfer auf der A4 bei Kerpen eingesetzt, als Aktivisten über die gesperrte Autobahn Richtung Tagebau Hambach liefen. Weitere Polizeikräfte hielten nachfolgende Menschen an der Autobahnböschung davon ab und warnten auch über Lautsprecher.

Rund 15 Umweltaktivisten haben im Tagebau einen Bagger besetzt. Die Polizei werde nun versuchen, diese wieder von dem Bagger nahe der Ortschaft Morschenich herunterzubekommen, sagte eine Sprecherin der Polizei Aachen. Ihnen drohe Strafverfolgung mindestens wegen Hausfriedensbruchs. Die Polizeisprecherin begründete das Vorgehen der Sicherheitsbeamten zum einen mit den Gefahren auf dem Gelände, vor denen die Demonstranten geschützt werden sollten. Zum anderen hätten sie mit dem unerlaubten Betreten des Geländes des Energiekonzerns RWE Hausfriedensbruch begangen. Daher müssten die Personalien der Aktivisten festgestellt werden.

Derweil zogen rund 5000 Braunkohlegegner von einem Protest-Camp in Düren-Stepprath aus los, wie das Aktionsbündnis "Ende Gelände" mitteilte. Die Protestaktionen gegen Kohleverstromung sollen bis Montag weitergehen. Das Bündnis fordert einen "sofortigen Kohleausstieg" und will ein "Zeichen für Klimagerechtigkeit" setzen. "RWE und die Regierung klammern sich an eine zerstörerische Technologie von gestern", erklärte eine Sprecherin von "Ende Gelände".

Kohlegegner halten Verwaltungsgericht auf Trab

Zeitgleich sollte eine Solidaritätsdemo "Ende Gelände für die Kohle" in Buir stattfinden, zu der Umweltverbände aufgerufen hatten. 19 Umweltverbände und entwicklungspolitische Organisationen unterzeichneten eine Solidaritätserklärung mit "Ende Gelände", in der es unter anderem hieß: "Ziviler Ungehorsam gegen existenzielle Gefahren und Missstände hat eine lange und bedeutende demokratische Tradition."

Am Freitag hatten die Polizeikontrollen bei der Anreise von Kohlegegnern bereits das Aachener Verwaltungsgericht beschäftigt. Das Gericht wies am Nachmittag einen Eilantrag gegen zuvor eingerichtete polizeiliche Kontrollstellen am Bahnhof im rheinischen Düren zurück, wie ein Gerichtssprecher mitteilte. Dort waren Stunden zuvor mehr als tausend Teilnehmer eines Anti-Kohle-Protestcamps mit einem Sonderzug angekommen.

Nach dem Passieren der Kontrollstelle konnten die Aktivisten schließlich weiterziehen. Fünf Menschen wurden vorübergehend festgenommen, sieben weitere wurden zur Feststellung ihrer Identität ins Polizeipräsidium gebracht. Inzwischen sind alle wieder auf freiem Fuß.

Bei früheren Protestaktionen von "Ende Gelände"-Aktivisten im Braunkohlerevier zwischen Aachen und Köln hatte es Auseinandersetzungen mit der Polizei gegeben. Die Aachener Polizei kündigte an, sie werde friedliche Proteste schützen und Straftaten "konsequent verfolgen".

Quelle: n-tv.de, lri/AFP/dpa

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