Über 500 Drohnen und RaketenTote und Verletzte nach russischem Angriff auf Plattenbau in Charkiw

Die Kreml-Truppen setzen ihre Angriffe auf ukrainische Energieanlagen fort. Dabei treffen sie in der Nacht auch ein Mehrfamilienhaus. Viele Menschen werden verletzt, sieben sterben. In den Trümmern befinden sich wohl noch über ein Dutzend weitere Opfer.
Russland hat die Ukraine erneut mit Luftangriffen überzogen und allein in der zweitgrößten Stadt Charkiw im Osten zahlreiche Menschen getötet und verletzt. Beim Einschlag einer ballistischen Rakete in einem Wohnhaus seien mindestens sieben Menschen getötet worden, teilte der Militärgouverneur von Charkiw, Oleh Synjehubow, am Morgen bei Telegram mit. Unter den Toten waren demnach auch ein 13 Jahre altes Mädchen und ein neunjähriger Junge. Die Zahl der Opfer hatte sich immer wieder erhöht, weil Rettungskräfte die Leichen erst nach und nach aus den Trümmern zogen. Noch immer werden 14 Bewohner vermisst und unter den Trümmern vermutet, teilt Synjehubow mit.
Auf Fotos sind schwere Schäden an dem fünfgeschossigen Wohnhaus zu sehen. Demnach sprengte die Rakete große Teile des Gebäudes weg. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von mehr als zehn Verletzten, Synjehubow von 15. "Russland hat 29 Raketen, davon fast die Hälfte ballistische Raketen, und 480 Drohnen, davon die meisten vom Typ Shahed, gegen die Ukraine eingesetzt", teilte Selenskyj in den sozialen Netzwerken mit. Einmal mehr sei die Energieversorgung Ziel der russischen Angriffe gewesen. Einer ntv.de-Auswertung zufolge handelte es sich um die zweitstärksten russischen Luftangriffe seit Jahresbeginn.
Betroffen waren demnach auch Kiew, die westukrainischen Regionen Chmelnyzkyj und Tscherniwzi sowie die Eisenbahn in der Region Schytomyr im Nordwesten des Landes. "Es wurden Schäden in den Regionen Dnipropetrowsk, Saporischschja, Winnyzja, Odessa, Poltawa, Sumy und Tscherkassy festgestellt. Überall, wo es notwendig ist, sind die entsprechenden Dienste im Einsatz", teilte Selenskyj bei Telegram mit.
"Russland hat seine Versuche nicht aufgegeben, Wohnungsbauten und kritische Infrastruktur der Ukraine zu zerstören", sagte Selenskyj. Er forderte die Verbündeten seines Landes zu weiterer Hilfe auf. Die Ukraine benötige weiter die Unterstützung ihrer Partner in Form von Luftabwehr und Waffen.
In Kiew hatte der Bürgermeister Vitali Klitschko wegen des Raketenalarms die Menschen aufgerufen, Schutz zu suchen. Am Morgen teilte er mit, dass bei den Angriffen drei Personen verletzt wurden. "Zwei von ihnen wurden ins Krankenhaus eingeliefert, eine Person wurde vor Ort behandelt", so Klitschko.
Selenskyj appellierte einmal mehr an den Westen, Russland für "diese brutalen Angriffe gegen das Leben" zur Verantwortung zu ziehen. "Wir zählen auf eine aktive Zusammenarbeit mit der EU, um mehr Schutz für unsere Bevölkerung zu gewährleisten. Ich bin allen dankbar, die dazu beitragen, unseren Schutz zu verstärken", sagte er.
Russland führt seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine seit mehr als vier Jahren. Das attackierte Land hatte von den westlichen Verbündeten zuletzt vor allem mehr Hilfe bei der Luftverteidigung verlangt. Beklagt wird immer wieder ein Mangel an Flugabwehrraketen.