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Drei Monate nach dessen Tod Textnachricht an Amri löste Terroralarm aus

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Die spanische Polizei kannte offenbar die Nummer des Attentäters vom Berliner Weihnachtsmarkt.

(Foto: dpa)

Monate nach dem Tod des Attentäters Anis Amri gehen auf dessen Handy Nachrichten ein, die die Polizei als Anschlagspläne wertet. Die SMS stammen jedoch von der spanischen Polizei: Nun stellt sich die Frage, ob die womöglich von Amris Anschlagsplänen wusste.

Textnachrichten an das Handy des toten Berliner Weihnachtsmarktattentäters Anis Amri haben einem Medienbericht zufolge einen Terroralarm ausgelöst. Wie der "Focus" berichtet, befürchteten die deutschen Sicherheitsbehörden zu Pfingsten einen Anschlag. Als Absender habe sich später ein Mitarbeiter der spanischen Polizei entpuppt.

Drei Monate nach dem Attentat vom 19. Dezember 2016 fand ein Mitarbeiter des Bundeskriminalamts (BKA) dem "Focus" zufolge aus dem Sudan abgesendete Mitteilungen auf Amris Handy. Darin habe es geheißen, die "Brüder in Belgien" seien bereit. Eine andere Nachricht habe eine "große Hochzeit" thematisiert.

Wusste Polizist von Plänen?

Das BKA vermutete dem Bericht zufolge Komplizen Amris hinter der Nachricht sowie eine bereits fortgeschrittene Anschlagsplanung. Als mögliches Attentatsziel habe der Berliner Karneval der Kulturen gegolten. Das Straßenfest habe kurz vor der Absage gestanden. Schließlich habe sich herausgestellt, dass ein verdeckt arbeitender V-Mann der spanischen Nationalpolizei den Verbleib des Handys hatte klären und eine Antwort möglicher Islamisten provozieren wollen.

Damit stellt sich die Frage, ob der V-Mann wusste, dass die Nummer dem am 23. Dezember 2016 erschossenen Amri gehörte - und wenn ja, ob der Mann auch schon vor dem Anschlag von Amris Plänen gewusst hatte. Die Aufarbeitung des Attentats mit zwölf Toten und mehr als 60 Verletzten brachte immerhin eine Reihe von Ermittlungspannen und Fehleinschätzungen der Sicherheitsbehörden ans Licht.

Ausschuss untersucht Rolle von V-Mann

Derweil beschäftigt den Amri-Untersuchungsausschuss im Berliner Abgeordnetenhaus die Rolle eines V-Mannes des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamtes. Nach jüngsten Medienberichten soll der Informant in der Islamistengruppe um Amri möglicherweise selbst zu Anschlägen angestachelt haben. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) und die "Berliner Morgenpost" berufen sich dabei unter anderem auf Strafverteidiger von Islamisten aus der Gruppe um den in Celle angeklagten Hassprediger Abu Walaa.

Grünen-Fraktionschefin Monika Düker betonte, die neuen Behauptungen bildeten einen klaren Widerspruch zu dem, was man bisher aus Daten der Sicherheitsbehörden zu dem V-Mann wisse. "Diesen Widerspruch müssen wir aufarbeiten, und dazu werden wir das LKA befragen", kündigte das Ausschussmitglied an. Bislang gehe aus Unterlagen für den ersten NRW-Amri-Ausschuss hervor, dass der Vertrauensmann mehrfach ausdrücklich vor der Gefährlichkeit Amris gewarnt habe. Es sei nicht auszuschließen, dass der V-Mann "ein doppeltes Spiel spielte", sagte Düker. Andererseits sei zu bedenken, dass die neuen Vorwürfe aus der Islamistenszene kämen.

Der erste Untersuchungsausschuss zum Fall Amri des NRW-Landtags musste seine Arbeit mit der Landtagswahl im Mai unvollendet einstellen. Der zweite U-Ausschuss soll ebenfalls klären, ob Landesregierung und NRW-Behörden Fehler gemacht haben und der Anschlag vom 19. Dezember 2016 auf einem Berliner Weihnachtsmarkt mit zwölf Toten möglicherweise hätte unterbunden werden können. Wie viel Zeit dafür benötigt werde, sei noch nicht absehbar, sagte Geerlings.

Bewegungsprofil erschwerte Überwachung

Der Islamist Amri hatte sich länger in NRW aufgehalten, für den abgelehnten Asylbewerber aus Tunesien war die Ausländerbehörde in Kleve zuständig. Der länderübergreifende Austausch der Behörden vor dem Anschlag hatte laut einem Mitarbeiter des Bundesinnenministeriums funktioniert. Ihm sei nicht bekannt, dass es "irgendwo gehakt hätte", sagte der Leiter der Arbeitsgruppe Internationaler Terrorismus im BMI, Jens Koch, als erster Zeuge. Amri sei oft zwischen Berlin und NRW gependelt, die Landesbehörden hätten sich gegenseitig informiert.

Koch hatte im Auftrag von Kanzlerin Angela Merkel eine Chronologie zusammengestellt, die alle Daten rund um Amri seit seiner Ankunft in Deutschland im Juli 2015 und das Behördenhandeln umfasst. Ein vom Berliner Senat eingesetzter Sonderermittler hatte jüngst eine schlechte Zusammenarbeit der Behörden in ganz Deutschland gerügt. Dabei hatte er auch die Polizei in NRW kritisiert.

Quelle: n-tv.de, jgu/AFP/dpa

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