Er baute den Freistaat aufThüringens ehemaliger Ministerpräsident Duchac ist tot

Er war der erste Ministerpräsident von Thüringen nach der Wiedervereinigung. Der CDU-Politiker Josef Duchac führte die Regierung zwei Jahre lang und half beim Aufbau des Landes. Nun ist er im Alter von 88 Jahren gestorben.
Der ehemalige Thüringer Ministerpräsident Josef Duchac ist tot. Er starb nach langer, schwerer Krankheit am Freitag im Alter von 88 Jahren, wie die Thüringer Staatskanzlei mitteilte. Duchac war von 1990 bis 1992 erster Regierungschef in Thüringen nach der Wiedervereinigung. Nachfolger wurde sein Parteifreund Bernhard Vogel.
"Mit Josef Duchac verlieren wir eine Persönlichkeit, die den Aufbau des Freistaats Thüringen nach 1990 mit großem persönlichem Einsatz und Tatkraft maßgeblich mitgestaltet hat", würdigte Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt die Verdienste von Duchac. Er habe mit klugem und entschlossenem Handeln dazu beigetragen, unterschiedliche Interessen zusammenzuführen, den Freistaat als politische Einheit neu zu begründen und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Thüringerinnen und Thüringer zu stärken.
"Der erfolgreiche Aufbau des Landes Thüringen ist daher untrennbar mit seinem Mut, seiner Beharrlichkeit und seinem persönlichen Einsatz verbunden. Josef Duchac trug Thüringen und dessen Menschen tief in seinem Herzen." Duchac habe sich bleibende Verdienste erworben. Trotz schwerer gesundheitlicher Einschränkungen habe er die aktuellen politischen Entwicklungen bis zuletzt aufmerksam verfolgt und scharfsinnig kommentiert.
Geboren wurde Duchac 1938 in Bad Schlag (Jablonecké Paseky) in der heutigen Tschechoslowakei. Der gelernte Chemieingenieur arbeitete viele Jahre im Gummiwerk Waltershausen, zuletzt als Betriebsleiter.
Schon früh trat er in die CDU ein. Im Oktober 1989 wurde er Vorsitzender des Kreisverbandes Gotha. Im Juni 1990 ernannte ihn der letzte DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière zum Regierungsbevollmächtigten im Bezirk Erfurt, ab der Wiedervereinigung fungierte er als Landesbevollmächtigter für Thüringen. Die erste freie Wahl wenige Tage später gewann die CDU mit Duchac als Spitzenkandidat deutlich. Er bildete zusammen mit der FDP eine Koalition.
Rücktritt nach zwei Jahren im Amt
Nicht mal zwei Jahre später, im Februar 1992, trat er vom Amt des Ministerpräsidenten zurück. Ihm wurden Führungsschwäche und Verstrickungen mit dem DDR-System vorgeworfen. Zuvor waren bereits mehrere Minister zurückgetreten. Sein 2025 verstorbener Nachfolger Bernhard Vogel blieb bis 2003 im Amt.
"Ich wollte immer Chef sein" sagte Duchac 2020 in einem Interview mit Jens Hirsch. Er habe aber auch immer hundertprozentiges Vertrauen spüren wollen. Als das nicht mehr vorhanden gewesen sei, sei er freiwillig zurückgetreten. Bundeskanzler Helmut Kohl, ein enger Vertrauter Duchacs, reagierte ihm zufolge damals sehr ungehalten über seinen Rücktritt.
Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt übernahm Duchac für die Konrad-Adenauer-Stiftung die Leitung verschiedener Auslandsvertretungen, unter anderem in Lissabon, St. Petersburg und Budapest. 2020 sagte er zum Erstarken der AfD: "Das mit der AfD ist ganz schlimm. Ich hoffe, dass es die CDU auf Bundes- und auf Landesebene schafft, deren Wähler zurückzuholen."
Zuletzt lebte Duchac in Birkenwerder (Brandenburg). Nach einem Schlaganfall war er erblindet. Duchac hinterlässt seine Frau, mit der er über sechzig Jahre lang verheiratet war, und eine Tochter.