Politik

UN-Klimagipfel in Paris Trittin hält Zwei-Grad-Ziel für unerreichbar

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"Wir schaffen voraussichtlich nur 2,7 Grad": Jürgen Trittin schaut wenig optimistisch in die Klima-Zukunft.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die heiße Phase hat begonnen: Bis Donnerstag soll der Text für einen neuen Weltklimavertrag stehen. Doch selbst im Falle eines Verhandlungserfolgs macht Ex-Umweltminister Trittin wenig Hoffnung auf das Erreichen der Klimaziele.

Wenige Tage vor dem Ende der UN-Klimakonferenz in Le Bourget bei Paris hat der frühere Bundesumweltminister Jürgen Trittin die Erwartungen an das Treffen gedämpft. "Auch wenn alle angekündigten Reduktionsbeiträge tatsächlich erbracht werden, schaffen wir voraussichtlich nur 2,7 Grad", sagte der Grünen-Politiker der "Welt". Ziel ist es, die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf zwei Grad Celsius zu begrenzen.

Dennoch zeigte sich Trittin optimistisch, dass der Klimaschutz auf Dauer Erfolg haben werde. Überall dort, wo der Einstieg in klimafreundliche Technologien beginne, verlaufe die Entwicklung meist schneller als erwartet. Den deutschen Stromkunden attestierte er eine "historische Leistung" für den globalen Klimaschutz. Ohne den "stürmischen Ausbau" der erneuerbaren Energien in Deutschland wäre die Technologie noch nicht so billig. "Deshalb boomen weltweit Sonne und Wind", sagte Trittin.

Er mahnte, dass sich die Länder auch an die Folgen des Klimawandels anpassen müssten. Es könne wahrscheinlich nicht mehr verhindert werden, dass der Meeresspiegel um bis zu einen Meter ansteigen werde. Trittin warnte auch, dass der Klimawandel beim Zerfall von Staaten eine Rolle spiele. In Syrien habe es vor wenigen Jahren eine katastrophale Dürre gegeben. "Das hat Hunderttausende vom Land in die Städte getrieben, und das war ein Teil des Pulverfasses, das dann hochgegangen ist", sagte er.

Ban fordert "ehrgeizige Beschlüsse"

Die UN-Klimakonferenz war mit dem Beginn der Verhandlungen auf Ministerebene am Montag in die entscheidende Phase getreten. Die Unterhändler der 195 Länder einigten sich am Samstag auf einen ersten Vertragsentwurf. Er enthält aber immer noch zahlreiche umstrittene Formulierungen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte bereits am Montag in einer Rede auf diese noch offenen Streitpunkte hingewiesen und ehrgeizige Beschlüsse angemahnt. "Die Welt erwartet von Ihnen mehr als halbe Maßnahmen", sagte er an die Vetreter der Länder gerichtet. "Die Entscheidungen, die Sie hier in Paris treffen werden, werden über Jahrhunderte spürbar sein."

Quelle: ntv.de, jug/AFP