Politik

Ostermärsche im ganzen Land Tausende demonstrieren für Abrüstung

7ff9dfef78a828666f26b8fd958ef69e.jpg

Hier protestieren Menschen beim Ostermarsch in Hamburg.

(Foto: dpa)

Die Hochzeiten der Ostermärsche sind längst vorbei, zu denen Hunderttausende während des Kalten Krieges auf die Straße gingen. Angst vor einem Atomkrieg gibt es aber nach wie vor. Auch in diesem Jahr demonstrieren Menschen in Dutzenden deutschen Städten für Frieden.

Tausende Menschen haben auch in diesem Jahr in ganz Deutschland an den Ostermärschen für Frieden und Abrüstung teilgenommen. Das Netzwerk Friedenskooperative zog eine positive Bilanz. In rund 100 Städten fanden demnach über die Feiertage Aktionen statt. Dabei habe die Zahl der Teilnehmer dank des guten Wetters, aber auch wegen der besorgniserregenden politischen Weltlage gegenüber dem Vorjahr wieder zugenommen, hieß es. Genaue Zahlen nannten die Veranstalter nicht.

Allein in Hamburg schlossen sich an diesem Ostermontag laut Polizei rund 2000 Menschen einem Protestzug an. "Nichts verursacht so viel Leid und Umweltzerstörung wie Krieg", rief der 17-jährige Tom Radtke auf einer Kundgebung der Menge zu.

In Frankfurt versammelten sich nach Polizeiangaben am Ostersonntag rund 1500 Menschen friedlich auf dem Römer. In Saarbrücken gingen nach Angaben der Polizei bis zu 800 Teilnehmer auf die Straße, unter dem Motto "Nein zum Krieg - abrüsten statt aufrüsten". In Bremen waren es nach Einschätzung der Beamten rund 500 Menschen. In Dortmund nahmen am Ostermontag rund 300 Teilnehmer an einer Kundgebung gegen Rechts teil.

Nukleare Bedrohung "als reale Gefahr" angesehen

Marvin Mendyka vom Netzwerk Friedenskooperative erklärte: "Die nukleare Bedrohung wird von mehr Menschen wieder als eine reale und existenzielle Gefahr wahrgenommen. Die rege Teilnahme an den Ostermärschen mit der Forderung nach einer atomwaffenfreien Welt macht dies deutlich." Verstärkt worden sei die Sorge der Menschen zuletzt durch die Kündigung des INF-Vertrages über das Verbot von atomaren Mittelstreckenraketen durch die USA.

Philipp Ingenleuf, Geschäftsführer bei dem Netzwerk, sagte, die Forderung nach Abrüstung sei für viele Menschen zentral. "Sie fürchten, dass Geld nicht in Bereiche wie Rente, Bildung, Pflege oder Klimaschutz investiert werden, sondern in Raketen, Bomben und Panzer. Darum engagieren sich beispielsweise auch wieder mehr Gewerkschaften bei den Ostermärschen." Es freue ihn zudem, dass es bei den Ostermärschen 2019 so viele Redebeiträge von Aktivisten der Klimaschutzbewegung Fridays-for-Future gab, so unter anderem in München, Saarbrücken, Bonn oder Hamburg.

Jeder Fünfte rechnet mit Atomkrieg

Eine deutliche Mehrheit der Deutschen ist nach einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov für einen Abzug aller US-Atombomben aus Deutschland. Insgesamt 59 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus, und nur 18 Prozent dagegen.

Nach Expertenschätzung sind noch etwa 20 US-Atombomben auf einem Fliegerhorst im rheinland-pfälzischen Büchel stationiert. Im Ernstfall sollen sie von deutschen "Tornado"-Kampfjets abgeworfen werden. Rund 22 Prozent der Befragten sagten, dass sie einen Atomkrieg in den kommenden zehn Jahren für wahrscheinlich halten. Bei einer YouGov-Umfrage Ende 2017 - also vor der Kündigung des INF-Vertrages - waren es aber sogar noch 32 Prozent.

Die Wurzeln der Ostermarschbewegung liegen im Protest gegen das atomare Wettrüsten während des Kalten Krieges. Begonnen hat die Tradition Ende der 1950er-Jahre in Großbritannien. Zum ersten Ostermarsch in der Bundesrepublik kamen 1960 etwa 1000 Menschen. 1968 und 1983 erlebten die Ostermärsche hierzulande ihre Höhepunkte mit Hunderttausenden Demonstranten.

Quelle: n-tv.de, hul/dpa

Mehr zum Thema