Politik

Trotz Amoklauf in El Paso Texas lockert Waffengesetze noch weiter

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Eine Waffenverkäuferin führt im November 2017 das Schnellfeuergewehr AR-15 vor, mit dem ein Amokläufer in einer Kirche in Sutherland Springs 26 Menschen getötet hatte.

(Foto: AP)

Nach dem Massaker von El Paso diskutieren die USA wieder einmal über strengere Waffengesetze. Doch in Texas scheint das nicht in Frage zu kommen. Der Bundesstaat lockert nun seine Bestimmungen sogar und erlaubt Waffen etwa in Kirchen und Schulen. Die Begründung ist typisch.

Am vergangenen Wochenende erschüttern gleich zwei Amokläufe die USA - in Texas und Ohio schießen Männer um sich und ermorden insgesamt 29 Menschen. Wie bei früheren Massakern dieser Art begann sogleich eine Diskussion über strengere Waffengesetzte. Doch für Texas kommt diese zu spät. Dort wurden bereits vor dem Wochenende weitere Lockerungen der Bestimmungen beschlossen. Wie CNN berichtet, sollen sie im September in Kraft treten.

Demnach dürfen dann etwa Schulen Waffenbesitzern nicht mehr grundsätzlich verbieten, eine Pistole mit aufs Schulgelände zu bringen. Künftig dürften diese im Auto verwahrt werden, auch wenn es auf einem Schulparkplatz abgestellt wird. Sie dürften aber nicht offen sichtbar sein. Auch in Kinderheimen dürften ab September Waffen gelagert werden, wenn sie gemeinsam mit der Munition an einem abschließbaren Ort liegen. Auch Vermieter dürften nicht mehr verbieten, Waffen in der Wohnung zu verwahren.

Eine neue Regelung betrifft demnach auch Kirchen, Synagogen und andere Gotteshäuser. Bislang war dort das Tragen von Waffen untersagt. Die Regelung falle ebenfalls zum 1. September. Wer eine Genehmigung zum Waffenbesitz hat, dürfe diese künftig auch während der Messe oder anderer Kirchenbesuche tragen. Und das obwohl erst im November 2017 ein Amokläufer 26 Menschen in der Kirche von Sutherland Springs in Texas ermordete.

Das sagen die Befürworter

Doch die Befürworter hatten wohl genau solche tragischen Situationen im Hinterkopf. "Es gibt keine waffenfreien Zonen", zitiert CNN etwa die Senatorin Donna Campbell. "Es ergibt keinen Sinn, die guten Jungs zu entwaffnen und gesetzestreuen Bürger die Möglichkeit zu nehmen, sich zu verteidigen, wenn Gewalttäter das Gesetz brechen und großes Unheil anrichten." Variationen dieser Argumentation sind auch nach Massakern immer wieder zu hören. Die Waffenlobby NRA plädiert etwa regelmäßig dafür, dass sich mehr Menschen bewaffnen sollten, um sich verteidigen zu können.

Es sind allerdings pro Kopf bereits mehr Waffen in den USA in Umlauf als es Menschen gibt. Auf 100 Einwohner kommen 120 Waffen. Es ist bereits überaus einfach, sich eine Pistole oder ein Gewehr zu beschaffen. Mitunter werden sie sogar in Supermärkten verkauft. Auch psychisch Kranke oder Kriminelle können in vielen Bundesstaaten auf Messen, sogenannten Gun Shows Feuerwaffen ohne Angabe von Personalien oder Überprüfung etwaiger Vorstrafen erwerben. Auch Kriegswaffen wie Maschinengewehre dürfen anders als in Deutschland an Privatleute verkauft werden.

Seit Jahresbeginn gab es in den USA bereits 250 Amokläufe, insgesamt starben bereits 8700 Menschen durch Waffengewalt - darunter sind auch Menschen, die bei Polizeieinsätzen getötet wurden oder durch Unfälle mit Waffen in Privatbesitz ums Leben kamen.

Quelle: ntv.de, vpe